TITEL kulturmagazin
Dienstag, 28. März 2017 | 21:43

Toms Schnellgericht

29.03.2012

Zurück in die Zukunft

Brandaktuelle Highlights aus verschiedenen Ecken elektronischer Musik - vorgestellt von TOM ASAM.

 

Der Fünfer Breton stammt aus der Hausbesetzer-Szene Süd-Londons und hat seine Wurzeln eigentlich im Bereich visueller Experimente. Aus der wachsenden Begeisterung seitens des Publikums bezüglich der akustischen Untermalung ihrer DIY-Filmexperimente entstand erst die Idee, ein Album aufzunehmen. Other peoples problems ist das Ergebnis einer audiovisuellen Autopsie. Die Truppe um Roman Rappak nimmt die Erwartungen an elektronische Musik, Sounds und Produktionsstandards auseinander, bricht Prozesse auf und bastelt sich was Eigenes daraus. Das Ergebnis ist schwer zu  kategorisieren. Hyperaktiver Pop trifft auf thinking man´s Hip Hop, angerührt wird das Ganze mit heftiger Elektronik und auch mal Streichern. Der breite Stilmix liegt wohl unter anderem in Rappaks Sozialisation im Postkommunistischen Polen mit seiner wilden Mixtape-Piraten-Szene begründet. Auch U-Bahn-Geräusche oder Lebenszeichen akustischer Instrumente finden ihren Weg in das süffige Soundgebräu der Londoner, die es schaffen, dynamisch und organisch zu klingen. Dabei hatten sie aber auch beste Rahmenbedingungen und den passenden Support. Aufgenommen wurde in den Studios von Sigur Ros, der Düsseldorfer Komponist Hauschka sorgte für die Perfektionierung der Streichersounds und beim Mixing war u.a. Thomas Hein, seines Zeichens Drummer der Soundmonster These New Puritans dabei. Starkes Debut!

 

Clark ist nicht erst seit seinem letzten, auch schon wieder fast drei Jahre alten Album Totem Flare hoch im Kurs bei Freunden elektronischer Musik, einschlägigen Medien und namhaften Musikerkollegen. Für Iradelphic hat er jede Menge unterschiedliche Studio-Set-Ups, Instrumente und Tools genutzt. Field Recordings, Beats vs. Piano und Harpsichord, alte Mikrophone und Aufnahmegeräte ... und bei zwei Tracks auch noch die sexy Stimme von Martina Topley Bird. Mensch und Maschine, Alt und Neu vereint zu einer unglaublich warmen Indietronic-Scheibe, die von vorne bis hinten absolut zu überzeugen weiß!

 

Antony Williams erwarb sich in den letzten fünf Jahren vor allem unter dem Pseudonym Headhunter einen Namen mit eher komplexen Tracks in der Dubstep-Szene. Nachdem ihm allerdings 2010 mit dem Bass-Music-Monster-Track Footcrab ein großer Erfolg beschert war, folgt nun ein ganzes Album mit nahtlosen Geradeaus-Dance-Nummern unter dem Namen Addison Groove. Williams verbindet seine Einflüsse aus der UK-Bass-Music Szene mit Erkenntnissen aus Juke und der Chicago Footwork-Szene. Straighte, mächtige Nummern, die in der Regel auf einer schlichten, sich wiederholenden, Gesangslinie und ordentlicher Drum-Power aufbauen. Bei zwei Nummern schaut Spank Rock (remember: #1 Hit) vorbei. Guter Wachmacher!

 

Ganze fünf Jahre nahm sich Michael Reinboth Zeit für die zwölfte Ausgabe des Compilation-Klassikers Future Sounds of Jazz – nachdem er zwischen 1995 und 2007 elf Stück davon rausgeballert hatte! Die Auszeit hat der Sache nur gut getan. Was mehr oder weniger in der Tat mit Jazz zu tun hat, bildet dabei allerdings nicht (mehr) die Zukunft dieses Sounds ab. Vielmehr begibt Reinboth sich mit seiner Zusammenstellung eher zurück zu den Ursprüngen der Reihe aus dem Hause Compost. Auf neuere Stilentwicklungen wird weitgehend bewusst zugunsten erprobter Downbeat-Varianten verzichtet. Dabei kommen neben bekannteren Namen (Deep Space Orchestra, Wareika) auch tolle Neuentdeckungen wie die japanischen Acts Rahout de Lapin und Anchorsong oder Lo Tide aus Australien zum Zuge. Persönliche Anspieltipps: Sepalcure´s Fleur und Hypnolove´s Midnight Cruising in der Mickey Moonlight Dub-Version. 24 gelungene bis begeisternde Tracks mit fast 160 Minuten Spielzeit auf zwei CD´s bzw. 3-fach-Vinyl, darunter auch ein paar exklusive, bisher unveröffentlichte Tracks. Da gibt’s ja wohl nichts zu meckern!

 

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