• losttorrent
  • richtorrent
  • pushtorrent
  • Titel-Magazin
    TITEL kulturmagazin
    Montag, 01. Mai 2017 | 04:28

    Chuck Ragan: Covering Ground (Sideonedummy Records / Cargo Records) V. A.: The Revival Tour 2011 Collections (Ten Four Records / Cargo Records) The Revival Tour

    10.11.2011

    Hilft viel viel?

    Chuck Ragan atmet, schwitzt, scheißt den Habitus vom hart und entbehrungsreich arbeitenden Musiker wie kein Zweiter. Sich selber, seine Band Hot Water Music und ein Musikerkollektiv, bestehend aus Frontmännern befreundeter US-Punkrock Bands, trieb er im letzten halben Jahr über die Bühnen der Clubs. DAVID EISERT hat sich die dazugehörigen Platten angehört und war auch live dabei.

     

    Covering Ground heißt das aktuelle Ergebnis der Studiosessions aus den Monaten Februar bis April 2011. Covering Ground bedeutet so viel wie »die Fläche abdecken« oder auch »sein Feld bestellen« und dazu hat sich Ragan eine ganze Menge Hilfskräfte eingeladen. Neben den Großknechten Jon Gaunt (Geige) und Joe Ginsberg (Kontrabass, ersetzt Digger Barnes) kamen als temporäre Erntehelfer u.a. Todd Beene, Chris Phillipps, Frank Turner, Audra Mae oder Brian Fallon vorbei. Ganz in der Tradition amerikanischer Folkmusik kann jeder mitmachen und sein Bestes zum Gelingen des Songs beitragen. Blue Grass, Folk, Roots und Southern Baptist Gospel verarbeite Chuck Ragan als Einflüsse in seinen melancholischen Kompositionen, die sich allesamt um das Thema Unterwegssein drehen.

     

    Denn am liebsten wäre der umtriebige Florida Boy nämlich immer zu Hause. Geht aber nicht, wenn man sich selbst als hard working Live Musiker definiert. Und so versprühen die Stücke eine Stimmung der inneren Unrast, des Getriebenseins, des Immer-wieder-weiter-Müssens. »Well, tell me what you want, I`m all ears. I´ll give you all I got, blood, sweat and tears. Yea tell me what you need and I´ll do my job and meet you in the middle like it`s going out of style«. Im Großen und Ganzen bringt Ragan das gleiche Saatgut aus, was schon auf Feast Or Famine so prächtig aufgegangen ist. An die ganz großen Kartoffeln der Guthries, Braggs, Dylans oder Springsteens reicht's zwar noch nicht ran, aber Come Around, Meet You In The Middle oder der hidden track haben ausreichend Potential für die Lagerfeuer der neuen Generation.

     

    Ist weniger wirklich immer mehr?

    Noch nie gemeinsam, aber schon jetzt wieder vereint. Was sich wie ein Wunder anhört, ist eine sehr erfolgreiche Konzertreihe in den USA, die von Chuck Ragan vor ein paar Jahren initiiert wurde. Weil der gemeine US-Punker ja eigentlich ein ganz bodenständiger Bursche ist, entdecken in den letzten Jahren mehrere wilde Jungs sich und die Akustikgitarre neu. Unter der Regie des umtriebigen Chuck und dem Titel The Revival Tour finden diverse Konzertreisen statt. Dazu gibt`s dann als Schmankerl eine EP mit Songs der beteiligten Künstler. In diesem Fall sind es Brian Fallon (The Gaslight Anthem), Dan Andriano (Alkaline Trio), Dave Hause (The Loved Ones) und eben Chuck Ragan.

     

    Jeweils zwei Songs pro Kopf, die zum Teil unveröffentlicht waren oder in neuen Versionen eingespielt wurden, finden sich auf dem recht übersichtlich aufgemachten Digipack. Für recht überschaubar halte ich auch die Ideen, die hier verbraten werden. Das Schema der »Folk-«Stücke ist schnell ausgemacht. Schrammelklampfe galore. Fallon und Ragan stechen gesanglich heraus und können wiedererkennbare Songs schreiben, die beiden anderen gehen im Rauschen unter. Kaufempfehlung nur nach sechs Halben auf dem Konzert.

     

    The absence of amplification does not mean folk!

    Und dann war da ja auch noch die livehaftige Erfahrung. Am 08. Oktober machte das Revival Tour Package halt im Münchner Backstage. Große Halle und »Ausverkauft«-Sticker an der Tür lassen mich staunen, hätte ich doch nicht mit so viel Zuspruch von Seiten der Jugend gerechnet. Das Konzept der Konzerte sieht vor, dass Chuck Ragan, Brian Fallon, Dave Hause und Dan Andriano sowohl gemeinsam als auch ganz alleine auf der Bühne stehen. Ragans Sidekicks Gaunt und Ginsberg ergänzen den Sound um Kontrabass und Fidel, wenn gewünscht.

