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    TITEL kulturmagazin
    Mittwoch, 23. August 2017 | 02:29

    Toms Schnellgericht

    22.03.2012

    Schall und Rauch

    Diese Namen haben alle erst mal was mit Schall zu tun, den man sich am besten via entsprechender Platte in die Lauscher holt. Wenn man sie sich alle merken will, raucht einem allerdings der Schädel. Von TOM ASAM

     

    Da hätten wir zum Beispiel aidan. Der nimmt sich nicht so wichtig, knapper Name – und auch noch klein geschrieben. Seine Musik orientiert sich zudem eher an ruhigeren, dafür umso großartigeren Vorbildern – wie Nick Drake, Jeff Buckley oder John Martyn. Der Ire aidan landete nach zehn Jahren mit Fahrrad und Klampfe on the Road in Brüssel. Das Album Le Grand Discours ist quasi die vertonte Zusammenfassung vieler Erfahrungen, die er in neun Ländern auf unzähligen Kilometern und bei diversen Jobs (Tauchlehrer, Bauer, Tontechniker – so die Legende) machte. Obwohl auch tatsächlich an verschiedenen Locations aufgenommen ist Le grand discours kein wildes Durcheinander und auch nicht Zeugnis eines simplen Straßenmusikers, sondern ein erstaunlich stimmiges Debut eines talentierten Singer-/Songwriters, der die Entdeckung lohnt!

     

    Weiter geht’s mit Daniel, der verrät uns sogar seinen Nachnamen: Rossen. Das sagt ihnen auch nichts? O.K., der Knabe ist seit Jahren Mitglied von und Songwriter für Department of Eagles und die mächtigen Grizzly Bear (Tierfreund!). Über die Qualitäten als Songwriter dürften hiermit keine Zweifel mehr bestehen. Auf silent hour/golden mile geht er deutlich straighter und klassischer zur Sache als zuletzt bei Grizzly Bear und fischt in ähnlichen Gewässern wie aidan, dabei durchaus bewusst etwas altbacken und kammerorchestral. Was für Rossen wohl nur Fingerübungen sind bis zur nächsten Grizzly-Attacke darstellt, besitzt allerdings ganz große Klasse, leider nur über EP-Länge (23 min.), hoffentlich bald mehr davon!

     

    Auf höchstem Niveau geht’s weiter mit dem australischen Barden Steve Smyth. Dessen Debüt hat zwar kein finanzstarkes Label im Rücken, aber dem Mann scheint ein Ruf vorauszueilen, der Rolling Stone sieht in ihm gar einen der heißen Newcomer des Jahres 2012. Auch Smyth kennt nicht nur die aktuellen Neo-Folkies, sondern hat seine Hausaufgaben gemacht. Jeff Buckley kann man auch hier als Einfluss hören, der sich bei Smyth mit einem dunkleren, düsteren Einschlag vermengt. Die Geschichte, dass Smyth während seiner Ausbildung zum Schreiner, die er mit 15 begann, von einem amerikanischen Gitarristen auf der Baustelle in jeder freien Minute etwas über Blues lernte, scheint zu stimmen. Howling Wolf und Leadbelly reisen im Geiste immer mit, hin und wieder kommt einem Tom Waits in den Sinn (etwa beim Opener barbiturate cowboy and his dark horse.) Und Reisen liebt er, der singende Schreiner. In den nächsten Tagen stehen vier Deutschland-Konzerte an, für das Haldern Open Air ist er auch gebucht. Hingehen, dieser Mann verfügt ganz klar über eine Vision und einen eigenen Ansatz!

     

    Weiter geht’s mit Frankie Boy. Halt, nein, Frankie Rose ist eine junge Dame, die schon fleißig war. Da hatten wir die Vivian Girls, Dum Dum Girls und Chrystal Stilts – allesamt Bands, die für mehr oder weniger Furore sorgten – und die Rose hinter sich ließ! Das 2010er Debut von Frankie Rose and the outs ging allerdings (nicht nur) an mir vorbei. Und schon geht’s weiter, diesmal nur als Frankie Rose. Die Phil Spector-Anleihen, der Hall, die 60´s Girl-Pop-Ansätze spielen auf Interstellar kaum noch eine Rolle. »I knew I wanted a HUGE sounding record...a streamlined, spacious record with big choruses that sometimes referenced 80s Pop«, beschreibt Frankie ihre Heransgehensweise. Wer jetzt aber die fette Mark Ronson-Nummer erwartet oder Hymnen, wie zuletzt bei Hooray for Earth, liegt allerdings daneben. Interstellar steht eher für die flüchtigen, kleinen Sternschuppen zwischen den großen Sternen. Die leuchten nicht so penetrant und man muss sich schon konzentrieren, um sie wahrzunehmen. Eine irgendwie schwer zu verortende, aber gelungene Pop-Platte, die dann doch nicht sooo weit von den Wurzeln der Frankie entfernt ist, aber gereifter erscheint.

     

    Ein Name geht noch: Karen. Und: Tanja! Weil: Tanja Frinta ist der Kopf von Lonely Drifter Karen. Man sollte sich ja mittlerweile nicht mehr darüber wundern, tut es aber doch wieder: wie viele erfrischende Platten aus Österreich kommen. Allerdings: Sängerin und Gitarristin Frinta lebt und arbeitet mittlerweile in Brüssel, wo sie ihre musikalischen Pralinen mit dem aus Spanien stammenden Keyboarder und Arrangeur Marc. M. Sobrevias fertigt. Poles, das dritte Album der driftenden Österreicherin, geht in eine etwas andere Richtung, als erwartet. Die Kirmes-Atmosphäre ist verflogen, die verspielten Anklänge an Waits und Zigeunerfolk einer straighteren, poppigeren Ausrichtung gewichen. Und da zeigt sich die Größe dieser Formation. Denn auch wenn sie von der überwiegend akustischen Instrumentierung zu analoger Elektronik, mehr Groove und Bass gewechselt haben: Das Ergebnis ist genauso überzeugend wie zuvor! Auch wenn die Maschine auf diesem Album ihren Anteil hat, ist die Ausstrahlung der Songs eine menschliche. Streckenweise macht sich eine verträumte Melancholie breit, die den Wunsch nach einer Fortsetzung von Lost in Translation aufkommen lässt – mit ein, zwei Songs des lonely drifters im Soundtrack. Mit diesem Album haben Lonely Drifter Karen ihre Bandbreite erweitert und alle Türen in eine erfolgsversprechende Zukunft weit aufgestoßen!

     

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