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    Freitag, 28. April 2017 | 12:04

    Lo Fat Orchestra: The Second Word Is Love / The Audience: Hearts

    05.04.2012

    Wie Sand am Meer

    »Junge (…) Post-Punk-Bands gibt es wie Sand am Meer. Sie sehen alle gut aus, sind witzig, clever, kreativ«, schrieb KRISTOFFER CORNILS vor gut einem Jahr etwas entnervt. Immerhin Future Fluxus konnte er zugestehen, voll auf der Überholspur unterwegs zu sein. Mit Lo Fat Orchestra und The Audience ist er jedoch auf zwei Bands gestoßen, die knapp über der vorgeschriebenen Mindestgeschwindigkeit auf der rechten Spur vor sich hintuckern.

     

    Während die deutschen The Audience Hearts komplett live einspielten, entschieden sich die drei Schweizer von Lo Fat Orchestra für The Second Word Is Love ins Studio zu gehen. Da hören die Unterschiede fast schon auf, denn beide Bands eint nicht nur das Faible für Orgeleinsätze und die Tatsache, dass sie es nun mit dem verflixten dritten Album zu tun haben. Vielmehr widmen sich beide knalligem Post-Punk mit vertrackter Rhythmussektion, leicht funkigen Einschüben und zackig-treibenden Gitarrenriffs. Das Trio Lo Fat Orchestra groovt den notorischen Trantüten von The Audience doch etwas voraus, zeigt sich – zwei Mitglieder weniger hin oder her – musikalisch vielseitiger. Der TV On The Radio-eske Opener Be Honest macht zumindest schon einmal gut Laune und auch Don’t Talk To Me nimmt einen knalligen Auftakt und reißt mit tightem Drumming alles nach vorne. Allerdings verliert sich der Song in einem schier endlosen Refrain, versandet nach und nach in der Langweile. Da zeigen sich die Probleme, die beide Bands wieder vereinen.

     

    Bei allem musikalischen Können, knackiger Instrumentierung und Ohrwurmmelodien sieht es auf songwriterischer Ebene ziemlich mau aus. The Audience krebsen nicht nur auf ihrem Auftakt We Belong To Boys ewig lang in der Strophe rum, bevor sie in einen verhaltensunauffälligen Refrain verfallen, ihr ganzes Album zuckelt unmotiviert vor sich hin. Strophe und Refrain, das sind sowieso die beiden Bauteile, aus denen beide Bands ihre tanzaffinen Tracks zusammenbasteln, hier und da mal garniert von der obligatorischen Bridge. Spannend oder überraschend ist das nicht. Da hilft auch die bittersüße Violine auf Lo Fat Orchestras Going With The Punks, der weibliche Gastauftritt am Mikrofon in Take My Love oder ein verstrandetes Finale wie auf The Band Is Broke nichts: Strukturell geben sich sowohl die Schweizer als auch die Deutschen stinklangweilig. The Audience versuchen es sowohl mit Träne im Knopfloch als auch mit ordentlich Funk, reißen dadurch allerdings ebenso wenig heraus. Sie versteifen sich noch viel mehr als ihre Kollegen auf übersichtlich gehaltene Songs, verschwenden zu viel Zeit auf uninteressante Ideen und können mit ihren melancholischen Partyhymnen noch weniger überzeugen.

     

    The Second Word Is Love und Hearts nehmen sich wenig in Sachen Stil und Geschwindigkeit. Sie sind beide nicht wirklich so richtig schlecht, sie sind nur langweilig. Und irgendwie, und das ist noch trauriger, überflüssig. Denn junge Post-Punk-Bands gibt es wirklich wie Sand am Meer und weder The Audience noch Lo Fat Orchestra können aus der unüberschaubaren Menge herausstechen.

     

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    Kommentar:
    Versteh ich nicht ganz: Lo Fat kriegt z.B. im neuen Ox 10 von 10 Punkte..
    | von Heinz, 05.04.2012
    Ja, das Album von The Audience kam da auch sehr gut weg. Aber die 10 Punkte habe ja nicht ich gegeben, sondern jemand anderes, der da andere Maßstäbe anlegt und natürlich eine andere Meinung hat.
    | von Kristoffer Cornils, 07.04.2012
    Junger Schnösel aus Buxtehude schreibt Reviews über Platten für Erwachsene. Prost Digger!
    | von Das Publikum, 09.04.2012
    Die bittersüße Violine ist übrigens ein Cello. Das ist so eine große Violine zum auf dem Boden stellen.
    | von Markus, 01.08.2012

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