     

    Los gehts in großer Besetzung. D.h. alle sechs treten gemeinsam auf und tasten sich vorsichtig an das Publikum ran. Dazu werden ein paar von Ragans Kompositionen verwendet. Dann wird die Bühne leerer und jeder Einzelne erhält seinen Spot. Alleine oder mit Kollegen darf er sich durch sein Repertoire arbeiten. Und leider trifft es der Begriff ›arbeiten‹ ganz gut. Zeichnet sich Volksmusik durch eine gewisse Spontanität und Improvisationsgabe aus, bleibt es hier doch immer stets bemüht. Hause und Adriano versprühen so viel Charisma wie Bertie Vogts und schrammeln sich durch die Hits ihrer Hausbands. Das wird vom Publikum artig beklatscht. Mehr aber auch nicht.

     

    Chuck Ragan hat degegen mehr Routine und Erfahrung. Seine beiden Kollegen im Hintergrund glänzen bei seinen Songs und irgendwie ist es auch seine Veranstaltung. Der Großteil der Leute ist heute wegen ihm hier. Spontanität oder überraschende Songs sind allerdings hier auch Fehlanzeige. Brian Fallon weiß dem Publikum zu gefallen, enttäuscht mich persönlich aber am meisten. Zu sehr auf Nummer sicher, zu sehr auf ein paar positive Facebook-Einträge heischend, biedert er sich dem artig gestylten Publikum an. Arbeitet sich an allen Gaslight Anthem Hits ab, traut sich nicht einen Song seines gerade erschienen Soloalbums zu spielen - und bleibt auch sonst blass

     

    Man of the Match wird mit großem Abstand Jon Gaunt an der Geige. Er tut so, als ob ihn das alles nichts angeht und macht damit eine super Figur. Fraglich bleibt, was sowas mit Folkmusic zu tun hat, wenn »Punker« ihre Lieder auf der Schalllochgitarre durchschrubben. Wahrscheinlich genauso viel, wie die ganze Veranstaltung etwas mit Punk zu tun hat. Nämlich nichts. Fast schon erschreckend wirkte auf mich, wie wenig Entertainer-Qualität in den einzelnen Musikern steckte. Null Witz, kein Humor und stereotype Ansagen, vom eindimensionalen Gitarrenspiel mal ganz abgesehen. Wer so etwas in gut und unterhaltsam sehen will, sollte lieber zu Frank Turner gehen oder John K. Samsons seltene Konzerte besuchen. Für mich hiervon bitte kein Revival mehr!

     

    | kommentar schreiben

    Name:
    Kommentar:
    Selten einen so saudummen Scheißdreck gelesen wie hier ...
    | von Phelan Segur, 16.11.2011
    wie kann man nur soviel dumme Grütze zusammen schreiben...
    | von Lilly, 16.11.2011
    In Berti Vogt's Satz "Gib dem Kaninchen eine Möhre extra!" steckt mehr Geist als in diesem gesammelten Geschmiere
    | von Phelan Segur, 16.11.2011

    ... bis sie dann gestorben sind.

    Wenn Comics sich klassischen Märchenmotiven widmen, dann tun sie das meist in Form einer eher überzogenen Parodie. Selbst wenn sich dahinter so viel Sophistication verbirgt wie hinter ...

    Die Geschichte geht weiter

    Wieder ein Weltbestseller – Carlos Ruiz Zafóns Roman Der Gefangene des Himmels. Von PETER MOHR

    Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

    Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

    Der Spielplatz macht zu

    Nach drei Ausgaben wird das Games-iPad-Magazin Spielplatz wieder eingestellt. Was dahinter steckt, wollte RUDOLF INDERST im Gespräch mit den beiden Machern Henning Ohlsen und Mark ...

    Wer will fleißige Handwerker sehn

    Der Künstler und ehemalige Hartz IV-Empfänger Van Bo Le-Mentzel hat zusammen mit seiner Crowd ein DIY-Forum geschaffen und mittels Schwarmfinanzierung auch gleich ein Buch drucken lassen. ...

    Seitenhiebe

    Auf ihrem nächtlichen Heimweg werden Anne und René Winkler (Natascha Paulick, Stefan Kurt) von drei jungen Männern attackiert und brutal zusammengeschlagen. Die Polizisten Phillip ...

    NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter