Seit über 30 Jahren fängt der wilde, wilde Westen gleich hinter Hamburg an. Und heute wie damals zeigt sich der Norden vom Wilden Westen fasziniert. Kennt ihr da draußen noch Cliff Barnes and the Fear of Winning? Vor gut dreißig Jahren schon wussten `Big Dog` Doug LaTrine und Bobby Tijuana, dass jeder gottverdammte Drugstore im Mittleren Westen mehr coolen Rock’n’Roll Flair zu bieten hat als die Quakenbrücker Fachwerkmeile. So oder ähnlich denkt auch Kay Buchheim, der seit Jahren unter dem Namen Digger Barnes in der heimischen Americana und Folk Szene unterwegs ist. Zu internationalen Ehren hat es der Hamburger Junge auch schon geschafft. Lange Zeit zupfte der den Bass für die Soloaktivitäten des Hot Water Music Kopfes Chuck Ragan.
Damit ist jetzt aber vorerst Schluss. Das neue Album Every True Story verlange volle Aufmerksamkeit. Und die lohnt sich aufzubringen. Es ist ein ruhiges, bedachtes Album geworden, das sich mit dem großen Thema Reisen beschäftigt. Digger Barnes besingt Trips über die man nichts im HolidayCheckPortal findet. Unterwegs sein heißt hier, den harten Belag der Straße spüren, langes Warten auf den Bus, der dann doch nicht kommt und du dir das Wartehäuschen mit den hoffnungslosen Gestalten der Nacht teilen musst. Verpackt in die klare, unverstellte Sprache des Americana. Ruhig und unaufgeregt, mit der Gelassenheit vom vielen Kilometerfressen. Für uns Dallas-Freunde stellt sich abschließend die Frage, wann die Familie Ewing Bandmäßig aus der Hüfte kommt. Wie wär’s mit den Miss Ellie Singers oder den Sue Ellen Suckers?