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    TITEL kulturmagazin
    Mittwoch, 28. Juni 2017 | 19:36

     

    Lydia Jeschke, Daniel Ott, Lukas Ott: Geballte Gegenwart

    18.10.2006

    Schön schräg klingende Gegenwart
    Mehr als die Gegenwart kann Mensch nicht erwarten. Wenn sie dann noch "geballt" auf den Plan tritt und vordergründig nur das Hören – vielleicht noch ein wenig Darstellendes – zum Gegenstand hat, darf auch ein so kurzer Zeitraum wie fünfzehn Jahre noch zur Gegenwart gezählt werden. "Geballte Gegenwart" suchte sich ihren Platz, den sie prompt 1990 in Rümlingen (Kanton Baselland, Schweiz) gefunden hat.

     

    "... verortet im Hier und Jetzt." Das wollte das Rümlinger Festival von Anfang an sein. Lydia Jeschke stellt diesen Aspekt der Festivalmacher in ihrem einführenden Beitrag besonders heraus. Künstlerische Reflexion auf das Gegenwärtige war auch eine wesentliche Voraussetzung dafür, als Künstler zum Festival eingeladen zu werden. Daniel Ott erzählt, dass in und um Rümlingen herum schon Jahre vor dem Festival "spontane Klang- und Theater-Aktionen" stattgefunden haben. Vom Nebenbei-Festival am Anfang mauserte sich das Unternehmen zu einer professionell geführten Unterhaltungsinstitution in der Schweiz. Und wird nun in einem üppigen Text- und Bildband mit Audiobeispielen zwischenbilandmäßig rekapituliert.

    Wenn geballte Gegenwart sich mit der Musik der Zeit, mit neutönenden Klangwelten und den Ergebnissen experimenteller Erkundungen des Drumherum (Landschaft, Gebäude) vereinigt, dann darf man an Rümlingen nicht achtlos vorbei gehen. Der großzügige Katalog vermittelt diese ganzheitlichen – im Sinne multimedialer - Darstellungsformen und Kooperationen zwischen Hörbarem und Theatralischen, Improvisierten und Organisiertem auf fundamentale Weise. Das Material ist reichhaltig, in Text und Bild zeigt das Buch die Bedeutung des Festivals für die Neue Musik in ausschweifender Form. Kluge theoretische Abhandlungen stoßen da auf Programmabläufe, Partituren, Diagramme und Notationen, die Fotos zeigen Klangaktionen und Performances und den kraftvollen Einsatz von Körper und Instrumenten. Selbstredend gibt es eine Festival-Chronik und ein Komponisten-, Autoren- und Werkverzeichnis der Jahre 1990-2004.

    Der Aufsatz "Rümlingen und die Welt hinter den Hügeln" von Thomas Gartmann schaut über die Ränder der Peripherie hinaus. Gartmann stellt fest: "Gegenüber der heutigen Event-Kultur, gegenüber dem Gastspiel-Tourismus mit flüchtigen Blitzlichtern gibt es in Rümlingen ein Resistieren. Eine Auseinandersetzung mit der Kultur, grundsätzlich, mit ihren Voraussetzungen. Diskutiert wird viel in Rümlingen, öffentlich, unter Kollegen und über alle Fach- und Sprachgrenzen hinweg. Die Peripherie hat den Vorteil der Beschaulichkeit. Hier hat man die Ruhe, sich den Dingen ganz zu widmen." So funktionierte Rümlingen auch immer als Impulsgeber für zukunftsvisionäre Aktivitäten.

    Zischend bahnen sich diverse Akkorde und Cluster ihren Weg, kleine Pausen liegen dazwischen, langsam, sehr langsam, machen sich Strukturen breit, die zum Kern der Klänge führen. Die Ausrichtung des 1999er Festivals in Rümlingen, nämlich Möglichkeiten der "'Gegendarstellung, verbal, musikalisch, kulturell'" darzustellen, hatte Mathias Spahlinger bereits 1981 mit seiner Komposition "Aussageverweigerung/Gegendarstellung - zwei Kontra-Kontexte für Doppelquartett" untersucht. Das knapp dreizehn Minuten dauernde Werk ist eines von sechzehn Tonbeispielen, die auf zwei CDs dem großzügigen Buch des Rückblicks beiliegen. Weiterhin kann man Werke von Erwin Stache, Toshio Hosokawa, Vinko Globokar, Peter Ablinger, Dino Saluzzi und Younghi Pagh-Paan hören.

    Klaus Hübner


    Lydia Jeschke, Daniel Ott, Lukas Ott (Hg.): Geballte Gegenwart.
    Experiment Neue Musik Rümlingen.
    Christoph Merian Verlag. Basel. 2005.
    234 Seiten. 80 Farbabbildungen. 2 Audio-CDs.
    ISBN: 3-85616-257-7.
    Euro 48,00

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