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    TITEL kulturmagazin
    Mittwoch, 23. August 2017 | 02:29

    Bong-Ra: Monolith / Last Step: Sleep

    03.05.2012

    Powernapping und Schwarzmalerei

    Der erste wird als einer der Mitbegründer des hyperaktiven Drum’n’Bass-Ablegers gehandelt, der zweite hat mit seinem Projekt Venetian Snares das Genre für eine breitere Öffentlichkeit interessant gemacht und sich mit Alben wie Rossz Csillag Alatt Született ein Denkmal gesetzt. Mit ihren neuen Releases wagen sich Kohnen und Funk jedoch in andere Bereiche vor. Der eine weniger, der andere mehr. KRISTOFFER CORNILS über Bong-Ras Monolith und Last Steps Sleep.

     

    Als Last Step hat sich der kanadische Produzent Funk schon häufiger abseitig der gewohnten Pfade bewegt. Statt zerhackstückter Hochgeschwindigkeitsbeats gab es auf bisher zwei Alben eher acidlastige Tracks zu hören, die mit experimentellen House-Anleihen überraschten. Von Four-to-the-Floor hält sich das neue Last Step-Produkt Sleep zwar immer noch weitestgehend fern, dies liegt aber nicht daran, dass Funk wieder sein Faible für ultravertrackte Drum-Läufe auslebt. Der Grund ist ein anderer: Der Titel von Sleep ist ein sprechender, an den neun Tracks wurde immer dann gewerkelt, wenn Funk die Augen zufielen. »Eine Weile lang, wenn ich richtig müde war und eigentlich ins Bett gegangen wäre, habe ich angefangen, Musik zu machen, statt mich schlafen zu legen.« Unnötig, es zu erwähnen: Durchgehalten hat er bei diesen Jam-Sessions aber nicht immer: Teile von Sleep wurden buchstäblich im Schlaf komponiert. Das ist eine kuriose Hintergrundgeschichte für ein Album, das letzten Endes gar nicht so spannend oder, um es mit einem gruseligen Kalauer zu sagen, sogar ziemlich verschnarcht klingt.

     

    Zu ätzenden Basslines und dumpfen Beats kreischt und fiept  der legendäre Roland TB-303-Synthesizer, als würde er von abgefahrenen LSD-Träumereien berichten wollen. Mit seiner Musik Räume aufzumachen, das hat Funk nicht verlernt, aber wie auch die letzten Venetian Snares-Veröffentlichungen kommt er auch nicht mit Last Step auf einen grünen Zweig. Erst, als das Album gegen Ende hin etwas Fahrt aufnimmt, bekommt man eine Idee von dem Potenzial, das in Sleep eigentlich steckt. Das wird nur leider von latent unaufregenden Songstrukturen zugeschüttet. Die Arrangements laufen loopartig vor sich, ihnen geht jeder Drive völlig ab. Scheinbar nach Zufallsprinzip werden hier neue Spuren hinzugefügt, dort welche rausgenommen. Ziemlich müde, schlaff und halbgar klingen die Tracks dadurch leider. Was war eigentlich anderes zu erwarten: Wenn der Produzent beim Komponieren pennt, muss man sich schließlich nicht wundern, wenn ihm kein Spannungsbogen gelingt. Aber vielleicht macht sich Sleep prima als Musik fürs Powernapping.

     

    Mit dem Pathos und Pomp eines Kino-Blockbusters

    Jason Kohnen bleibt als Bong-Ra seiner Herkunft treu. Kein Wunder, konnte er sich doch bei seinen zahlreichen Nebenprojekten wie White Darkness, The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble (http://titel-magazin.de/artikel/16/8963/the-kilimanjaro-darkjazz-ensemble-from-the-stairwell.html ) und anderen ruhigeren, wenngleich apokalyptischen Tönen widmen. Mit Monolith kommuniziert er eine ganz ähnliche Message in einer anderen Sprache. Das liegt zum großen Teil daran, dass auf dem ersten Teil des Albums Rapper Sole aggressiv über die Monumentalbeats flowt. Zusammen mit den fett produzierten, komplexen Arrangements Bong-Ras malt er paranoide Visionen einer trostlosen Zukunft aus, die schon in der Gegenwart ihren Anfang nimmt: »It ain’t over your head, it’s under your feet, it’s in the water, it’s raining blood and you’ll need a picture to see it«, heißt es in Monolith, der den Alpha-Teil des gleichnamigen Albums eröffnet. Die letzten vier Songs fasst Kohnen unter dem Titel Omega zusammen, sie kommen ohne menschliche Stimme aus – schließlich erzählen die Tracks vom Ende der Zivilisation.

     

    Das ist dick aufgetragen, kommt mit dem Pathos und Pomp eines Kino-Blockbusters. Aber genau so sollte man Monolith vielleicht auch betrachten: Als SciFi-ähnliches, musikalisches Narrativ, das sich in übertriebener Schwarzmalerei suhlt, als dystopisches, überorchestriertes Szenerio. Denn erst dann macht Monolith erstaunlich viel Spaß. Gerade in den Features mit Sole, in denen sich Kohnen etwas zurückhält mit den überbordenden Snare-Läufen, die für das Breakcore-Genre so charakteristisch sind, legt er ein mitreißendes Tempo vor. Der Bombast setzt sich auch im Omega-Teil fort, allerdings setzt Kohnen weniger auf Hip Hop-affine Grundgerüste, sondern zahlt seiner Metal- und Grindcore-Vergangenheit Tribut. Breite Gitarrenriffs bollern über die deutlich schnelleren Tracks, als gelte es, den unabwendbaren Untergang der Menschheit gehörig zu beschleunigen. Auch mit den Beats tobt sich Kohnen deutlich mehr aus, was dem Tempo natürlich angemessen ist, aber auch die cineastische Wirkung etwas abmildert. Wo Alpha noch vergnüglich-fatalistisches Kopfkino bietet, schielt Omega schon eher auf illegale Raves in den Kellerräumen besetzter Häuser. Nichtsdestotrotz: Monolith hat seinen Namen verdient, es ist ein beeindruckendes Album geworden. Eine abwechslungsreiche Breakcore-Platte und unterhaltsame Erzählung gleichermaßen.

     

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