Ein leidenschaftliches Plädoyer
Neudeck hat ein sehr persönliches Buch geschrieben, ein Buch, das es sich nicht leicht macht und das wegen seiner ehrlichen Betroffenheit sympathisch berührt. Dennoch ist die Lektüre des Buches leider alles andere als einfach. Neudecks Stil ist in starkem Maß assoziativ und springt ständig thematisch und chronologisch hin und her. Harte Fakten stehen unvermittelt neben sehr persönlichen Einschätzungen, einiges wiederholt sich, anderes widerspricht sich gar auf wenigen Seiten.
Neudeck hat ein leidenschaftliches, an vielen Stellen geradezu verzweifeltes Plädoyer zum Umdenken geschrieben, zum Abbau von Vorurteilen, zu Frieden und Versöhnung – ein Plädoyer, das sich zuerst an Israel als der wirklich übermächtigen Konfliktpartei richtet. Das ist alles richtig und bewegend. Das Buch bleibt allerdings bei allem guten Willen genau hier stecken. Ein wenig erinnert das dann an Brechts Guten Menschen oder Buñuels Pater Nazarin.
Denn die Frage, warum der Friede in Palästina weiter verhindert wird, lässt sich eben nicht beantworten, ohne sich der Frage nach den Interessen aller Mitspieler zu stellen und auch der harten Wahrheit, dass sich Europa, die USA und die gegenwärtige Führung in Jerusalem vielleicht gar nicht so uneinig sind.
