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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 26. Juni 2017 | 22:52

    Kurzpässe

    26.01.2012

    Sexy Ziellosigkeit

    Dank eines konsequent vollzogenen Jahresabschlusses ist wieder Platz im Schrank für neue Scheiben. DAVID EISERT fängt mal hiermit an.

     

    ZOFT: Electrically Haunted

    Alles andere als leicht verdaulich, und damit genau das Richtige für den Tag nach einer langen Nacht, spielen Damien Magnette (Drums) und Nicolas Gitto (Gitarre) auf ihrem ersten Album Electrically Haunted. Das in Brüssel beheimatete Duo liebt das Spiel mit den Gegensätzen. Bei allem Chaos und Verrücktheit strahlen sie eine zuckrige Atmosphäre aus, die jeder belgischen Pralinenmanufaktur zu Ehren reichen könnte. Mich erinnern die verrückten Rhythmen, abgedrehten Gitarreneruptionen und die repetierenden Motive irgendwie an Mike Pattons Fantomas. Grindcore ohne Doublebassdrum und Gegröle. Definitiv nichts zum entspannt auf der Couch liegen!

     

    Oi Amerike!

    Joe Fleisch präsentiert auf dieser EP traditionelle Jiddische und Nicht-Jiddische Lieder, die durch Elektro Yid und die Jewish Monkeys eine zeitgenössische Überarbeitung erfahren haben. Der doch oft schwermütigen Grundstimmung der Jiddischen Traditionals wird hier mit einem kontrastreichen, urbanen, tanzbaren und elektronischen Remix begegnet, der die zum Teil wehmütigen Stücke um einiges lebensfroher gestaltet. Das Ganze schrappt aber kurzzeitig knapp am Eurodancetrash vorbei, sodass dieses Experiment noch Luft nach oben hat.

     

    Old Jerusalem: Old Jerusalem

    Hinter dem Namen Old Jerusalem verbirgt sich der Portugiese Francisco Silva, der ein sehr ausgewogenes und harmonisches Singer/Songwriter Album veröffentlicht. Seine sanfte Stimme, die gekonnten Gitarrenpickings und der Sinn für eine wohltemperierte Melodieführung erinnern charmant an das New Acoustical Movement a la Turin Brakes. Oder gleich an Simon and Garfunkel. Sehr reduziert und ungeschminkt kommen die elf Eigenkompositionen plus ein Lou Reed-Coversong daher. Ferner lohnt sich auch der Blick ins Textbuch. Silva wählt für seine folk poetry eine unkomplizierte und bildhafte Sprache, die perfekt zum Sound passt. Mehr davon.

     

    This Love Is Deadly: This Love Is Deadly

    Pop!? Rock?! Indie!? Mit der Interpunktion kommt der Stil. Fügt man noch Post-Punk, Psychedelic und Gothic hinzu, dann landet man bei Shoegaze. Dem Popgenre, das sich dem Spiel mit den Gegensätzen bedient. Dunkelheit und Licht, Kunst und Natur, Wärme und Kälte. Fragile Melodien behaupten sich gegen die fiesen Klänge aus dem Verzerrer. Nervenzerrender Krach geht sanft in liebreizende Harmonie über.

    This Love Is Deadly stammen aus Berlin und das ist auch schon alles an Info, was man von der Promoabteilung erhält. Nichts soll ablenken vom Sound des Debüts, welcher geschickt zwischen LoFi & HiFi pendelt. Die Leadvocals teilen sich eine Frau und ein Mann und schon wieder spielt die Band mit den Ur-Gegensätzen unseres Daseins.

     

    Sonofold: The Wolf Album

    Hoppala! Beim Anblick des Covers muss ich doch ein wenig schlucken. Sind das die letzten Reste aus dem Black Metal Katalog von Last Episode? Zwei Wölfe heulen den Blitze umzuckten Vollmond an. Sehr verdächtig. Aber Songtitel wie Christian Brothers oder Love Is Where You Are sind nicht gerade teuflisch. Ich gebe Entwarnung.

    Nic Olsen, der Liedermacher und Sänger der federführend hinter Sonofold steckt, ist ein ganz Lieber. Jedenfalls zog der Südafrikaner der Liebe wegen nach Süddeutschland. Und dass, obwohl er in der Heimat eine ansehnliche Nummer gewesen ist. The Wolf Album wurde aber nicht in Süd Süderbrarup aufgenommen, sondern tief im Westen. In Steve Albinis Electrical Audio Studio in Chicago wurde das aktuelle Set, welches Olsen gemeinsam mit dem Schlagzeuger Florian Schanze erarbeitet hat, ohne viel Federlesen aufs Band gebracht. Ohne übertriebene Produktion spielen die zwei Wolfsfreunde ihre Songs, die zwischen Folkpop, Psychedelic Rock und erdigem Blues angesiedelt sind. Ob es allerdings schon reicht, für die gewünschte Weltkarriere als Grateful Dead oder Masters Of Reality, muss die Zeit zeigen.

     

    Wrongkong: So Electric

    Obwohl der Plattentitel So Electric es vielleicht vermuten ließe, Wrongkong sind keine Laptopfetischisten. Die kanadisch-deutsche Band spielt ihren Discopop in der Besetzung eines klassischen Popquintetts. Das Keyboard klingt schwer nach den 80er Jahren, als Tanzveranstaltungen noch in Diskotheken und nicht in Clubs durchgeführt wurden und Simply Red oder Level 42 noch nicht im Schmalztopf ersoffen waren. Die Rhythmusabteilung spielt nen ganz sauberen Discofoxbeat und die Gitarre macht die Flächen dicht. Aber keine Angst, die Attitüde und das Songwriting haben genug Indie- und DIY-Appeal um die Band in die Gegenwart zu hieven. Sehr viel Wert legt Bandkopf Tommy Yamaha auf das Arrangement der oft mehrstimmigen Vocalparts. Die Scheibe geht gleichermaßen in Kopf und Beine, was viel Spaß für die anstehenden Konzerte verspricht.

     

    Casiokids: Aabenbaringen Over Aaskammen

    Die Casiokids sind ein weiteres Bauspiel für die Vielfältigkeit, Experimentierlust und Kreativität, die so viele Bands aus Skandinavien auszeichnet. Diese Kids kommen aus Norwegen und haben in der Heimat schon einen gewissen Status erlangt. Z.B. wurden sie von den großen Landsmännern A-ha eingeladen, sie auf deren Abschiedstour zu begleiten. Eine Nominierung für den Spellemann Award (dem norwegische Grammy-Equivalent) folgte auf dem Fuß. Kämen einem hierzulande solche Veranstaltungen höchst verdächtig vor, muss man sich um den Geschmack der Nordmänner keine Sorgen machen. Auf den ersten Blick sind Lieder wie Det Haster!, Olympiske Leker oder Elefantenes Hemmelige Gravplass flockig leichte Synthipopsongs, die gefällig ins Ohr gehen. Aber die Liebe steckt im Detail und bei jedem Durchgang lassen sich neue Soundfacetten entdecken. Nicht umsonst kümmern sich kompetente Labels wie Polyvinyl oder eben Moshi Moshi um die Band.

     

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