Von Leipzig nach Berlin ist man gerade mal eine Stunde mit dem ICE unterwegs. Was auf dem Streckenplan der DB also fast eins ist, liegt auf der Weltkarte der Musik sehr weit auseinander. Doch was mit DJ Malik und Panthera ursprünglich in Erfurt begann, ist mittlerweile eine entspannt vor sich hin produzierende Kreativ-WG, die die von plakativer Internationalität und Hipstertum verschonte Stimmung Leipzigs in ihre Musik zu übertragen weiß. Da kommt es schon mal vor, dass vier Typen in vier verschiedenen Zimmern an Track-Entwürfen rumbasteln. Mit der entsprechenden Muße versteht sich – die man sich gönnen kann, da nicht nur alle Musiker, sondern auch die Bookingagentur und das eigene Studio vor Ort sind – wird dann auch was draus.
Small Hours beschäftigt sich mit den letzten Stunden des Tages, die man – wenn man in der Lage ist, auch mal auch elektronische Gerätschaften zu verzichten – bei einer Kippe am Fenster über vergangene Lieben, verpasste Chancen, kommende Freuden oder aufkommende Ängste sinnieren kann. Menschliche Dauerthemen, die auf Small hours auch mit dem entsprechenden human touch behandelt werden. Auch wenn die Formation wohl als »elektronischer« Act wahrgenommen wird, funktionieren die Stücke quasi gleichwertig als Tracks und Songs. Nicht zuletzt durch die tolle Gesangsstimme von Spunk und einem Hang zur Handarbeit ergibt sich eine im weiteren Sinne jazzige Note. Panthera ist nicht nur Produzent und Knöpfchendreher, sondern spielt auch ausgezeichnet Saxophon – und ist verantwortlich für das überaus gelungene Artwork. Die »Drums« bei Marcel Rocel bestehen angeblich aus einer Couch, einer Truhe, einem großen Weinglas. Dieses passenderweise auf Compost Records erscheinende Album verkörpert ideal den Zustand der Vorfreude auf den Frühling, der verbunden ist mit der Regenwettermelancholie und der Zurückgenommenheit, die dadurch entsteht, dass er einfach nicht kommen will.