Spannende Entdeckungsreise
Das Böse interessiert Eagleton also vor allem abseits der historischen Dimension, es wird zum metaphysischen Phänomen transzendiert. Getrieben von einem erzkatholischen Schuldverständnis modelliert Eagleton mit der Philosophie des westlichen Abendlandes im Rücken – Freuds Todestrieb, Schopenhauers diesseitiges Jammertal und nicht zuletzt Hannah Arendts viel zitierte Banalität des Bösen sind nur einige Beispiele – die Verknüpfung des Bösen mit dem Gewöhnlichen, Banal-Alltäglichen heraus.
Das Böse entspringt dabei dem Freud’schen Todestrieb. Wer böse ist, der sei unfähig zu leben und trachte nach der Zerstörung alles Sinnlichen. Boshafte Taten werden aus dieser Sichtweise zu Sublimierungen einer inneren Leere. (Selbst-) zerstörerische Akte vollbringe auch der Alkoholiker jeden Tag und mache das Böse so zu einem gewöhnlichen und beinah langweiligen Phänomen, das »kein Anlass für schlaflose Nächte« sei.
Eagletons Das Böse ist für alle Literaturinteressierten eine spannende Entdeckungsreise in die Welt der fiktiven Bösewichter. Ullstein liefert mit dem plakativen Cover außerdem ein Schmuckstück im Bücherregal aller Minimalisten. Für jene Leser aber, die eine eindeutige Antwort auf die Frage nach der Beschaffenheit des Bösen erwartet haben, wird es eher eine Enttäuschung sein.
