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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 25. Mai 2017 | 04:59

    Ralf-Peter Märtin: Die Varusschlacht

    04.12.2008

    Die Schlacht geht weiter

    Die Abwehr eines übermächtigen Feindes gelingt oft nur mit einer Finte, einem Vorstoß aus dem Hinterhalt zum Beispiel. Zu dieser List griffen 9 nach Christus germanische Krieger, da sie die Römer in offener Feldschlacht nicht besiegen konnten. Von INGO STEINHAUS

     

    Der cheruskische Adlige Arminius, zugleich Staatsbürger und Ritter des Imperiums, schmiedete eine Koalition aus abtrünnigen Hilfstruppen und römerfeindlichen Stammeskriegern. Das germanische Heer lockte drei Legionen in einen Hinterhalt und vernichtete sie vollständig. 20.000 Soldaten fielen im Kampf oder wurden den Göttern der Germanen geopfert. Der Statthalter Publius Quinctilius Varus stürzte sich in sein Schwert. Nur wenige versprengte Legionäre überlebten das Gemetzel und konnten davon berichten.
    Die als Varusschlacht bekannte Niederlage der Römer hatte erhebliche Folgen, das Imperium zog sich für immer aus dem rechtsrheinischen Germanien zurück. Rund ein Jahrhundert später konstatierte der römische Historiker Publius Cornelius Tacitus trocken: "Arminius war unstreitig Germaniens Befreier, [...] im Kriege unbesiegt".

    Von Arminius zu Hermann

    Die ganze Geschichte der Varusschlacht lässt sich bei Ralf-Peter Märtin nachlesen. Der Wissenschaftsjournalist schildert die römischen Versuche der Eroberung Germaniens und geht dabei auch auf die politischen Hintergründe sowie die Vorgeschichte ein. Außerdem beschreibt er das Nachleben des in Hermann umbenannten Arminius in der Geschichtsmythologie (und -ideologie) der Deutschen.
    Das fundierte Überblickswerk ist zwar nicht die Monographie eines Althistorikers oder Archäologen, doch wissenschaftliche Standards erfüllt sie trotzdem. Quellenangaben, das umfangreiche Literaturverzeichnis und das Sach- und Namensregister sind bei populärwissenschaftlichen Büchern leider nicht selbstverständlich.
    Leider gehen Märtin hin und wieder die journalistischen Pferde durch - mir jedenfalls sind fiktive Live-Berichte aus dem inneren Germanien zu verspielt. Doch diese Ausrutscher können den guten Eindruck der spannend geschriebenen und leicht verständlichen Darstellung nicht trüben. Als Einführung in die römische Germanienpolitik und überhaupt in diesen hochinteressanten Abschnitt der Geschichte ist das Buch ein Pflichtkauf.

    Die Schlacht um die Schlacht

    Märtin stellt aber nicht nur die altbekannten Entwicklungen der Zeit von Augustus und Tiberius dar, er berücksichtigt ebenso den neueren Forschungsstand. Ein Teil der Fachwissenschaftler geht davon aus, dass einer der Hauptkampfplätze der Varusschlacht bei Kalkriese gelegen hat, einem Ortsteil der niedersächsischen Stadt Bramsche.
    Doch längst nicht alle sind von dieser These überzeugt. Es gibt hunderte Überlegungen zum Ort der Varusschlacht. Ernstzunehmende Argumente und historische Evidenz bieten nur wenige davon, unter anderem die klassische Detmold-Hypothese. Sie wird auch heute noch von einer Koalition aus Heimat- und Hobbyforschern unterstützt.
    Das Buch von Märtin zeigt: Die Schlacht um die Schlacht tobt weiter, durch die Medien, im Internet und vor Gericht. Ein paar Leute aus dem Umfeld des Detmolder Vereins Arminiusforschung zeigten den Geschäftsführer des Römermuseums in Kalkriese wegen Subventionsbetrugs an. Er habe bewusst verschleiert, dass es eindeutige Gegenbeweise zur Kalkriese-Theorie gebe.
    Die Staatsanwaltschaft Osnabrück fand zwar heraus, dass alles rechtens war. Doch zufrieden ist die Anti-Kalkriese-Fraktion damit nicht. Denn letztlich geht es um die auch finanziell interessante Frage, wer im Herbst 2009 an welchem Ort das Bimillenium der Varusschlacht feiern darf.
    Die Lösung für das Problem ist typisch für die deutsche Politik des Kompromisses, der keinem wehtut: Es gibt eine Dreier-Ausstellung mit dem Titel IMPERIUM - KONFLIKT – MYTHOS (www.imperium-konflikt-mythos.de), die sich auf die drei Erinnerungsorte Haltern am See, Kalkriese und Detmold verteilt. Für den Mythos ist natürlich Detmold zuständig und somit herrscht zumindest bis Ende 2009 Ruhe in Germanien.

     

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    Tach zusammen, unter dem hier stehenden Link könnt ihr euch an der Petition gegen den Nationalpark beteiligen. http://openpetition.de/petition/online/kein-nationalpark-in-teutoburger-wald-egge-senne
    | von Wald, 04.02.2012

    TITEL ist umgezogen!

    Liebe Leserinnen, liebe Leser!


    Das neue TITEL kulturmagazin ist ...

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