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    Sonntag, 30. April 2017 | 16:47

    Holst: The Planets / Britten: Variations and Fugue on a Theme of Purcell

    23.02.2012

    Ein Russe in London

    Ihren Höhepunkt hatte die englische Musik im elisabethanischen Zeitalter, mit Henry Purcell allen voran, und in den darauffolgenden Jahren mit dem eingemeindeten Deutschen Georg Friedrich Händel. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und im 19. Jahrhundert blieb der Beitrag Großbritanniens zur internationalen Musikkultur marginal. Das mag mit dazu beigetragen haben, dass der bedeutendste englische Komponist des 20. Jahrhunderts, Benjamin Britten, aber auch Vaughan Williams am Kontinent lange Zeit eher unterschätzt und selten aufgeführt wurden. Das hat sich inzwischen ein wenig geändert, aber dass sich die britische E-Musik auch nur annähernd der gleichen Hochschätzung erfreute wie die Popmusik von der Insel, kann man kaum behaupten. Von THOMAS ROTHSCHILD

     

    Kurioserweise gehört ein Werk zu den meist aufgenommenen englischen Kompositionen des 20. Jahrhunderts, das von vielen Kritikern eher skeptisch beurteilt, ja als Kitsch abgetan wird: Die Planeten von Gustav Holst. Ihr Erfolg ist nicht schwer zu erklären: Es handelt sich um mühelos zu entschlüsselnde Tondichtung, die dem Hörer die Rezeption durch eine semantische Dimension erleichtert – man glaubt zu wissen, was man sich unter den Planeten und den ihnen die Namen verleihenden antiken Göttern vorzustellen hat –, und sie sind, durchaus effektbewusst und kompositorisch wie in der Orchestrierung raffiniert, teilweise hochdramatisch. Diese letztgenannte Eigenschaft prädestiniert sie für die Untermalung von Filmen und Fernsehsendungen. Insbesondere der erste Satz, Mars, the Bringer of War, dient mit seinem dynamischen 5/4-Takt Kriegsdarstellungen immer wieder als musikalische Ergänzung. Was sich wie eine Reaktion auf den Ersten Weltkrieg anhört, ist jedoch noch vor dessen Ausbruch geschrieben worden.

     

    Für den Russen Gennadij Roshdestvenskij, den Spezialisten für dramatische Interpretationen, sind Die Planeten ein gefundenes Fressen, und mit dem BBC Symphony Orchestra steht ihm ein einschlägig trainierter Klangkörper zur Verfügung.  Roshdestvenskij arbeitet in der 1980 in London live aufgenommenen Interpretation die Kontraste, an denen das Werk reich ist, pointiert heraus. So klingt bei ihm Merkur, der geflügelte Botschafter filigran, wie eine Ballettmusik von Tschaikowsky, wie denn überhaupt Roshdestvenskijs Auffassung als Einladung zum Tanz verstanden werden kann. Den an Elgar erinnernden hymnischen Mittelteil von Jupiter, the Bringer of Jollity dirigiert Roshdestvenskij besonders gravitätisch, als müsste dazu die Rote Armee vor dem Lenin-Mausoleum aufmarschieren. Dann aber findet er wieder zu lyrischen und mystischen Tönen, ganz dem eklektischen Charakter der Komposition entsprechend.

     

    The Planets haben sieben Sätze. Die Erde hat Holst ausgespart, Pluto war, als er das Werk schrieb, noch nicht entdeckt. Mittlerweile wurde ihm (Holst zuliebe?) der Planetenstatus bekanntlich aberkannt.

     

    Vielleicht ist es als Gegenreaktion auf die viktorianische Tradition zu verstehen, dass man sich in England mehr als in anderen Ländern um die kulturelle Sozialisation von Kindern kümmert. Mit seinem Young Person's Guide to the Orchestra hat Benjamin Britten Variationen über ein Thema von Purcell zu dem vielleicht bedeutendsten musikpädagogischen Werk der Musikgeschichte gemacht – neben Peter und der Wolf von Prokofjew, womit wiederum eine Brücke zwischen England und Russland, also zwischen dem BBC-Orchester und Gennadij  Roshdestvenskij geschlagen wäre. Britten stellt den jungen Hörern die verschiedenen Instrumentengruppen einzeln und im Zusammenspiel vor. Er demonstriert deren Möglichkeiten und Besonderheiten, führt ohne Belehrung vor, wie eine Partitur funktioniert, und lässt dabei eine Musik entstehen, die auch ohne diese didaktische Absicht Bestand hat.

     

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    Kommentar:
    Wir haben das gerade in der schule
    | von peace21, 21.03.2012

    ... bis sie dann gestorben sind.

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