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    TITEL kulturmagazin
    Mittwoch, 23. August 2017 | 04:31

    Toms Schnellgericht (II)

    26.04.2012

    Flieg, schräger Jazzvogel, flieg!

    Von Wien bis Berlin: spannende Neuerscheinungen, die man zwar am ehesten dem Genre Jazz unterordnet – die jedoch alles andere sind, als Ausdruck einer angestaubten, überqualifizierten Musikerelite ohne Blick für gegenwärtige Strömungen. Von TOM ASAM

     

    Bellbird sind Teil eines jungen Jazzvogelschwarms, der auf der Achse Köln-Berlin in verschiedenen Flugformationen auftritt. In Bands wie Expressway Sketches oder Tobias Hoffmanns Fallschirme wird zum einen die Internationalität des Jazz gelebt, zum anderen ein musikalischer Ausdruck gesucht, der im Hier und Jetzt angesiedelt ist. So sind auch Bellbird als Jazzformation auszumachen, allerdings hören wir hier Musiker, die ganz klar auch andere musikalische Kontexte kennen und schätzen. Die Band um Leader Marco Mlynek (Piano) verortet sich zunächst irgendwo im weiten Feld zwischen dem Postbop der sechziger Jahre und Minimal-Traditionen. Das weiche und melodiöse Soundspektrum ist angenehm, aber auch fragil und lebendig. Die gelungenen Kompositionen wirken dabei wie eine äußerst gelungene Rückübersetzung elektronisch angereicherten Ausgangsmaterials in ein rein akustisches Endprodukt. Man kann den Geist von Tortoise oder Notwist hier genauso wahrnehmen wie den eines Eric Dolphy. Der Albumtitel transmitter scheint mehr als passend.

     

    Das Wendland kennt man vor allem als Herz der Anti-Atomkraftbewegung, doch entstehen hier auch bewegende Musikstücke. Bei Mauve Stan handelt es sich um ein multiinstrumentales Quintett mit drei Gitarren, zwei Schlagzeugen, Reeds, Keyboards und Stimmen. Diese Instrumentierung lässt auf ein powervolles Jazzrock-Ensemble schließen, doch trifft der Hörer hier auf kristalline, luftige Klanginstallationen, in denen die Improvisation zu ihrem Recht kommt, das vermeintliche Lead-Instrument allerdings nicht auszumachen ist. »Wir wollen Geschichten erzählen und Geschichten können eben jede Form annehmen«, ist eine Aussage dieser Band, in der der Respekt vor dem Standpunkt der jeweils anderen im Mittelpunkt steht. Jeder trägt zur Geschichte bei, versucht aber die Handlungsstränge der anderen aufzunehmen, integrieren und weiterzuspinnen. Um diesen Prozess zwischen Poesie und Spröde, Anziehung und Abgrenzung dauerhaft spannend zu gestalten, bedarf es schon einer großen Vertrautheit zwischen den Musikern und dem richtigen Maß zwischen Ego und Einfühlvermögen. Mauve Stan scheinen über all das zu verfügen und gestalten auf Flyin´ assoziativ wirkende, auditive Kunstwerke, die in der Lage sind, die Gedanken des Hörers abheben zu lassen

     

    Blickt man auf das Cover von Susanna Ridlers Susystems, nimmt man eine konzentrierte Frau wahr, die mit aufgestellten Antennen darauf zu warten scheint, etwas zu empfangen. Hier geht jemand in sich, um den eigenen Emotionen nachzuspüren und Impulse zu empfangen, diese adäquat umzusetzen. Emotionen zwischen Melancholie und exaltierter Lebensfreude werden zu einem atmosphärischen Klangbild zusammengefügt, welches akustische und elektronische Instrumente verschmelzen lässt. Zwischen Poppoesie, smoothem Vocal-Jazz und Elektronik entsteht ein fein gewobenes Klangbild, in dem jede Note gleichberechtigt nebeneinandersteht. Susystems ist ein intensiver Wachtraum, bei dem man klaustrophobische Labyrinthe durchwandern muss, um auf helle Sonnenstrahlen zu treffen. Der Versuch, verschiedene stilistische und methodische Traditionen zu verbinden, um Individualität auszudrücken, Improvisation und Tüftelei zu »Comrovisation« zu verdichten, führt zu einem spannenden Ergebnis. Diese so emotionale wie präzise Fusion-Musik erfordert dabei aufmerksame Zuhörer.

     

     

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