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    Samstag, 27. Mai 2017 | 17:39

    Alkerdeel: Morinde

    23.02.2012

    Randnummerndasein

    Black Metal ist mittlerweile zum Feuilletonmaterial geworden. Die Bands zeigen sich ideologisch weniger bis gar nicht mehr fragwürdig, die Patronengürtel wurden in der untersten Schublade des Kleiderschranks verstaut und das Corpsepaint hat man sich erst gar nicht angelegt. Und, so staunt der Musikjournalismus allenthalben, Black Metal wird immer progressiver. KRISTOFFER CORNILS denkt nach, ob das wirklich so ist, während der Alkerdeels Morinde hört.

     

    Das Phänomen Black Metal hat es bis in die einschlägigen Tageszeitungen geschafft. Namen wie Wolves In The Throne Room und Liturgy fallen häufig, manchmal finden auch Krallice und Deafheaven Erwähnung. Allesamt kommen sie aus den USA und haben sich ästhetisch vom Klischee des geschminkten, schwarzgekleideten Satanisten gelöst. Auch die nationalsozialistischen Gedanken, die Acts wie Burzum alias Varg Vikernes vertreten, sind weitgehend verschwunden. Wo kaum noch Reibungsflächen vorhanden sind, kann man sich dem nunmehr harmlosen Genre also endlich getrost nähern und wird vermutlich zuerst auf die oben genannten Bands stoßen, eventuell noch die französischen Blut Aus Nord, die ähnlich bejubelt werden.


    Sie alle peppen den Black Metal-Sound zugegebenermaßen etwas auf. Wolves In The Throne Room etwa durch Ambient- und Chorpassagen, Liturgy durch post-punkige Rhythmen, Krallice, Blut Aus Nord und Deafheaven durch Songstrukturen, die dem Post-Rock entlehnt sind. Grund genug, von Progressivität oder Avantgarde zu sprechen? Für viele schon. Dass es in der langen Geschichte des Genres allerdings wesentlich wagemutigere Versuche – man denke an Arcturus oder gar die notorischen Gestaltenwandler Ulver – gab, mit den Konventionen zu brechen oder aber Bands eine durchdachte musikalische Komplexität an den Tag legten – Emperor sollten erwähnt werden – fällt leider unter den Tisch. Obwohl all diese neuen Bands großartige Musik machen und es durchaus positiv zu bewerten ist, dass sie nicht mehr im ideologischen Zwielicht dümpeln: Sie scheinen verklärt zu werden, ihnen wird ein Posterboy-Image verpasst und ihre musikalische Leistungen werden stilisiert. Ignoriert werden die Gruppen, die an sich nichts grundlegend anderes veranstalten, denen es aber an Hochglanzsound und breitenwirkender Promotion mangelt.


    Eine dieser Bands ist Alkerdeel. Seit der Gründung der Band vor 7 Jahren haben sie sich im Untergrund zwar schon einen Namen erspielt, dürften im Vergleich zu den bejubelten US-Bands noch ein Randnummerndasein fristen. Klar, die Produktion hat ihre Schwächen, etwas schrottig klingen die Drums schon, etwas zu verwaschen die Gitarren. Aber im Grunde genommen stehen Alkerdeel den Überfliegern des Genres in nichts nach. Auch sie berufen sich auf die Tradition, knüpfen an Bands wie Darkthrone an und setzen auf die bewährte Kombination von Schmerz und Monotonie. Und doch erweitern sie den Sound, reiten nicht minutenlang auf blast beats herum, sondern gönnen sich selige Auszeiten, in denen sie meditativ auf der Stelle tanzen. Auf vierzig Minuten fallen nur vier Songs, die Hälfte der Zeit macht das monumentale Monster Au Levande aus, das gut achteinhalb Minuten braucht um die aus dem Black Metal gewohnte Geschwindigkeit aufzunehmen. Es schleppt und ächzt auf diesem Album, die Akkorde dröhnen dumpf vor sich hin. Auf Morinde lässt sich ein deutlicher Doom-Einfluss hören. Die Songs haben etwas von einem mächtigen, apokalyptischen Grollen, eine unheimliche Stimmung geht von ihnen aus


    Alkerdeel legt nahe, dass die Progressivität, die den oben genannten Bands bereitwillig attestiert wird, kein singuläres Phänomen ist. Morinde kann man dieser Logik nach zufolge schlechterdings als außergewöhnliches Album bezeichnen, aber es ist ein gutes, das spielerisch mit den Konventionen umgeht. Dass sie nicht angestrengt versuchen, den Anti-Mythos zu bekräftigen, der Bands wie Liturgy angedichtet wird, ehrt sie. Dass sie eine atmosphärisch dichte und ausdrucksstarke Platte gemacht haben, umso mehr. Das Randnummerndasein haben sie jedenfalls nicht verdient.

     



     

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