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    Literaturkalender 2011

    04.11.2010

    Kinder, wie die Zeit vergeht!

    Das Jahr neigt sich gemächlich zu Ende, die Tage werden spürbar kürzer. Wem der kommende Winter aufs Gemüt zu schlagen droht, der hat gute Chancen, sich mit dem Kauf eines Kalenders für das nächste Jahr zu kurieren. INGEBORG JAISER blättert begeistert durch Literaturkalender 2011.

     

    Nun schon im 44. Jahrgang erscheint der Aufbau Literaturkalender 2011, klassisch und in bewährter Form. Der gewichtige Almanach zeichnet sich durch ein besonders ausführliches Kalendarium mit Geburts- und Todesdaten von über 1000 Autoren aus, inklusive Nennung besonderer Gedenktage („Welttag der Pressefreiheit“, „Internationaler Tag der Alphabetisierung“, „Weltnichtrauchertag“).

     

    Jede Woche wird ein Schriftsteller mit Bild, literarischem Zitat und biographischen Abriss präsentiert, stets in Bezug zu einem aktuellen Jubiläum. Tennessee Williams erscheint mit seinem Kampfhund und einem Ausschnitt aus Endstation Sehnsucht, Bertolt Brecht zeigt sich auf einem zeitgenössischen Gemälde in abgeschabter Lederjacke und steuert Das Lied von der Moldau bei, von Sylvia Plath finden wir ein seltenes Jugendfoto samt Liebesgedicht. Und als besonderes Schmankerl ist diesem Kalender ein Literaturquiz beigelegt, das sich jedoch nur lösen lässt, wenn man Woche für Woche aufmerksam studiert.

     

    Viele Bücherliebhaber scheinen die Aufbau-Kalender jahrgangsweise zu sammeln. Kein Wunder, schließlich bieten sie eine unerschöpfliche Quelle an bibliophilen Entdeckungen und Anregungen. Auch übers Jahr hinaus.

     

    Literatur und Kunst

    Ein ähnliches Konzept, wenngleich in anderer Ausprägung, verfolgt der Artemis & Winkler Literaturkalender 2011. Literatur und Kunst werden hier in ganz besonderer Weise kombiniert: Jede Woche neue Autorenbiografien und Texte, geschmackvoll und zuweilen ungewöhnlich arrangiert, mit einem Filmstill, einer Theaterszene, einer Fotografie, einem Gemälde. Jedes Blatt ist in eine zarte Grundfarbe getaucht, die der bildlichen Darstellung entspringt, mal hellrosé, mal apricot, mal lindgrün, mal taubenblau.

     

    Sehr anregend und inspirierend, welch visuelle Interpretation sich zum aktuell vorgestellten Autor gesellt (der in der entsprechenden Woche entweder geboren oder gestorben ist). Da begleitet ein Bild von William Turner das Kalenderblatt von Siegfried Lenz, ein Gemälde von Modigliani den Text von Hilde Spiel, die moderne Darstellung eines Gemüsegartens ein Gedicht von Eduard Mörike. Dieser hochwertige, ästhetisch durchkomponierte Kalender wird ganz gewiss zum Schmuckstück jeder Wohnung, jedes Büros, jedes Arbeitsplatzes.

     

    Im Traum suche ich immer das Weite ...

    Der Text, den Artemis & Winkler für sein erstes Kalenderblatt wählt -  „Ich gehe erst mal los, dachte er. Der Rest wird sich schon irgendwie ergeben.“ - könnte auch als Gesamtmotto für den Literarischen Reisekalender 2011 aus dem Hause Schöffling & Co. gelten. Sehr klar, sehr reduziert, vor durchgängig reinweißem Hintergrund vereint sich jeweils ein literarischer Reisetext mit einer aussagekräftigen, ausdrucksstarken Fotografie. Das Kalendarium am oberen Ende weist hier zwar keine biographischen Bezüge zu Autoren oder Gedenktagen auf – dafür wird auf dem restlichen Kalenderblatt feinsinnig mit Typographie und Layout experimentiert. 

    Melancholisch wird man hier von Reiselust und Fernweh geplagt. Ulrich Becher erinnert an das Haus, in dem Nietzsche verrückt geworden ist (dazu die winterliche Darstellung eines schneebedeckten Ortes). „Wenn ich das Ende eines Tages erlebe…“ hebt Paul Bowles an, begleitet von der nächtlichen Fotografie einer fahl erleuchteten, nordafrikanischen Stadt. Und Otl Aichers bemerkenswerte Sätze aus gehen in der wüste werden illustriert von einem berauschend schönen Ausblick auf verwehte Sanddünen.

