• losttorrent
  • richtorrent
  • pushtorrent
  • Titel-Magazin
    TITEL kulturmagazin
    Montag, 01. Mai 2017 | 04:28

    Toms Schnellgericht

    03.11.2011

    Back to Nature

    Ob im Nebel mittelalterlicher Wälder wandelnd, bekifft in den nächtlichen Sommerhimmel starrend oder die Metapher blühender Sträucher im Dunkeln nutzend, letztlich geht es hier um die Liebe zur Natur – und die Natur der Liebe. Von TOM ASAM.

     

    Mittelalter. Das Wort ruft leider bei vielen Zeitgenossen die ewig gleichen Bilder hervor: Burgen samt finsterer Verliese, Ritter, Gaukler, Hexen, Zauberer, Schwerter und eine ordentliche Kelle Met am Tag. Befeuert durch die Eindrücke auf dem sonntäglichen Besuch auf dem Mittelaltermarkt in der nächsten Kreisstadt und die gesellige Fantasy-Rollenspielerei jeden Donnerstag um 18.30 Uhr nach der Pädagogik-Vorlesung (wobei die dabei nötige Phantasie ungefähr der Kreativität entspricht, auf einem Sesamknäcke Sesam zu erwarten) rotten sich immer wieder junge Leute zusammen um das Mittelalter in Musik zu gießen. Was dann meistens leider so aussieht, dass langweilige Rock- und/oder Schwarzkittelmusik mit ein paar exotischen Instrumenten angereichert wird. Wichtig ist dabei vor allem, dass sich unter der wilden Musikerschar (Bärte, Glatzen, Bäuche erwünscht) auch ein holdes Burgfräulein befindet. Gut, die übliche Geschlechterverteilung (vier zu eins) und die Bärte bieten DOA auch, ansonsten unterscheiden sie sich glücklicherweise doch deutlich von der durchschnittlichen Mittelaltertruppe.

    Das schöne Cover vermittelt schon mal die Erkenntnis, dass es mystischer ist, einige Dinge im Nebel zu belassen und nicht zu sehr mit Klischees um sich zu hauen. Außerdem: ja. Im Mittelalter war die Erde vor allem schön menschenleer.

    Passend zur hier dargestellten Naturschönheit erzählt der erste Song auf A fronda dos cervos von Verda Herbas, was wohl grüne Kräuter sein dürften. Die Tatsache, dass die Worte der galizische Band, die sich hier mit der mittelalterlichen Lyrik ihrer Heimat beschäftigt, auch in der Sprache ihrerHheimat erklingen erhöht den Reiz nur. Mit Xoan Piñón, Xaquín Blanco und Bernardo Martínez sind noch drei der Gründungsmitglieder Teil der Band, die jeweils auf eine lange musikalische Karriere zurückblicken – aber auch Erfahrungen in Bereich wie Fotografie, Malerei, Theater und Poesie gemacht haben. Das merkt man, sie wirken auch 30 Jahre nach ihrem Debüt noch frisch und inspiriert. Rockklänge werden hier weggelassen, der Umgang mit folkloristisch verwurzeltem Liedgut wirkt routiniert und feinfühlig. Für ihr neues Album haben sie den Drehleier-Spezialisten Oscar Fernández sowie die beeindruckende Sängerin Susana de Lorenzo als Verstärkung an Board geholt. Mystik sticht Kitsch aus – und wir reiten in die Wälder Galiziens.

