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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 28. April 2017 | 12:10

    Black Bananas: Rad Times Xpress IV / ITAL: Hive Mind / Philippe Petit: Chapter I: Oneiric Rings On Grey Velvet

    02.02.2012

    Die Taschen voll Pastiche

    Mit gehörig Aplomb treten Black Bananas, ITAL und Philippe Petit die Tür zu KRISTOFFER CORNILS‘ Wohnung ein. Der ist gerade dabei, die Aschenbecher auszuleeren und Gläser abzuräumen. »Leute, habt ihr mal auf die Uhr geschaut? Viertel nach Post-Moderne! Die Party ist vorbei… Aber gut, wenn ihr schon mal da seid, dann kommt halt rein.«

     

    Ganz ernsthaft albern

    Wie die beiden anderen verspäteten Zaungäste haben auch Black Bananas die Taschen voll mit Pastiche. Rad Times Xpress IV nimmt seinen Auftakt mit einer Wah-Wah-getränkten Jimi Hendrix-Reminiszenz, die dem Saitengourmet aber sicherlich die Tränen in die Augen getrieben hätte. Ähnlich angestrengt geht der post-moderne Zitatenreigen weiter, durch 13 quälende Tracks. Black Bananas – vorher bekannt als RTX – sind genau die Art Partygast, die Singstar und Guitar Hero gleichzeitig laufen lassen und den Abend dann noch mit Youtube-Mash-Ups ausklingen lassen wollen. Die Produktion ist vollkommen überladen und aus dem matschigen Sound lassen sich nicht mal die weichgezeichneten Umrisse eines Rocksongs erkennen. Der wird stattdessen anzitiert. War das ein Deep Purple-Riff? Ist Phil Collins von den Untoten wiederauferstanden, hat sich wieder Haare wachsen lassen und versucht sich als Billy Idol-Lookalike? Sind die 80er wieder grausame Realität geworden? Oder die 90er, die 70er? Fette Vocoder und – Auto-Tune? Kuhglocke?

    Ernsthaft? Wahrscheinlich nicht. Also, nur so auf eine witzig-clevere Art. Ganz ernsthaft albern. Ironie, wie’s aussieht. Ideenlosigkeit wird ja gerne mal mit Humor vertuscht und was bietet sich da besser an als ein ganzer Clusterfuck von Referenzen und forcierter Weirdness? Fast unmöglich, auch nur die ersten sechs Songs ohne Hörsturz zu überstehen, so unendlich nervig geriert sich der krude, überangestrengte Mix. Das machen die zwei, drei verhaltensunauffälligeren Songs kaum mehr wett, obwohl die immerhin Anzeichen der Vernunft erkennen lassen. Black Bananas haben sich mit Rad Times Xpress IV zumindest ihren Platz in der Rock’n’Roll Hall of Shame gesichert.

     

    Zwischen dezentem Retro-Touch und fetziger Experimentierfreude

    Mit What the funk-Rock kennt sich Daniel Martin-McCormick ebenfalls bestens aus. Nach einer Vergangenheit bei den Avantgarde-Punks von Black Eyes ist er nun sowohl als Sex Worker auf dem heißgehandelten Label Not Not Fun aktiv und stellt mittlerweile 50% von Mi Ami. Auf dem britischen Label Planet Mu tobt er sich in einer weiteren Persona aus, ITAL. Und frönt auf seinem Debütalbum Hive Mind noch ganz anderen Vorlieben. Straighte House-Beats bieten die Basis der Musik von ITAL, allerlei schräges Dekorum rundet den Sound ab.