     

    Dieser Kalender lässt viel Platz für eigene Ideen und Tagträumereien. Literarische Entdeckungen pflegt er allemal. Wer kennt schon die Werke von Michael Lüders, Luis Sepulveda oder Norbert Elias?

     

    Orte und Landschaften

    Von jeher haben (fremde) Orte und Landschaften Schriftsteller und Literaten inspiriert. Das greift auch der Arche Literaturkalender 2011 als aktuelles Thema auf. Hier schwärmt Franz Hessel über Pariser Hotelzimmer. Erliegt Virginia Woolf den Reizen eines verlockenden Gartens in Sussex. Warnt Ingeborg Bachmann vor dem kalten Winter in Rom. Und zeigt sich Simone der Beauvoir überwältigt von Pekings alten Stadtvierteln.

     

    Ästhetisch reizvoll und literarisch anspruchsvoll präsentiert, verwandelt sich hier jedes Kalenderblatt zu einem kleinen Kunstwerk. Beachtlich, was die Herausgeber dieses Werkes an Kostbarkeiten ausgegraben haben: unbekannte Fotografien, anregende Textstellen, in Vergessenheit geratene Schriftsteller. Und stets findet sich auch hier ein direkter Bezug vom vorgestellten Autor zu einem aktuellen Datum. Diese wöchentlichen (Wieder)Entdeckungen verleiten durchaus zum interessierten Nachlesen, Nachforschen, Nachreisen.

     

    Das hohe Niveau dieses modernen Klassikers wurde übrigens auch vom Graphischen Klub Stuttgart gewürdigt, mit einer Silber-Auszeichnung zur Internationalen Kalenderschau 2011.

     

    Im Kaffeehaus daheim

    Wie nah ein „Kleiner Brauner“ und große Literatur beisammen liegen können, zeigt sich am Beispiel der Wiener Kaffeehäuser. Peter Altenberg, Karl Kraus und Alfred Polgar haben dort oft mehr Zeit verbracht als in ihren eigenen vier Wänden. Der Literarische Café-Kalender 2011 von  Ars Vivendi vermag es, den Flair des Ortes auf charmante Weise einzufangen. Stimmungsvolle Fotografien entführen uns mitten ins Geschehen: hören wir nicht das Röcheln der Espressomaschine, das Klappern von Geschirr, das verhaltene Murmeln am Nebentisch?

     

    Zitate und Textpassagen aus Werken von Stefan Zweig und Thomas Mann, Isabel Allende und Ernest Hemingway verbinden sich hier zu einer herrlichen Melange mit Auszügen aus dem Duden, kulinarischen Rezepten und visuellen Verlockungen. Staunend blicken wir nicht nur in Wiener Cafés, sondern auch nach Beirut, Budapest und Buenos Aires. Dabei haben die Gestalter dieses Kalenders alle Farbregister gezogen: die Blätter changieren verführerisch zwischen Mokkabraun, Zimtorange und Kandiszuckergelb.

     

    Leselust ohne Ende

    Ein aufgeschlagenes Buch auf einem Klappstuhl. Ein Satz anthrazitfarbener Bleilettern. In brüchiges Leder gebundene bibliophile Kostbarkeiten. Der Blick in eine lichte Altbauwohnung mit übervollen Bücherregalen. In bunte Stoffe gehüllte Texte eines indischen Klosters. Die Schätze eines ausladenden Saals der Österreichischen Nationalbibliothek. Bücher, Pergamente und Wiegendrucke. Bibliotheken, Buchhandlungen und Privatsammlungen. Und nicht zuletzt Schriftsteller und Leser: entspannt in der Hängematte liegend oder eine Brille auf die aktuelle Lektüre legend.

     

    Vielfältig zeigen sich Leselust und Sammelleidenschaft. Der Korsch Verlag hat dies in seinem Literaturkalender Leselust 2011 stimmungsvoll und in klarem Design in Szene gesetzt und mit treffenden, meist klassischen Zitaten der Weltliteratur unterlegt. Gustave Flaubert und Maxim Gorki kommen hier zu Wort, Friedrich Nietzsche und Rainer Maria Rilke. Und fast sind wir schon versucht, Marcel Proust zu glauben: „Das wahre Leben, das einzige von uns wahrhaft gelebte Leben, ist die Literatur.“


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