Als die 39 Clocks Anfang der 80er mit ihrem minimalistischen Drumcomputer-Psych auftauchten, schlug ihnen in etwa soviel Begeisterung entgegen, wie Velvet Underground in den 60ern und Suicide in den 70ern in New York – oder, um die transatlantische Verwirrung zu erhöhen, den Musik-GIs Monks Mitte der 60er in Deutschland. Gar keine nämlich, sie wurden von der Bühne gebuht, es wird gar von Messerwürfen aus dem Publikum berichtet. Ihr hypnotischer, entschlackter Lofi-Sound, der 60s Garage-Punk mit Synthesizern verband, ihr Auftreten in Factory-Schwarz und mit Sonnenbrillen, die Verwendung der Pseudonyme J.G. 39 und C.H. 39 – das alles war zu viel für die Crowd.
Ihr Klangbild schloss nicht direkt erkennbar an Punk- und Rock-Traditionen an, der Zeitgeist verlangte zudem gerade nach schriller Knalligkeit, die sich unter dem Banner »Neue Deutsche Welle« schnell in einen Haufen Quatsch wandelte. Krach, Zerbrechlichkeit und Coolness einer tatsächlich ästhetisch wie musikalisch von Velvet Underground- und Suicide nicht unberührten Band fielen hier auf keinen fruchtbaren Boden. Zu allem Überfluss ließen sich die Clocks nicht ausreden, Songs wie A touch of rot oder rainy night insanities mit ungeschminktem, derben Akzent in englischer Sprache vorzutragen – just zu einem Zeitpunkt, da Deutsch erstmals jenseits des Schlagers hip war. Subnarcotic aus dem Jahr 1982 ist die zweite – und durchgehend als Hautwerk gehandelte – Platte der Hannoveraner
Einige Kritiker erkannten die Größe der Band durchaus, so hörte Tip Berlin »eine Platte von der betörenden Schönheit eines Treibhauses voller fleischfressender Pflanzen.« Diedrich Diederichsen nannte sie später gar »die beste deutsche Band der 80er.«