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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 28. Juli 2017 | 02:32

     

    Raymond Carver: Erste und letzte Storys

    19.07.2004

     
    Die Kraft des Banalen

    In den schwarzen Bereichen der menschlichen Seele liegen die verborgenen spitzen Pfeile, mit denen sich die Menschen das Leben schwer machen. Raymond Carver kennt sie alle.

     

    Was die unmissverständliche Aufzählung im Titel des Taschenbuchs mitteilt, bedarf einer kurzen Erklärung. Bei den als erste Storys bezeichneten handelt es sich um frühe Erzählungen Carvers, die letzten Storys sind neuere Erzählungen, von denen Botengang als letzte vor seinem Tod veröffentlicht wurde. Und es gibt noch weitere fünf nach Carvers Tod 1988 unter dem Titel Call If You Need Me publizierte Texte.

    Carver ist einer der Erneuerer der traditionsreichen amerikanischen Kurzgeschichte und seine Storys sind banal erscheinende Augenblicke aus dem Leben diverser Verlierer und Versager. Carver versteht es, auf den Punkt gebrachte Begebenheiten des täglichen Lebens unprätentiös und einfach zu erzählen. Bis der Leser sich dabei ertappt, eigene Erlebnisse aus der Erinnerung zu holen, sie mit Carver zu vergleichen und festzustellen: genau so ist das. Exemplarisch ist dafür die Geschichte „Elefant“, in der unter Brüdern Geld verliehen wird, wobei von vorne herein klar ist, dass der Schuldner es nie zurückzahlen wird. Irgendwie scheinen das alle zu ahnen, ja zu wissen, aber niemand sagt es rundheraus.

    Es ist schon bemerkenswert, wie Carver ein winziges Detail, nämlich ein Haar zwischen den Zähnen eines Mannes, zum Ausgangspunkt einer wahrhaft kurzen Geschichte („Haar“) nimmt und um diesen störenden Gegenstand herum etwas völlig Unaufgeregtes, nahezu nicht Erwähnenswertes erzählt. Was genau den Reiz seines Schreibens und Erzählens ausmacht – die Nebensächlichkeit, die für den betreffenden Menschen zur Hauptsächlichkeit werden kann. „Die Lüge“ bedeutet für Raymond Carver, in die schwarzen Bereiche der menschlichen Seele zu schauen. Dort liegen sie verborgen, die missgünstigen, neidvollen und hinterlistigen spitzen Pfeile, mit denen man sich gegenseitig das Leben erschweren kann. Was besonders auf dem weiten Feld der (vorgeblichen) Untreue für unendlichen Erzählstoff sorgt.

    Klaus Hübner


    Raymond Carver: Erste und letzte Storys. Aus dem Amerikanischen von Helmut Frielinghaus. Berliner Taschenbuch Verlag 2004.
    351 Seiten. 9,90 Euro.
    ISBN 3-8333-0098-1.

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