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Kurzpässe

24.11.2011

Three of a kind!

Im Rahmen eines gelungenen Diversity Managements oder zumindest unter Beachtung aller Gender Aspekte wäre es natürlich nicht korrekt, die diese drei Besprechungen unter einen Hut zu bringen. Angesichts guter Popmusik aber schon. Etwaige Beschwerden gehen an DAVID EISERT.

 

Dollykollot ist Schwedisch und heißt soviel wie Dollycamp. Wer jetzt an einen Gnadenhof für in die Jahre gekommene Klone-Schafe denkt, liegt grundfalsch. Vielmehr ist Dollykollot ein höchst lebendiges und vollkommen unmedizinisches musikalisches Projekt fünf großer Dolly Parton-Fans. Im Jahr 2004 trommelte Gudrun Hauksdottir ein paar befreundete Sängerinnen (unter ihnen auch Nina Persson von den Cardigans) zu einem zwanglosen Dolly Parton-Tribut Konzert zusammen. Und wie es das Schicksal – oder die Qualität der damaligen Darbietung – so will, das Ganze bekam eine unvermeidliche künstlerische Eigendynamik. Die Dokumentarfilmerin Jessica Nettelbladt wurde auf das Projekt aufmerksam und begleitet die Damen über fünf Jahre lang mit der Kamera. Der daraus entstandene Film wurde 2011 unter dem Titel I`m my own Dolly Parton veröffentlicht.

 

Zwangsläufig musste nun auch ein Album her und so begaben sich die Damen Persson, Josefsson, Nordlund, Hauksdottir und Wenglén im Juli dieses Jahres in Malmö ins Studio und spielten das vorliegende Album ein. Was im Schwedischen Fernsehen und auf YouTube schon länger zu sehe ist, wurde nun für die heimische Anlage aufbereitet. In einer, MTV-unplugged typischen Besetzung wurden Songs der großen Dolly Parton und eine handvoll Eigenkompositionen eingespielt. Da es sich hierbei um eine tiefe Verneigung vor einer der herausragenden weiblichen Persönlichkeiten im Showgeschäft handelt, ist verständlich, dass die eigenen Songs sehr eng am Stil der amerikanischen Unterhaltungsmusik komponiert wurden. Was wäre denn die weibliche Form von Crooner? Die Interpretationen der Dollysongs stechen dann auch etwas heraus. Die herzzerreißend schöne Version von Jolene oder das schmissige 9 to 5 laufen gut rein, von Malmö bis Nashville sowieso.

 

Da schließt sich die neue Veröffentlichung von Carrie Rodriguez thematisch recht gut an. Auch sie hat ein neues Album am Start, auf dem sie Coverversionen und Neuinterpretationen von Songs eingespielt hat, die schon seit Jahren fester Bestandteil ihres Bühnenrepertoires sind. Und wer mit Chip Taylor, Lucinda Williams und Alejandro Escovedo getourt ist, der hat Geschmack und Kontakte. So liest sich sie Reihe der Musiker, die ihr freundschaftlich verbunden sind wie ein »who is who« des Folkpop und Americana. Die Little Village Gang Hiatt/Lowe/Cooder/Keltner, Buddy & Julie Miller, Gillian Welch, David Rawlings, Richard Thompson, Townes Van Zandt, M. Ward, Merle Haggard, Bonnie Owens, Hank Williams und natürlich Lucinda Williams.

 

Keine so schlechte Gästeliste für eine gediegene Sause. Wobei Carrie ja nicht mit diesen Menschen im Studio war, sie hat sich nur ihrer Songs angenommen. Dazu kommen Stück von David Rodriguez und Sosa Tomas Mendez. Carrie Rodriguez gelingt es, diese unterschiedlichen Künstler mit dem ihr eigenen Charme zu vereinen und ein sehr homogenes, packendes Album daraus zu machen. Wie es sich für eine Studio- und Sessionmusikerin gehört, besitzt Rodriguez eine gewisse Disziplin und Korrektheit in ihrer Arbeit, die den Sound sehr ausgewogen und geradlinig macht. Was wir hier hören ist eher für das Gemeindehaus als den verräucherten Truckstop an der Kreuzung. Das macht aber nichts. Besonders hervorzuheben finde ich die Versionen von I`m So Lonesome I Could Cry und La Punalada Trapera. Das kann man öfters hören!

 

Und weil wir schon knietief im Folk-Beeinflussten Sumpf stecken, passt diese Scheibe hier auch noch wunderbar rein. Maia Vidal, die Tochter eines Franzosen und einer US-Amerikanerin, die zwischen New York und Barcelona aufgewachsen ist und heute auch noch diese Strecke regelmäßig pendelt. Da ergibt sich von Haus aus eine gewisse kulturelle Vielfalt. Diese Vielfalt und eine große Neugier nach unterschiedlichen Klängen, Rhythmen und Instrumenten zeichnet God Is My Bike dann auch aus. Irgendwo zwischen Indiepop, Chanson, Singer-Songwriter-Traurigkeit und melancholischen Zirkusmelodien finden sich die Stücke wieder. Auch die verwendeten Instrumente wie Akkordeon, Xylophon, Kinderklavier und die gefürchtete Blockflöte versprühen einen naiven und infantilen Charme. Nicht abwertend gemeint, im Gegenteil.

 

Hier spürt man eine unverdorbene Neugier und Freude am Klang. Entsprechend breit ist auch das Repertoire von Vier/Viertel Takten über Walzer und Gospel bis hin zum Bossa Nova. Sehr leicht, sehr unbeschwert, dabei beständig zusammengehalten von Maia Vidals Stimme, die gleichzeitig stark und unfassbar zart sein kann.

 

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