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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 26. Mai 2017 | 07:30

    Bauer-Wörner / Carle / Wiesler: Schwarzwaldküche

    29.09.2012

    Futtern wie bei Muttern

    Der SWR hat etwas zu feiern: Die Fallers, nach der Lindenstraße Deutschlands älteste Non-stop-Serie, strahlen dieses Jahr ihre 750. Folge aus. Nach neunzehn Jahren. Das ist doch schon mal was, dachte sich die Redaktion um Bettina Bauer-Wörner und Regina Carle, und beauftragte Klaus-Günther Wiesler, Küchenchef im familieneigenen Hotel und Liebhaber der regionalen Küche, zu diesem Anlass das vorzustellen, was bei den Fallers täglich auf den Tisch kommt. Ergebnis ist noch ein Buch zur Schwarzwaldküche, durch das sich VIOLA STOCKER dank Buchpräsentation im Studio durchlesen und -futtern durfte. 

     

    Man hat doch erstmal ein leicht schlechtes Gewissen. Neunzehn Jahre lang läuft eine Fernsehserie im öffentlich-rechtlichen Sender und man hat es nicht gemerkt. Wie konnte das bloß geschehen, vor allem nachdem die Rundfunkgebühren pünktlichst abgebucht werden und das nicht unbemerkt? Einigermaßen kleinlaut wühlt man sich durch die SWR-Gebäudlichkeiten, um in das »Ernst-Becker-Studio 3« zu gelangen. Dann kommt die Erleichterung: Kaum jemand da, der Rest andere Alterszielgruppe und schließlich die Inneneinrichtung der Studiokulissen in Eicherustikal mit Rehgeweih und Stickkissen. Deshalb also ging die Existenz der Serie am Selbst vorbei, hat man doch diese Inneneinrichtung mindestens einmal in der Verwandtschaft und drückt sich entsprechend vor jedem Besuch dort. 

     

    Schwarzwälder Kirschtorte im Glas
Foto: André Chales de Beaulieu 
© 2012 Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern Schwarzwälder Kirschtorte im Glas
    Foto: André Chales de Beaulieu
    © 2012 Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern

    Nicht Fisch, nicht Fleisch

    Die Redaktion der Fallers ist anwesend und möchte nicht, dass sich ihre Serie auf eine spezielle Alterszielgruppe ausrichtet. Vom wirklichen Leben ist die Rede, vom Mikrokosmos des Persönlichen, von Sehnsüchten nach Nähe und Heimat. Aber auch von Verjüngungsproblematik, von Budgetkürzungen und den engen Fesseln, die so ein Mikrokosmos den Beteiligten aufzwängt. Umso erstaunlicher, dass immer noch gedreht wird und nun sogar ein Kochbuch zur Serie erschienen ist. Selbiges bewegt sich im gleichen Zwiespalt von Tradition und Moderne, doch ist Küchenchef Klaus-Günther Wiesler dieser Spagat wesentlich besser gelungen als den Drehbuchautoren.

     

    Rehrücken in Holunderbeersauce 
Foto: André Chales de Beaulieu 
© 2012 Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern Rehrücken in Holunderbeersauce
    Foto: André Chales de Beaulieu
    © 2012 Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern

    Wiesler präsentiert nach Jahreszeiten geordnete Rezepte, ein vernünftiger Schachzug, der das Nachkochen mit frischen Zutaten erleichtert. Zudem hat er sich zwar auf regionale Spezialitäten konzentriert, jene aber vom Mief der Jahrzehnte entstaubt. So rutscht die Schwarzwälder Kirchtorte ins Glas oder mutiert zum Eisparfait, der Rehrücken wird in Holunderbeersoße getunkt, und die Schwarzwaldforelle darf sich mit Sauerampfer anfreunden. Dass dies alles ausgezeichnet schmeckt, konnte Wiesler an Ort und Stelle bei einem kleinen Buffet beweisen. Auch ganz traditionelle Rezepte wie Ofenschlupfer und Ochsenschwanzragout fehlen nicht.

     

    Ochsenschwanzragout
Foto: André Chales de Beaulieu 
© 2012 Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern Ochsenschwanzragout
    Foto: André Chales de Beaulieu
    © 2012 Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern

    Der Teufel steckt im Detail

    Zunächst muss man noch sagen, dass Layout und Fotos wirklich ansprechend gestaltet sind, man blättert das Kochbuch gerne durch. All jene aber, welche die Fernsehserie nicht kennen, müssen sich damit anfreunden, dass immer wieder Informationen zur Serie ihren Platz zwischen den Rezepten finden. Das ist umso nerviger, als die Informationen zu den Rezepten selbst mehr als karg sind. Man muss schon ein echter Schwarzwälder sein, um sich die historische Herkunft aller Rezepte erschließen zu können und gerade das wäre doch bei einem Schwarzwälder Kochbuch interessant. Zumal man bei manchen Rezepten, wie zum Beispiel »Nudeln mit Bärlauchpesto« den regionalen Zusammenhang nicht sofort bei der Hand hat. Überhaupt bärlaucht es arg und wer keine Lust hat, auf der auch schon in die Jahre gekommenen Bärlauchwelle mitzuschwimmen, den wird in Wieslers Rezepten möglicherweise der Frust einholen.

     

    Letztlich ist aber ausschlaggebend, wie es denn schmecken kann und da darf man sich auf Rezepte für den geschulten Gaumen freuen, wobei auf moderne Hausmannskost gesetzt wird, bei der mit möglichst regionalen Zutaten und fein abgestimmten Gewürzen gearbeitet wird und dies in einem ansprechend gestalteten Rahmen. Klaus-Günther Wiesler hat ein Kochbuch geschrieben, das der Thorbecke Verlag sehr liebevoll gestalten ließ, um eine in die Jahre gekommene Fernsehserie ein wenig zu feiern.

    Mahlzeit!

     

     

    Showkochen in der Gourmet Gallery

    12.10.2012 - Frankfurter Buchmesse - 16:00 Uhr - Eintritt frei

    Im Beisein einiger Schauspieler der Fernsehserie »Die Fallers – eine Schwarzwaldfamilie« werden Gerichte aus dem Kochbuch zubereitet.

    Weitere Infos auf buchmesse.de.

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