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Dienstag, 28. März 2017 | 21:33

Rufus Wainwright: Out of the Game

26.04.2012

Das verflixte siebte...

In Zusammenarbeit mit Top-Produzenten Mark Ronson gelingt Wainwright ein großartiges Album mit der Formel »weniger Operette, mehr Pop!« Von TOM ASAM

 

Was konnte man vom dandyhaften New Yorker mit kanadischen Wurzeln und Berlin-Faible noch erwarten? Er hatte sechs Studioalben, zwei Livealben und ein Fan-Traumpaket mit 13 CDs und DVDs veröffentlicht. Auch wenn er niemals Durchschnittsware veröffentlichte, stellte sich doch ein gewisser Sättigungsgrad ein. Da kam Mark Ronson gerade richtig. Denn Out of the game ist bei aller Verspieltheit und bei seiner brillanten Produktion doch insgesamt etwas zurückhaltender und weniger exaltiert, als man das von Rufus kennt. Die ganz großen Gesten – die er zweifellos perfekt beherrscht – treten etwas in den Hintergrund, beziehungsweise werden pointierter eingesetzt. Dafür erstrahlen die Erinnerungen an den Pop der frühen bis mittleren 70er Jahre in vollem Glanz. Ronson bescheinigt der Scheibe einen »Laural-Canyon-Spirit« und spielt damit auf die Zeit in L.A. an, als unter anderem The Byrds, Jim Morrison und Joni Mitchell in Nachbarschaft wohnten. Rufus selbst denkt bei Out of the game an die Schrillen und Schönen der Epoche: Elton John, Freddy Mercury und David Bowie zum Beispiel. Kann man auch alles gut nachvollziehen beim Hören des Albums, das zeitlich zwischen dem Abtauchen der Beatles, deren yellow submarine hier kurz auftaucht, und den Vorwehen von Disco zu verorten ist. Ob der flotte Titelsong und Opener, der auch die erste Single-Auskopplung darstellt, das gospelgefärbte Jericho oder Bitter Tears, das ein typisches Rufus-Stück in runderneuertem Soundgewand darstellt – hier stimmt alles.

 

Dazu tragen neben der Produktion auch die großartigen Gastmusiker bei: Neben den Dap-Kings, die Ronson ja schon zum bahnbrechenden Back to Black von Amy Whinehouse oder seinem eigenen, jukeboxhaften Pop-Meisterwerk Record Collection, ins Studio bat, hören wir unter anderem Wilcos Nels Cline, Nick Zinner von den Yeah Yeah Yeahs, John Lennons Sohn Sean und Rufus´ Schwester Martha Wainwright. Und wo wir schon bei Familiengeschichten sind, noch ein kleiner Nachschlag: Man darf jetzt schon gespannt sein, was Rufus einjährige Tochter Viva, die im Booklet mit »Welcome to the ball« begrüßt wird, mal von sich geben wird. Die (Leih-)Mutter Vivas und gute Freundin des bekennenden schwulen Vaters Wainwright, der ja selbst aus einer traditionsreichen Musiker-Famile stammt, ist nämlich keine geringere als die Tochter von Leonard Cohen. In einer Familie, in der goldene Platten an der Wand hängen, wie bei anderen Sparkassenkalender, kann ja eigentlich nichts schief gehen. Das wünschen wir uns natürlich auch für die Beziehung von Rufus und seinem Freund, den er im siebten Jahr der Beziehung bald heiraten wird – mit der musikalischen Untermalung des siebten Albums (immerhin sind zwei Songs darauf seinem Partner gewidmet)!? Letzteres jedenfalls sollte ihm, der bisher in Kanada und England am erfolgreichsten war, noch mal einen deutlichen Aufschwung in Sachen Verkaufszahlen (und Chartplatzierungen) bescheren.

 



 

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