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Dienstag, 28. März 2017 | 21:41

CAN: Tago Mago - 40th Anniversary Edition

01.12.2011

Weltkulturerbe der Popgeschichte

Das dritte Album der Ende der 60er Jahre in Köln gegründeten Band – erstmals mit dem Originalcover der englischen Ausgabe – und mit bisher unveröffentlichtem Live-Material aus dem Jahr 1972 auf einem zweiten Silberling. So unverzichtbar wie Sergeant Pepper oder Pet Sounds. Von TOM ASAM

 

Seien wir doch mal ehrlich: so manches Album aus den 60er und 70er Jahren, das regelmäßig als Bestandteil des Kanons der Popgeschichte aufgeführt wird, ist verzichtbar. Einiges klingt musikalisch angestaubt, wirkt ästhetisch mittelmäßig oder inhaltlich gestrig. Doch es gibt Alben, deren Strahlkraft im Laufe der Zeit sogar zunimmt. Das 1971 als Doppel-LP erschienene Tago Mago gehört dazu, vielleicht mehr als alle anderen Veröffentlichungen dieser einmaligen Band. Das sehen (mittlerweile) auch viele prominente Musiker, von Radioheads Thom York bis zu David Bowie ähnlich.

 

Dass Anfang der 70er andere Zeiten herrschten als heute, wird schon klar anhand der Geschichte, wie CAN, nach dem krankheitsbedingten Ausfall ihres ersten Sängers zu einem neuen Shouter kamen. Der japanische Kenji ›Damo‹ Suzuki fiel Holger Czukay (Bass) und Jaki Liebezeit (Drums, Percussion) als Straßenmusiker in der Münchner Leopoldstraße auf – und wurde sofort engagiert. Noch am gleichen Abend traten sie gemeinsam auf. Obgleich laut Überlieferung das Publikum eher geschockt war von Damos Schreigesang, blieb er in der Truppe und ist auf dieser Platte zu hören.

 

Das Besondere an Tago Mago ist, dass die Scheibe auch für Hörer, die diese Zeiten nicht (im entsprechenden) Alter miterlebt haben, bestens funktioniert. Die Musik ist und bleibt völlig eigenständig und eigentlich unbeschreibbar. Psychedelische Klangexperimente treffen hier auf mantra-artiges Getrommel, fernöstliche Spuren auf außerweltlich anmutende Stimmungen. Geigengekreische und Cuzkays Tape-Loops, die die Sample-Techik vorwegnahmen, spielen hier ebenso eine Rolle wie Michael Karolis Gitarrenarbeit und Irmin Schmidts Keyboard. Doch ebenso wenig, wie die Band Beschränkungen durch gängige Songstrukturen akzeptierte, denkt der Hörer hier in Instrumenten. Von zeitgenössischen angloamerikanischen Bands unterscheidet sich diese Platte komplett.

 

Tago Mago ist das Ergebnis »gemeinsamen Erspielens und Musizierens« – CAN zeichneten sämtliche Sessions auf und entschieden hinterher, wie man daraus letztlich eine Platte strukturieren könne. Sie hatten den Mut, auch Stücke entstehen und stehen zu lassen, die wie Aumgn mit mehr als 17 Minuten über eine ganze Plattenseite gehen. Tago Mago hat seinen Namen vom sogenannten Piratenfelsen »Isla de tagomago« vor Ibiza. Dieser Höhepunkt im Schaffen der musikalischen Freibeuter CAN steht wie ein Fels in der Brandung.Man kann sich das nicht oft genug anhören, Krautrock-Experte Julian Cope behält recht: »sounds only like itself. Like no-one before or after.« Man kann fast neidisch sein auf alle Musikliebhaber, die CAN und/oder dieses Album noch nicht kennen. Für Fans ist die 40th Anniversary Edition wohl schon aufgrund der Aufmachung und den zusätzlichen Live-Aufnahmen interessant – auch wenn man sich zu diesen mehr Informationen gewünscht hätte. 2012 stehen weitere CAN-Schmankerl an, unter anderem wird es sämtliche Original-Alben in remasterter Form auf Vinyl geben.

 



 

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