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Guntram Vogt: Die Stadt im Kino

01.07.2004

 

2,5 kg schwerer Coup

Ein wahrhaft epochaler Band über ein Jahrhundert Deutsches Kino nicht nur für Städtebewohner.


 

(Archivbeitrag von 2001)

Guntram Vogt, em. Professor für Medienwissenschaft an der Universität Marburg, hat mit dem Buch "Die Stadt im Kino. Deutsche Spielfilme 1900-2000" einen großen und ca. 2,5 kg schweren Coup gelandet. Zwar hätte auch er wie so viele in der Hessischen Kleinstadt einfach vor sich hinleben und -lehren können. Aber schon Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts haben offenbar die ersten Recherchen zu diesem umfangreichen und lesenswerten Band begonnen, an dem, Guntram Vogt macht es deutlich, neben Philipp Sanke und Hanno Möbius auch viele weitere Marburger und Nicht-Marburger Wissenschaftler und Nicht-Wissenschaftler beteiligt waren.

Ein 50-seitiger einleitender wissenschaftlicher Essay erläutert zunächst die "Aufrisse zur kinematografischen Stadtkonstruktion", will sagen: gibt einen Überblick über verwendete Begriffe und die Entwicklung der Verknüpfung des Bildes von "Stadt" und (Kino-)Film, immer mit Blick auf das auf den folgenden 750 Seiten zu Leistende bzw. Geleistete. Die Antwort auf die zentrale Frage "Was ist eine filmische Stadt?" lautet nicht einfach "Schauplatz" oder "Kulisse", sondern die filmische Stadt ist eine (mit-)inszenierte Stadt, "eine dramatische und dramaturgisch wichtige Figur", ein "Mitakteur". Sie ist sowohl Bestandteil des Dokumentarfilms als auch des Spielfilms, sie ist die konkrete Stadt ebenso wie die im Film konstruierte bzw. dekonstruierte: Die Thematik "filmische Stadt" ist im Prinzip so vielfältig, wie es Filme über (Groß-)Städte gibt. Für Deutschland fokussiert sich der Blick allerdings auf Berlin mit über 50 von ca. besprochenen 70 Filmen. Dabei beinhaltet das Bild von der Stadt immer auch Kommentare zu gesellschaftlichen Verhältnissen, in denen die Menschen in den Städten leben.

Die 70 Filme, die natürlich `nur´ eine exemplarische Auswahl aus dem Filmschaffen des letzten Jahrhunderts sind, reichen von "Die arme Jenny (Urban Gad, 1912) über "Kuhle Wampe oder wem gehört die Welt" (Slatan Dudow, 1932) und Hitlerjunge Quex (Hans Steinhoff, 1933) zu "Lola rennt" (Tom Tykwer, 1998) und "Schnee in der Neujahrsnacht" (Thorsten Schmidt, 1999).
Zu Beginn jeder Besprechung werden immer die filmografischen Angaben aufgelistet. Nach der Wiedergabe des Filminhalts sowohl in einigen Beispielszenen als auch in einer Gesamtzusammenfassung werden diese unter den Stichworten "Produktion" (als Blick hinter die Kulissen etwa zu Produktionsproblemen), "Filmsprache" (zum visuellen und akustischen Konzept), "Künstler" (Regie, Kamera, Schauspieler) "Presse" (Auszüge aus Kritiken) und natürlich "Stadt" besprochen, wobei das für den jeweiligen Film Besondere herausgestellt wird. Man kann die einzelnen Texte, die wissenschaftlich und unterhaltend geschrieben sind, in beliebiger Reihenfolge auswählen und lesen. Essayband und Lexikon zugleich, richtet sich das Buch sowohl an Filmwissenschaftler wie Filmliebhaber.

Olaf Selg

Guntram Vogt: Die Stadt im Kino. Deutsche Spielfilme 1900-2000. Schüren Verlag 2001.
Gebunden, 820 Seiten mit zahlreichen sw-Abbildungen, ¤ 68
ISBN 3-89472-331-9

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