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    TITEL kulturmagazin
    Samstag, 29. April 2017 | 05:42

     

    Nicholson Baker: Checkpoint

    12.09.2004

     
    Desperados im Dunkeln

    "Checkpoint" ist ein weiterer Schritt in der Mobilisierung eines ganzen Landes gegen seine Regierung, denn Nicholson Bakers kathartischer Dialogroman versucht vom hilflosen Zorn des amerikanischen Volkes zu berichten. Allerdings wird bei solcher Geschlossenheit der Künstler und Intellektuellen schnell die Frage nach dem ästhetischen Wert vergessen - zugunsten eines gelungenen Timings.

     

    Das Setting: Zwei Schulfreunde sitzen in einem Washingtoner Hotelzimmer und mampfen Pfeffersteak. Jay will Bush ermorden, und Ben ihn davon abbringen. Was folgt ist der 140 Seiten lange Austausch von besseren und schlechteren Argumenten. Hierbei wird ein Sammelsurium aufgetischt, das einem alsbald sauer aufstößt: Denkaas, hundertjährige Verschwörungseier und jede Menge Zeitgeschnetzeltes in roter 70er-Soße... Doch halt, es ist ja lediglich transatlantischer Ketchup!

    Transatlantischer Ketchup

    "Checkpoint" scheint wahrlich im richtigen Augenblick erschienen zu sein. Kaum sind Dokumentarfilme zu Blockbustern avanciert, kaum wurden immer vertüfteltere Computeranimationen von einem bürgerlichen Burgerfresser verdrängt, kaum wurde ein adipöser Sozialarbeiter zur neuen Lady Liberty - wer hätte das gedacht: der Geist der 70er wirbelt wieder in allen amerikanischen Hirnen. Und wir lassen es uns als letzten (Jahrmarkts-)Schrei andrehen. Hatten wir doch Enzensberger, Fried, Degenhardt - und Kroetz. Hatten auch Dokumentartheater, Bewusstseinstheater, Lyrik des Alltags - und kritische Volksstücke. Und irgendwann war dann auch mal Schluss mit ernst.

    Hotelpalaver zweier Semibetroffener

    Doch was suchen wir in unserem bundesdeutschen Waldviertel, in den Staaten schrieb doch zu jener Zeit ein Norman Mailer seine Romane. Und da ist es schon frappant, wie tief ein Nicholson Baker in diese alte Chose stapft und wie wenig davon an seinen schmalen Schriftstellersohlen dann kleben bleibt. Man lese lieber "The Armies of the night", man lese "Why are we in Vietnam". Hier schlägt man hart in einer fernen Realität auf. Und dennoch erfährt man auch das entscheidende Quäntchen an Sublimation, das einen gelungenen Text weit über den Zeitgeschehnissen schweben lässt.
    Nicholson Baker macht es sich zu leicht mit seinem Hotelpalaver zweier Semibetroffener. Was wir hier lesen, ist, was wir allerorten hören, wenn wir uns gegenseitig belauschen, sei's bei Pfeffersteak oder Cappuccino: engagierte Literatur vom Gröbsten, Gebrauchskunst wie ein Schnellentsafter.

    Christoph Pollmann


    Nicholson Baker: Checkpoint.
    Roman. Aus dem Amerikanischen von Eike Schönfeld.
    Rowohlt 2004 
    140 Seiten. 12,90 ¤.
    ISBN 3-498-00642-8

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