     

    Ausgangspunkt für das neue Album von Dakota Suite war die Begegnung von Chris Hooson mit dem seelenverwandten Quentin Sirjacq. Der Gitarrist trifft auf den Pianisten und Perkussionisten – beide verarbeiten persönliche Erfahrungen und Geisteszustände in Klänge. Bis auf How safe we must seem, der Neubearbeitung eines älteren Dakota-Stückes, und Yes we will suffer, das nach der Tsunami-Katastrophe in Japan entstand, handelt es sich bei den Stücken um Liebeserklärung an Chris Lebensgefährtin Johanna. Er dankt ihr »for being my constant and inexhaustible heart.«

     

    Nun hören wir hier alles andere als überbordende Liebeslieder der üblichen Art. Liebe geht durch harte Zeiten und ausgetrocknete Täler. Sie ist manchmal wie die zähe Pflanze, die auch die regenarmen Zeiten tapfer übersteht. Geschult an Arvo Pärt und Bill Evans schlägt das unerschöpfliche Herz in reduzierten Arrangements, die man für Improvisationen halten könnte – doch stecken hier lange Stunden der penibelsten Arbeit darin. Etwas zu entschlacken ist oft schwieriger als alles andere. Für The side of her inexhaustible heart muss man sich Zeit nehmen und die Muße, jeden Ton auf sich wirken zu lassen.

     

    Mark Mc Guire widmet sein Album Get lost seiner Familie, seinen Freunden und »the spirit of the summer night sky.« Wie das Cover vermuten lässt, sind wir hier wieder bei grünen Kräutern, die die Phantasie beim Blick in den Abendhimmel etwas befeuern. Der Gitarrist der Clevelander Band Emeralds überzeugt auf seinem neuen Solowerk mit Gitarrenmeditationen der angenehmen Art. Was ihn genau von vermeintlich nicht weit entfernten Belanglosigkeiten unterscheidet, ist schwer in Worte zu fassen: Erhörbar ist der entscheidende Unterschied leicht. Get lost!

     

    Emil Savanangen aka Loney Dear strebt auf seinem bereits sechsten Album danach, Musik zu schreiben, die nicht mit spezifischen Orten oder Zeiten in Verbindung gebracht werden soll. »In the perfect position just in between joy and darkness.« Optisch umgesetzt findet sich das Nirgendwo zwischen Freude und Düsternis im Booklet anhand zahlreicher Naturphotos, genauer: blühende Sträucher im Zwielicht bzw. in der Dunkelheit. Die duftende Blüte ist eben auch da, wenn das letzte Licht hinter den Wolken verschwindet. Den ruhig dahinfließenden, betörenden Melodien des Schweden wohnt die angenehme Schwere und Süße des Zustandes dramatischen, aber nicht hoffnungslosen Verliebtseins inne. Nach zwei drei Durchgängen werden die Songs von Hall Music langsam zu guten Freunden. Ob Synthis oder auch mal ein Xylophon am Stimmungsaufbau beteilt sind, ist völlig nebensächlich. Loney Dear ist ein Meister der zeitgenössischen Popballade. Sicher ein sehr geeignetes Album, um in den Loney Dear-Kosmos einzudringen. Aber immer langsam, und nicht über die Büsche stolpern.

     

    | kommentar schreiben

    Name:
    Kommentar:

    ... bis sie dann gestorben sind.

    Wenn Comics sich klassischen Märchenmotiven widmen, dann tun sie das meist in Form einer eher überzogenen Parodie. Selbst wenn sich dahinter so viel Sophistication verbirgt wie hinter ...

    Die Geschichte geht weiter

    Wieder ein Weltbestseller – Carlos Ruiz Zafóns Roman Der Gefangene des Himmels. Von PETER MOHR

    Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

    Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

    Der Spielplatz macht zu

    Nach drei Ausgaben wird das Games-iPad-Magazin Spielplatz wieder eingestellt. Was dahinter steckt, wollte RUDOLF INDERST im Gespräch mit den beiden Machern Henning Ohlsen und Mark ...

    Wer will fleißige Handwerker sehn

    Der Künstler und ehemalige Hartz IV-Empfänger Van Bo Le-Mentzel hat zusammen mit seiner Crowd ein DIY-Forum geschaffen und mittels Schwarmfinanzierung auch gleich ein Buch drucken lassen. ...

    Seitenhiebe

    Auf ihrem nächtlichen Heimweg werden Anne und René Winkler (Natascha Paulick, Stefan Kurt) von drei jungen Männern attackiert und brutal zusammengeschlagen. Die Polizisten Phillip ...

    NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter