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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 30. April 2017 | 16:46

    Bersarin Quartett: II

    19.04.2012

    Klanglabyrinth

    Vier Jahre nach Veröffentlichung des ersten Bersarin Quartett-Albums, das vor zwei Jahren von Denovali neu aufgelegt wurde, legt das Münsteraner Ein-Mann-Projekt seinen zweiten Tonträger vor. Logischerweise heißt der II. Auch wenn die musikalische Signatur Thomas Bückers dieselbe geblieben ist, stellen die zwölf Songs – die Vinyl-Version enthält noch einen Bonustrack – eine konsequente Weiterentwicklung des Bersarin-Sounds dar. Von KRISTOFFER CORNILS

     

    Geblieben ist die etwas verträumte, melancholische Grundstimmung, die bereits den Erstling Bersarin Quartett zu einem perfekten Soundtrack für winterliche Tage machte. Auf struktureller Ebene wurde aber der Pomp heruntergefahren, regieren mehr Repetition und Ambient-Klänge. Im Hintergrund brodeln dronige Bassfrequenzen, die wie ein verschwommenes Echo der Beats klingen, die noch auf dem Vorgängeralbum häufiger zu hören waren. Ihre Konturen erhalten die Kompositionen, die sich überwiegend bei der Fünf-Minuten-Grenze einpendeln, eher von den bittersüßen Streicherloops (Perlen, Honig oder Untergang) oder dezenten Klaviermelodien (Keine Angst), die den roten Faden der Tracks darstellen. Abstrakter geht es auf Im Lichte des Anderen und Im Glanze des Kometen vor sich, mit dröhnenden, fordernden Soundscapes, die nach und nach an Intensität gewinnen. Ganz vom Gas geht Bücker trotzdem nicht: Alles ist ein Wunder weist mit seinen vertrackten Beats schon beinahe Dubstep-Anleihen auf. Kombiniert mit einer dichteren Produktion ergibt das ein fantastisches Klanglabyrinth, durch das der Münsteraner führt, immer auf der Suche nach dem perfekten Sound.


    II gibt sich trotz seiner besser nachzuvollziehenden weil reduzierteren Strukturen nicht unbedingt eingänglicher. Die schwer einzuordnende Mischung aus Ambient-, Neo-Klassik-, Jazz- und Downtempo-Electronica hat einen opaken Charakter, etwas Mystisches vielleicht. Nicht von ungefähr erinnern die Titel der Songs (insbesondere Einsame wandeln still im Sternensaal) an Verse von Georg Trakl, der sogar in den Danksagungen Erwähnung findet. Ähnlich wie die Lyrik der Morphinfans setzt Bücker mit seiner musikalischen Sprache auf Verdichtungsprozesse. Der Abwechslungsreichtum der Kompositionen, der sich einige wenige zu durchgestylte Momente (Der Mond, der Schnee und Du) erlaubt, greift subtil aufs Bewusstsein über. Es ist ein durchdachteres Album als noch das Debüt und noch schöner ausgefallen. Ob II das vielzitierte Kopfkino – das Bersarin Quartett wird häufig auch als »filmscore project« deklariert, den Film dazu muss man sich allerdings selbst zusammensetzen – in Gang setzt oder doch ein Angebot an den Geist ist, sich im Sound zu verlieren: Dieses Album ist ein Genuss.

     



     

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