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Dienstag, 28. März 2017 | 21:46

Pyrolator: Inland / Pyrolator: Ausland

08.03.2012

It always rains in Wuppertal

Eine lohnende (Wieder-)Entdeckung: die ersten beiden Alben von Kurt Dahlke aka Pyrolator. Auch wenn bereits in den Jahren 1979 bzw. 1981 erstmals veröffentlicht. Erstaunlich staubfrei – meint TOM ASAM.

 

Kurz nachdem Kurt Dahlke die Urformation der legendären DAF verließ, gelang ihm im zarten Alter von 21 Jahren mit Inland ein mutiges musikalisches Zeitzeugnis voller Pioniergeist. Ende der 70er herrschte ein kühles, bisweilen frostiges Klima in der Bundesrepublik. Deutscher Herbst, die aufkeimende Atomangst sowie die Erkenntnis, dass der wirtschaftliche Aufschwung nicht in alle Ewigkeit verlängert werden kann und die Ölreserven begrenzt sind, drückten auf das Gemüt. Pyrolator wollte die beklemmende Atmosphäre der Zeit auf Inland festhalten, ohne auf gängige Protestlied-Formen oder rotzigen Punkrock zurückzugreifen. Das gelang ihm interessanterweise in einer Form, die am ehesten an Künstler von der Insel erinnert – obwohl er darauf verzichtete, mit DAF Richtung London zu ziehen.

 

Sonore Bassklänge und sich überlagernde Synthiespuren – an vorderster Front der legendäre Korg MS 20 – tragen Elemente diverser Postpunk-Experimente, sind letztlich aber äußerst eigenständig. Bands wie Wire oder Gang of Four mögen ähnliche Ansätze verfolgt haben, die Musik war eine andere. Gemein ist diesen Ansätzen, dass sie eine neue Ästhetik jenseits gewohnter Rock- und Pop-Muster verfolgten, ohne zwingend das Akademische in den Vordergrund zu stellen, wie etwa Vertreter der Minimal Music, deren Wirken durchaus auch eine Rolle spielte – ebenso wie Brian Enos Arbeiten vor seiner Ambient-Reihe. Auch wenn Inland die düstere Stimmung einer bestimmten Epoche widerspiegelt, hat das Album nichts vom nihilistischen »No Future« des Punks dieser Tage. Es steht vielmehr für die Lust am Experimentieren und kann als Ermutigung gelesen bzw. gehört werden, Neues auszuprobieren. Inland ist ein grandioses Statement wahrer Individualität, schwebt es nicht nur meilenweit über dem spießbürgerlichen Musikantenstadl, sondern verzichtet gleichzeitig auf dick aufgetragene Gegenkultur-Signaturen.

 

Nach Inland tat sich einiges bei Kurt Dahlke. Aus der Wuppertaler Galerie Art Attack, bei der er mitwirkte, formierte sich das Label Ata Tak. Erste Veröffentlichungen, wie das Debütalbum von Der Plan, bei denen Pyrolator ebenfalls mitwirkte und der Überraschungshit Fred vom Jupiter von Andrea Dorau sorgten für Farbe im Grau. Dahlke begab sich eine auf USA-Reise und traf in Los Angeles auf die Los Angeles Free Music Society (LAFMS), welche die Grenzen zwischen Noise, elektronischen Elementen und abseitigem Pop auslotete – wie auch Ata Tak dies weiter taten.

 

Pyrolator nahm Ausland mit vielen Gastmusikern auf. Heraus kam ein völlig anderes Werk, als nur zwei Jahre zuvor. Aus vertonten Zweifeln am kapitalistischen Industriezeitalter wurde ein verspieltes Popalbum mit exotischen Einflüssen. Statt It always rains in Wuppertal hieß es nun Gold und Silber oder True Love. Doch wenn man von Einflüssen von Bossa Nova, Disco und Synthiepop spricht und den Sprechgesang erwähnt, vermittelt man noch lange keine Vorstellung vom Klang des Albums, das, ebenso wie sein Vorgänger, äußerst individualistisch – und in gewisser Weise sogar schwerer zugänglich – rüberkommt. Beide Alben kommen als Re-Release mit einem Sack voll guter Bonustracks und sind ebenso empfehlenswert wie Wunderland, das einige Jahre später folgte, sowie Neuland, das Pyrolator 32 Jahre nach Inland, letztes Jahr herausbrachte! Vor allem Inland gehört in die Schatztruhe deutscher Popkultur. Auf Fehlfarbens Monarchie und Alltag aus dem Jahr 1980 – von Kritikern gerne als das deutschsprachige Popalbum gepriesen – ist Pyrolator im Übrigen auch als Gastmusiker vertreten.

 



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