TITEL kulturmagazin
Montag, 27. Februar 2017 | 19:02

 

A. Silver u.a. (Hg.): Film Noir

19.08.2004

 

Dunkle Welten


Der Schwarz-Weiß-Bildband bietet eine Zeitreise in Text und Bild durch die Blütejahre des "Film Noir".


 

Der Umschlag macht es unzweifelhaft deutlich: Extreme stehen sich im Film Noir gegenüber. Das Drama des Lebens wird in groben Zügen nachgezeichnet: Liebe und Hass, schwarz auf weiß. Der Film Noir lebt von harten Kontrasten, von dunklen Kulissen, in denen sich die Tragödie des zumeist männlichen Helden und/oder seines weiblichen Pendants, der Femme fatale, abspielt.

Schön, dass trotz aller im Text-Bildband spürbaren cineastischen Begeisterung zunächst ein kleiner theoretischer Prolog das Buch eröffnet: Was ist überhaupt "Noir" wird gefragt, bevor das Thema in verschiedenen Kapiteln, die zugleich zentrale Konstellationen, Motive bzw. Personen des "Film Noir" sind, durchgespielt wird: "Das perfekte Verbrechen", "Die Last der Vergangenheit", "Das große Ding", "Liebe auf der Flucht", "Männliche Gewalt" oder "Der Privatdetektiv" (um nur einige zu nennen).

Zunächst "geschmäht" und "unterschätzt", bekommt das eigentlich uramerikanische Genre seinen Namen von französischen Filmkritikern, denen der veränderte Duktus der Filme in der amerikanischen Kriegs- und Nachkriegszeit deutlich ins Auge fiel. Voller Bewunderung beschäftigten sie sich mit diesen in Stimmung und Design dunkel gehaltenen Filmen, die in den USA selbst erst ab der Mitte der 60er Jahre die ihnen gebührende Wertschätzung erfuhren, Jahre nachdem in Frankreich 1955 die Studie "Panorama du Film noir américain" erschienen war. Als ästhetische Wurzeln werden Detektiv- und Kriminalromane, die künstlerischen Mittel des deutschen Expressionismus, die Philosophie des Existenzialismus und Freud'sches Gedankengut ausgemacht.

Zuweilen erscheint die Übersetzung zwar etwas holprig geraten und manchmal meint man, auf die Anhäufung von Filmtiteln hätte im Text verzichtet werden können, gibt es doch eine abschießende Chronologie, in der für die Nennung aller wesentlichen Filme Platz genug ist.
In der Regel aber durchzieht ein flüssiger Plauderton das Buch und schildert lebendig jede Menge Fakten und Anekdoten. Sie sind umgeben von einer Fülle von Szenen- bzw. Standphotos, die die besprochenen Filme vor Augen führen. Darüber hinaus bieten Fotos vom Set auch den einen oder anderen Blick hinter die Kulissen. Abgerundet wird jedes Kapitel von einer Kurzbiografie des für die behandelte Thematik wegweisenden Regisseurs.

Olaf Selg


Alain Silver / James Ursini / Paul Duncan (Hg.): Film Noir
Text-/Bildband. Übersetzung ins Deutsche: Thomas J. Kinne
Taschen Verlag, 2004, Flexi-Cover, 192 Seiten, ¤ 14,99.
ISBN 3-8228-2268-X

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