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    Freitag, 28. April 2017 | 12:14

    Kraków Loves Adana: Interview / My Best Fiend: In Ghostlike Fading

    23.02.2012

    Introspektion und Introversion

    Neben so virulenten Phänomenen wie Dubstep, Chillwave, den vermeintlichen Rettern des Hip Hops und so weiter scheint es ziemlich stillgeworden zu sein um den Gitarren-Indie. Ist der vielleicht von ganz allein leiser geworden? Die neuen Alben von Kraków Loves Adana und My Best Fiend lassen das zumindest vermuten. Von KRISTOFFER CORNILS

     

    Dabei sieht das Cover von Kraków Loves Adanas Zweitwerk so aus, als wäre mehr Schrulligkeit drin: Retrochice Instagram-Ästhetik, zwei (meta-?)ironisch posierende Menschen um die Ende Zwanzig – The Kills-Klone oder verfrühte Cults-Epigonen? Weit gefehlt, denn Interview kommt nicht mit rotziger Partyaffinität oder harter Kante daher, sondern versucht sich an ruhigen Tönen. Der Plan sah eigentlich etwas anderes vor. Bandlastiger sollten die Stück des Nachfolgers zu Beauty werden. Wäre da nicht Deniz Ciceks konstanter Dialog mit sich selbst gewesen, der dann doch dafür sorgte, dass die zehn Stück wesentlich ruhiger, fast schon abstrakt geraten sind. Alles andere würde auch nicht zu den Lyrics Ciceks passen, elegische Miniaturen aus Sicht einer Generation, der das Nachglühen der glorreichen, wilden Jugendtage kaum noch anzusehen ist, obwohl sie sich davon besessen zeigen: »The only thing you’ll ever love is youth / and it still needs some more / to be not bored«.


    Das harmoniert auch am besten zu ruhigen, wässrigen Gitarrenmelodien und –akkorden, die ohne Verzerrer ihre Wirkung entfalten, selten auf die rhythmische Unterstützung eines Schlagzeugs angewiesen sind. Die unaufgeregte Musik lässt Platz für die tiefe, rauchige Stimme Ciceks, die mit aller Ruhe ihre berührenden, melancholischen Melodien entwickelt. Dafür lassen ihr die Songs alle Zeit, sie steigern sich gegen Ende hin und steigern sich langsam und enden meistens fulminant. Wie im großartigen Finale Sit In The Movies And Cry. Das Lied sticht allein deswegen heraus, weil sich Cicek etwas mehr nach vorne traut, ihre Möglichkeiten voll ausnutzt. An anderer Stelle zeigt sie sich noch zu zurückhaltend und zieht damit auch die Songs auf ein eher lasches Level. Doch auch, wenn Interview vereinzelt mit der Introspektion zu weit geht und etwas kraftlos klingt: Es ist ein sehr schönes Album. Ohne nervige Attitüden, große Posen oder Schrullen. Dafür mit vielen großartigen, unangestrengte Songs, die hier und dort echten Hitcharakter haben.

     

    Introvertiertheit

    Der Sound des Brooklyner Quintetts My Best Fiend wurzelt unübersehbar in Folk- und Blues-Musik und präsentiert sich als friedlicher bis harmloser Indie-Rock, der auch mal in psychedelische Gefilde schielt. In Ghostlike Fading ist Valium für den Gehörgang, der einzige wirkliche Störfaktor mag die extrem näselnde Stimme Fred Coldwells sein, ansonsten setzt die Band auf musikalische Deeskalation. Fast so, als hätten sie sich die Texte ihres Sängers zu sehr zu Herzen genommen: »I’m gonna lay down in the sun / pretend that I’ve fallen in love with everyone«, heißt es auf Jesus Christ. Apropos Jesus: Etwas gospelartiges haben die Refrains der ziemlich einheitlich strukturierten Songs schon. Wenn der Chor einsetzt, kann sich da schon mal ein leichtes Fremdschämen einstellen über so viel forcierten Kitsch.

     

    Im Großen und Ganzen fehlt My Best Fiend das Charisma, das Kraków Loves Adanas Musik am Leben erhält. Obwohl die Band ihre Sache technisch versierter angeht: Ihr Zweitwerk kommt ziemlich schlaff daher, stromlinien- und gleichförmig. So vor sich hin tröpfelnd, sich von Refrain zu Bridge zum Refrain hangelnd tritt die Band fast fünfzig Minuten lustlos und auf sich bezogen auf der Stelle. Wo Kraków Loves Adana der leicht überzogenen Introspektion zum Trotz selten an Spannung verlieren, schaffen es My Best Fiend nun mal leider nicht, sich der Introvertiertheit zu entledigen. In Ghostlike Fading ist ebenso farblos wie apathisch gemacht, daran ändern die pompigen Stadionrockmomente ähnlich wie die vereinzelten lässigen Gitarrenlicks wenig. Schade, es wäre bestimmt mehr drin gewesen.

     

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