Das Konzept von Dream Seeds kam dem umtriebigen Musiker, der bereits bei Zs und den Dirty Projectors mitgemischt hat, im Schlaf: Träume, in denen immer wieder Kinder auftauchten. Die hatten entweder ihre Wurzeln in der eigenen Vergangenheit oder wurden bald darauf Realität. So weit, so unheimlich die überzogene Hintergrundgeschichte zum neuen Album von Extra Life. Musikalisch gibt sich Looker ähnlich affektiert. Seine nölige Stimme drängt die Kompositionen fast völlig in den Hintergrund. Dabei sind die Songs auf Dream Seeds eigentlich wirklich interessant.
Der folkige Einstieg von No Dreams Tonight wird gefolgt von zwei krachigen Psych-Rockern, die zünftig dahinstampfen, erst bei der Ballade Little One sackt das Album wieder in kitschige, prätentiöse Gefilde ab. Dass dann bei First Song auch noch die großen Gesten eines Morrissey heraufbeschworen werden, geht dann fast schon zu weit. Mit Lookers Gesang steht und fällt die Arbeit der ganzen Band und er reißt sie leider heftig zu Boden. Voller Theatralik, Pathos und geht es dann auch mit Blinded Beast weiter, dem vierzehnminütigen Highlight der Platte. Wäre da nicht Lookers nervenzerfetzendes Organ
Ten Year Teardrop scheint danach fast Balsam für die Hörgänge, aber nein: Nach einem sanften Anfang muss sich Looker an einem emotionalen Totalabfuck versuchen: Nach gut sechs Minuten verfällt er doch in ein gutturales Kreischen: »How I miss you!«, »I love you« und »We buried you«. Gut, dass er irgendwann den eigentlichen Song wieder aufnimmt. Den Fremdschämmoment macht er damit trotzdem nicht wett. Wie auch die zeitweise exzellente musikalische Performance nicht für den überstilisierten Gesang entschädigen kann. Wie auch immer es Looker geht, er könnte ruhig etwas weniger damit hausieren gehen.