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Elzie Crisler Seger: Popeye

06.12.2006

Tägliche Spinatdröhnung für einen wilden Seebären
Die Figur "Popeye" von E.C. Segar gilt als ein Seemeilenstein der Comic-Szene. Doch in seinem Herzen wohnen zwei, die beide diesen Namen führen und sich eklatant voneinander entscheiden. Nicht in der äußeren Ansicht, sondern in ihrem Auftreten auf der Bühne der kurzweiligen Unterhaltung.

 

Donald und Dagobert Duck, Micky Mouse, Tim & Struppi, Asterix & Obelix und die anderen mit meistens mit feinem Strich gezeichneten Figuren der populären, also weniger hochgeistigen sondern die einfacheren Sinne ansprechenden Unterhaltung, boxten sich mehr oder weniger rustikal durchs papierne Leben.

Der 1929 von seinem Schöpfer Elzie Crisler Segar ins gezeichnete Dasein hinein geworfene Popeye demonstrierte von Anfang an eine etwas andere Art des Auftretens. Dieser kleine, einäugige Wüterich – Markenzeichen: Pfeife und kürbisdicke Unterarme – machte nämlich eine eigene Entwicklung durch. Im Dualismus der Charaktere grobiante er sich einerseits als schwarz-weißer oder farbiger rauer Hund ab 1931 durch das cineastische Zweitleben. "Der andere Popeye jedoch, der Ur-Popeye von 1929, der sowohl täglich als Daily von Montag bis Samstag in Schwarzweiß als auch sonntags als eigenständiger farbiger Sunday in Dutzenden von US-amerikanischen und kanadischen Zeitungen erschien, war aus edlerem Holz geschnitzt." (Bill Blackbeard im Vorwort). Schrittweise entwickelte der 1894 als jüngster von acht Geschwistern geborene Elzie Crisler Segar seit 1919 in der Fingerhutbühne die Popeye-Figur. Das so genannte "Thimble Theatre" logierte im Zeitungsimperium von William Randolph Hearst. Zunächst war Popeye als Nebenfigur angelegt, stieg jedoch schnell in Hauptrollengefilde auf und sorgte für reißenden Spinat-Absatz. Die Leser zeigten sich begeistert vom rustikalen Zeichenstil Segars und dem derben Geradeaushumor Popeyes. Die anfängliche Beschränkung von drei Bildern pro Daily forderte vom Autor präzise Erzähl- und Zeichentechnik.

Im Mare Buchverlag liegen nun in einer großzügigen Ausgabe erstmals komplett in deutsch die gesammelten Popeye-Geschichten vor, sowohl die schwarzweißen Jedentagkurzstories als auch die bunten Sonntagsgeschichten. Die heißen: "Das Achte Weltmeer" und "Das Seeweib ihre Schwester". Vom 3.12.1933 bis zum 12.8.1934 erschien jeden Sonntag die – farbige – Story "Plünder Eiland". Die beginnt so gewalttätig mit einer Schlägerei zwischen Popeye und "Salzbacke" Bill Barnacle, daß die Polizei geholt werden muss. Doch Popeye und Barnacle zeigen den herbei gelaufenen Polizisten eine lange Nase: was wie eine wilde unfaire Keilerei aussah war lediglich das Begrüßungsritual zweier Freunde, die sich lange nicht begegnet waren. Das Wiedersehensfreudenfest ist Auftakt für ein abenteuergespicktes Suchen nach Gold und Edelstein auf einer mysteriösen Insel.

Klaus Hübner


Elzie Crisler Seger: Popeye.
Übersetzt von Ebi Naumann.
marebuchverlag. Hamburg. 2006.
432 Seiten. 29,90 Euro.
ISBN: 3-936384-31-2.


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