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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 20. August 2017 | 13:49

    Povarovo: Tchernovik

    16.02.2012

    Subzero Jazz

    Wir hatten Hot Jazz, wir hatten Cool Jazz. Zeit für Subzero Jazz. Povarovo legen mit Tchernovik ein abstraktes, minimalistisches Album ab, kurz über Null Grad. Kelvin, natürlich. Von KRISTOFFER CORNILS

     

    Die musikalischen Vorbilder der russischen Kombo sind schnell herauszuhören. Der doomlastige Sound der Anti-Spaßkanonen Bohren & der Club of Gore und anderer Wegbereiter des Düsterjazz, wie etwa The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble, hat auf das Trio einen nicht zu leugnenden Eindruck gemacht. Und trotzdem gehen Povarovo auf Tchernovik noch ein ganzes Stück weiter. Gerade, indem sie alles auf das ebenso-noch-so Notwendige herunterschrauben. Spärlich sind die Kompositionen instrumentiert, die einzelnen Stücke wollen und wollen sich nicht weiter entwickeln, Höhepunkte gibt es wenige. Mit nur wenig Mitteln kreieren die Mitglieder 201, fish und 8449494 eine trostlose, unterkühlte Atmosphäre.

     

    Die Songs ähneln statischen Blöcken, aus denen nur ab und zu eine Melodie auftaucht, mal ein etwas hoffnungsvollerer Klang wie der des Rhodes Pianos auf Dumb And Short. Ansonsten jedoch herrscht Schwärze, bitterkalte Schwärze. Das Gefühl der Ausweglosigkeit macht sich breit. Povarovo verzichten auf abwechslungsreiche Songstrukturen, gehen schleppend langsam vor. Teilweise ist der Sound so minimalistisch, dass es schon fast an düsteren Ambient erinnert. Merkwürdig eigentlich, zeigt die Band bei der Wahl der Instrumente genug Lust zur Virtuosität, benutzt auf fast jedem Track eine andere Kombination von verschiedenen Stimmen, experimentiert mit 3D-Sound und lässt auf J. S. Bach sogar Gesang auftreten. Und trotz der ganzen Varianzen klingt ein jeder Song für sich karg und nackt, desolat und frostig. Tchernovik ist ein Album, bei dem von vorne bis hinten jeder Ton an der richtigen Stelle sitzt, das in sich vollkommen logisch wirkt.


    Nur gegen Ende hin weicht die Reduziertheit schon mal pompöseren Momenten, die jedoch nicht minder verzweifelt klingen: Auf Black Powder hört man einen Choral an Schmerzensschreien, der sich über ein martialisches Industrialstück quält. Tchernovik ist harter Bissen, alles andere als eine Euphorieschleuder. Selbst Bohren & der Club of Gore oder The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble tragen mehr Hoffnung in ihrer Musik. Die verdichtete Atmosphäre lässt die 15 Songs zu einer emotionalen Folter verkommen, die nicht ohne Reiz bleibt. Es fällt schwer, sich diesem Album zu entziehen, so hörerunfreundlich es im ersten Moment wirken mag.

     



     

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