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Freitag, 24. März 2017 | 20:51

Moebius & Renziehausen: Ersatz / Ersatz II

16.02.2012

Isolated Case

Wiederveröffentlichung zweier weitgehend übersehener Minimal-Elektronik-Werke, deren surrealistische Klangabenteuer auch heute noch in keine Schublade passen. Eine Entdeckung, meint TOM ASAM.

 

Die 80er sind vorbei, Dieter Moebius beschließt erste Schritte Richtung digitalisierter Klangwelt zu machen. Karl Renziehausen, bildender Künstler mit Hang zur Konstruktion von Klangskulpturen scheint der ideale Partner, verfügt er doch auch über die nötigen Computerkenntnisse. Elektronische Musik ist zu diesem Zeitpunkt schon ein Zuckerl für die Massen, dank neuer Drogen und neuer technischer Errungenschaften treibt der Manchester Rave sogar altgediente Psychedelic Rocker auf die Tanzflächen. Doch was Moebius und Renziehausen 1990 unter dem Namen Ersatz veröffentlichen, will in keine Schublade passen. Das ist nichts für den Dancefloor, hat aber auch wenig zu tun mit dem, was Moebius Jahre zuvor mit Cluster und Harmonia veröffentlichte. Kein Techno, kein Kraut – und auch keine eskapistischen Synthieausritte weit und breit. Dafür begegnen uns detailverliebte, seltsame Klangwesen, die sich zu verselbständigen scheinen und durch die Boxen wuseln. Wollte man einen der Songtitel zum Motto erheben, wäre es sicher nicht Oi,Oi, sondern Wasistdas – oder besser die Antwort darauf: Isolated case.

 

Es handelt sich hier wirklich um was ganz eigenes, auf dem 1992 nachgeschobenen Ersatz II wirken die seltsamen Sounds noch reduzierter und konzentrierter. Dabei bleibt die Musik stets kauzig und phantasievoll. Diese Popmusik ist auch heute noch ein schwer zu beschreibender Mikrokosmos, der mehr als Ersatz ist, und mehr denn je die Entdeckung lohnt. Ein schöner Vorgeschmack auf die nicht minder lohnenswerten und versponnenen ersten beiden Alben von Pyrolator, die ein paar Wochen wiederveröffentlicht werden.

 



 

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