     

    Auf dem Opener Doesn’t Matter If You Love Him geht das auf musikalischer Ebene schon mal ganz gut: Die groovige Bassline sorgt für eine gute Portion Dancefloor-Feeling, kosmische Synthie-Sounds für wohlige Wärme im Solar Plexus-Bereich. Wären da nicht die Vocals: Eine Frauenstimme, die apathisch den Titel des Tracks ausspricht. Das Sample wird schier unendlich oft übereinander gelegt, verhackstückt und und irgendwann sogar von einem wirklich schlimmen Faux Pas an Augenzwinkern konterkariert: Whitney Houston verspricht ihrem Bodyguard, ihn ewig zu lieben. Das ist gleich zu Anfang schon mal zu viel des Guten. Erleichternd, dass sich Hive Mind dann noch fängt und etwas gesitteter fortfährt. Wobei Martin-McCormick nicht von der Vertracktheit lässt, wie Privacy Settings zeigt, der tatsächlich so düster daherkommt wie ein Blick auf die Facebook-Datenschutzbestimmungen. Dem grübeligen Intermezzo folgt dann wieder der Konfettiregen in Form von First Wave. Die letzten zwanzig Minuten vergehen entspannter, aber ähnlich verschroben – den Overkill vom Einstieg kompensieren sie allemal. Zwischen dezentem Retro-Touch und fetziger Experimentierfreude hält sich Hive Mind jedenfalls sehr gut.

     

    Unheimliches Narrativ

    Nachdem sich Black Bananas mit einem letzten »Party on, duuuuudes!« aus dem Fenster gestürzt haben und ITAL sich nach einem hyperaktiven Auftakt als grundsolider Typ entpuppt hat, der jetzt das Plattenregal durchstöbert, sitzt nur noch Philippe Petit in der Ecke und gibt sich seinen Gedanken hin. Vielleicht denkt er bereits darüber nach, wie es mit seiner Extraordinary Tales of a Lemon Girl-Trilogie weitergeht.

     

    Den Auftakt macht Chapter I: Oneiric Rings on Grey Velvet, das die Geschichte erzählt von… Äh, ja? So sicher kann man sich da nicht sein und auch die aufgezählten Vorbilder – italienische Gialli, Homer, Lewis Carroll und James Joyce – lassen keinen Aufschluss darüber zu, worum es Petit nun eigentlich geht. Eventuell einfach nur um die Musik, könnte man wohlwollend einwerfen. Der Autodidakt hat bereits mit der halben experimentellen Musikszene kollaboriert und drückt dem Auftakt seines Dreiteilers zwar mit viel Kraft den Stempel der Kreativität und musikhistorischer Bildung auf, präsentiert jedoch ein sehr spannendes Gesamtergebnis. Oneiric Rings On Grey Velvet ist ein unheimliches Narrativ, das die Nackenhaare aufrecht stehen lässt. Nicht von ungefähr kommen einige cineastische Assoziationen auf, allein das Eröffnungsstück lässt schnell an die Arbeit von Danny Elfman denken. Und noch mehr Referenzen hängen da in einer dichtgestauten tag cloud am Horizont, seien es Komponisten der klassischen Moderne oder Vertreter der neuen Musik.

    Inszeniert wird dieses Potpourri diverser Einflüssen mit einer Mischung aus analogen Instrumenten und digitaler Technik – Streicher treffen auf qualvoll jaulende Synthies, Plinkerbeats und eine Pauke verschmelzen zu einem organischen Rhythmus. Petit aber vermeidet es elegant, seine Hörerschaft zu überfordern. Mit Gelassenheit und der notwendigen Ruhe entfaltet er seine Stücke sehr langsam, variiert repetitive Muster sorgfältig – das erinnert an das Konzept der Minimal Music – und lässt manche Themen und Elemente immer neu auftreten, um für Wiedererkennungswert zu sorgen.  Das garantiert eine innere Geschlossenheit, die dem Album sehr zugute kommt. Selbst wenn man nichts vom Lemon Girl weiß – ist sie das, die auf dem vierten Stück so gequält aufstöhnt? – man könnte sich aus der durchdachten Kakophonie eine Story zusammenbasteln. Und die Augen sollte man ebenfalls aufbehalten – Petit grübelt ja schon über die Fortsetzung nach.

     

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