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    Freitag, 28. April 2017 | 12:03

    Dale Cooper Quartet & The Dictaphones: Métamanoir

    10.11.2011

    Zelluloidaffiner Jazz der Spitzenklasse

    New York. Irgendeine Bar im 25. Stock eines Wolkenkratzers: Eine betörende Schönheit in einem enganliegenden roten Kleid lässt sich von einem erschöpft aussehenden Mann mit pomadierten Haaren Feuer geben. Schnitt, ein paar Stunden später, in einer gottverlassenen Seitenstraße. Der Mann liegt auf dem Boden, daneben steht müde lächelnd die Frau – ein als Cowboy verkleideter Mann hält ihr den Regenschirm. Im Hintergrund läuft die ganze Zeit Métamanoir. Von KRISTOFFER CORNILS

     

    Etwas klischeehaft-ominös – Achtung, nicht negativ gemeint – geben sich Dale Cooper Quartet & The Dictaphones, die richtige Atmosphäre für einen David Lynch-Film ist da. Von der ersten Sekunde bannt ihr lange und sehnsüchtig erwartetes neues Album Métamanoir seine Hörerschaft in ein morbides Fluidum, eine scheinbar ewig währende Suspense: Une Petit Cellier lässt für drei Minuten kaum mehr als ein nervöses Surren und verlorene Saxofonnoten von sich hören. Métamanoir mag etwas sehr langsam in die Gänge kommen, doch eigentlich ist es genau das richtige Tempo für den Sound von Dale Cooper Quartet & The Dictaphones – erst nach 12 Minuten entfalten sich Tracks wie Eux Exquis Acrostole oder Mon Tragique Chartreuse. Die Band mit den grammatikalisch fragwürdigen Songtiteln und dem ewig langen Namen produziert immer noch zelluloidaffinen Düsterjazz der Spitzenklasse, hat aber in Hinsicht auf das etwas länger zurückliegende letzte Album Parole De Navarre einiges am Klang gefeilt.

     

    Das Grundgerüst bleibt immer noch ruhig dahin sumpfender Jazz: Ein gedämpftes Schlagzeug liefert ein paar sehr dekonstruiert wirkende Rhythmen, die dem hintergründigen Dröhnen Kontur geben. Neben den kongenialen Solopassagen des Saxofons tritt vermehrt der Gesang: »Your American freedom isn’t worth a dime« croont Ronan MacErlaine mehrmals über Eux Exquis Acrostole, danach geben sich Gastsängerinnen mit rauchigen, hypnotischen Auftritten die Klinke in die Hand. Das bringt etwas mehr Pop ins Konzept, etwas mehr Smoothness und Struktur in die so sehr nach Improvisation schmeckenden Kompositionen. Das tut dem vierköpfigen Kern des Kollektivs sehr gut, lockert ihre Musik entschieden auf. Sie fallen nicht wie noch vor Kurzem die Szenegrößen von Bohren & Der Club of Gore bei ihrer Kollaboration mit Mike Patton dem schmalzig-öligem Duktus zum Opfer, der mit aller Kraft das Film Noir-Feeling reanimieren will und eigentlich eher etwas spaghettihaftes hat.

     

    Auf Métamanoir ist alles logische Konsequenz. Ob es nun um ausufernde Songlängen geht, den Einsatz von elektronischen Spielereien, eines großartigen Gitarrenriffs wie in Elle Agréable Rendez-Vous de Chasse – die neun Songs sind aus einem Guss und fallen doch facettenreich aus. Die neblige Morbidität, die elegante Sexiness und die getragene Ruhe, mit der die Band über eine Stunde lang ihre neun Tracks entfaltet, verzahnen sich meisterhaft ineinander. Ein reifer, ein sehr gewachsener Sound, den Dale Cooper Quartet & The Dictaphones da präsentieren, ein großartiges Album.  Eines, das machtvoll klischeehafte, ominöse Bilder evoziert und in seinem Verlauf in eine eigenwillige, fesselnde Story ineinanderlaufen lässt, die aus David Lynchs Feder hätte stammen können.

     

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