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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 28. Juli 2017 | 02:34

     

    Hilde Domin wird 95

    26.07.2004

    Drei Arten von Mut

    Zum 95. Geburtstag der Lyrikerin Hilde Domin am 27. Juli

    Von Peter Mohr

     

    „Hilde Domins Dichtung ist eine Dichtung, die außerhalb jeder Regel steht. Sie ist anders als Lyrik in deutscher Sprache in unserem Jahrhundert, es ist eine Lyrik, die sich durch enorme Klarheit, enorme Entschiedenheit und enorme Unabhängigkeit bewährt“, befand Marcel Reich-Ranicki 1995 in seiner Domin-Laudatio anlässlich der Verleihung des Konrad-Adenauer-Preises.

    Hilde Domin, die am 27. Juli 1909 (bis vor wenigen Jahren hatte sie 1912 als Geburtsjahr angegeben) in Köln als Tochter eines jüdischen Rechtsanwalts geboren wurde, hatte zunächst keine künstlerische Karriere im Sinn. Sie studierte bei Jaspers und Mannheim und promovierte 1935 in Florenz im Fach Staatsrecht. Zu dieser Zeit hatte sie bereits ihre Zelte in Deutschland abgebrochen und sich mit ihrem späteren Ehemann, dem Kunsthistoriker Erwin Walter Palm, auf eine lange „Exilwanderung“ begeben. Über die USA führte sie der Weg in die Dominikanische Republik, wo sie als Deutschlehrerin tätig war. In Anlehnung an ihre Exilheimat (dort entstanden Anfang der 50er-Jahre ihre ersten Gedichte) entstand auch das Pseudonym „Domin“.

    In einem Interview antwortete die Schriftstellerin vor 20 Jahren auf die Frage, wie viel Mut ein Schriftsteller benötigt: „Ein Schriftsteller braucht drei Arten von Mut. Den er selber zu sein. Den Mut, nichts umzulügen, die Dinge beim Namen zu nennen. Und drittens den, an die Anrufbarkeit der anderen zu glauben.“

    Als Lyrikerin hat die „Spätberufene“ stets Mut bewiesen; weder inhaltlich noch formal hat sie Zugeständnisse gemacht, ist keinen künstlerischen Moden und keinen tagespolitischen Ereignissen nachgelaufen. Und doch bezeichnet sich Hilde Domin selbst (zu Recht) als „Einmischerin“.

    Erst 1954 kehrte das Ehepaar Palm zurück nach Deutschland. Nach Erscheinen ihres ersten Gedichtbands Nur eine Rose als Stütze (1959) wuchs das Ansehen der nun schon seit vielen Jahren in Heidelberg ansässigen Autorin rapide. Ihre Gedichte sind von schlichtem Vokabular geprägt, völlig unpathetisch, aber zupackend, selten metaphorisch, dafür umso öfter appellativ; kurz – Gedichte, die auch dem nicht professionellen Leser leicht zugänglich sind.

    Hilde Domin hat zeitlebens an die Kraft, ja geradezu an die Allmacht des Wortes geglaubt. In einem ihrer Gedichte heißt es: „Lieber ein Messer als ein Wort / Ein Messer kann stumpf sein / Ein Messer trifft oft / am Herzen vorbei / Nicht das Wort.“

    Die „grande dame“ der deutschen Nachkriegslyrik hat sich jedoch nicht nur mit zahlreichen Gedichtbänden und ihrem viel beachteten Roman Das zweite Paradies (1968), sondern auch als Übersetzerin und Essayistin einen Namen gemacht. Unvergessen noch heute: ihr 1968 erschienener Aufsatz (Wozu Lyrik?), in dem sie den Gedichten die (zugegeben leicht überzogene) Funktion zusprach, „die Leute zu retten in den Gezeiten ideologischer Blindheit“.

    Peter Mohr

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