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Freitag, 24. März 2017 | 20:56

Brother Sun, Sister Moon: Brother Sun, Sister Moon

22.03.2012

Klanglich retuschiert

Alicia Merz ist zurück. 2011 sah neben der Debüt-LP ) ihres Birds Of Passage-Projekts auch eine gelungene, cineastisch orientierte Kollaboration mit Leonardo Rosado und das unterkühlt-fragile Album Winter Lady meldet sie sich gemeinsam mit Gareth Munday von Roof Light zurück. In welche Richtung es mit der Kollaboration Brother Sun, Sister Moon geht, verrät KRISTOFFER CORNILS.

 

Das Cover des selbstbetitelten Albums gibt schon mal eine vage Idee: Die Polaroid- (oder besser: Instagram-)Ästhetik mit Glitzereffekt zitiert das gesamte verwaschene Corporate Design der sogenannten Chillwave-Szene. Das verspielt lachende Mädchen auf dem Cover scheint das noch zu bestätigen, der Kurs ist auf hypnagogischen Pop gesetzt. Oder? Nunja, eines fällt zumindest sofort auf: Der digital beschleunigte Alterungsprozess der fotografischen Momentaufnahme findet seine Ergänzung im Klangbild. Brother Sun, Sister Moon ist durch und durch klanglich retuschiert. Von Vinylknistern, dem Schleifen von zu oft abgespielten Kassetten und verspulten Beats arg gezeichnet, fügen sich die elf Stücke bequem in die lose definierte Hauntology-Sparte ein, haben noch die Geister von vergangenen Zeiten im Gepäck. Die Instant-Nostalgie, die angenehme Melancholie über (eigentlich so nie erlebte) Vergangenheit zieht sich vom Artwork in die Stücke Merz‘ und Mundays.

 

Wenn dann neben den folklastigen Akustik-Gitarren und wabernden Shoegaze-Riffs noch verschwommene Beats dem glitchigen Mix Kontur geben, erinnert das unweigerlich an die legendären Boards Of Canada, die es, ähnlich wie nun auch Brother Sun, Sister Moon, auf Kindheitsreminiszenzen und Heile-Welt-Feeling angelegt haben. Aber wie auch die britischen Produzenten schwingt auch auf Brother Sun, Sister Moon immer etwas Unheimliches mit, das scheinbar Vertraute wird immer wieder ins Abgründige gezerrt. Daran hat Merz natürlich ihren Anteil, ihre gehauchten Vocals schweben davon und lassen das Album an mancher Stelle etwas den Erdboden unter den Füßen verlieren. Nicht, dass das etwas Schlimmes wäre, nein: Gerade von seiner Undefinierbarkeit, von diesem sphärischen Wechselbad der ineinander überschwappenden Stimmungslagen profitiert das Album ungemein.

 

Schade nur, dass die beiden ihren Songs etwas zu wenig Luft zu atmen lassen – viele der Stücke ebben schneller ab als eigentlich notwendig. Im Gegenzug dazu pfropfen Merz und Munday lieber noch eine Tonspur auf den Mix – keine wirklich elegante Lösung. Die Liebe zum Detail ist Brother Sun, Sister Moon von hinten bis vorne eingeschrieben und hindert es etwas daran, sich vollständig zu entfalten. Nichtsdestotrotz haben die Beiden ein schönes, sehnsuchtsvolles Album hingelegt, das bei allen semi-gruseligen Misstönen eine wunderschön-verträumte Stimmung ausstrahlt.

 



 

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