• losttorrent
  • richtorrent
  • pushtorrent
  • Titel-Magazin
    TITEL kulturmagazin
    Montag, 24. April 2017 | 15:18

     

    Elena Tregubova: Die Mutanten des Kreml

    02.01.2007


    „Es ist verboten, Putin zu kritisieren“


    Die Mutanten des Kreml ist ein hoch aktuelles und zugleich mutiges Buch von bestürzender Deutlichkeit.

     

    „Die Geschichte eines Staates ist oft auch eine persönliche Angelegenheit und nicht nur die eines Kollektivs. […] Und genau deswegen beginne ich meine Erzählung mit der Geschichte, wie ich den Menschen kennenlernte, der eine fatale Rolle nicht nur in meinem Leben, sondern auch für das Schicksal meines Landes spielt“, erklärt Elena Tregubova am Ende des Vorworts zu ihrem Buch Die Mutanten des Kreml. Mein Leben in Putins Reich.

    Eigentlich handelt es sich um zwei Bücher in einem, nämlich die überarbeitete und aktualisierte Fassung von „Geschichten eines Kreml-Diggers“ und „Der Abschied eines Kreml-Diggers“, die nun erstmals auch auf Deutsch vorliegen. Auf der Grundlage eigener Erlebnisse und Erfahrungen beschreibt Tregubova die Situation im heutigen Russland, insbesondere die Verbindungen zwischen Macht und Kapital und die Bedingungen für Journalistinnen und Journalisten.

    Fünf Jahre lang hat sie für die Moskauer Tageszeitung „Kommersant“ gearbeitet. Als Kreml-Korrespondentin zunächst von Putin umworben, wurde Tregubova schon bald eine seiner schärfsten Kritikerinnen. So stellt sie fest: „Das heutige Russland ist ein Land, in dem zur Jagd auf alle unabhängigen Journalisten geblasen wird, die nicht das Loblied auf Putin singen wollen und ihn für den Völkermord in Tschetschenien kritisieren [...].“

    Ihr Buch wurde zum russischen Bestseller – ein Erfolg, der jedoch seinen Preis hatte: „Erst verlor ich meine Arbeit, und dann wäre ich beinahe einem Anschlag zum Opfer gefallen.“ An anderer Stelle schreibt sie: „Das heutige Russland ist für mich ein Land, in dem Putin mir Berufsverbot erteilt hat.“ Boris Jelzin sieht die Journalistin als Gegenpol zu Putin: „Schade nur, daß wegen seiner Krankheit Jelzins klare Phasen immer seltener wurden.”

    Tregubova berichtet, dass Putin „fünf unausgesprochene Informationstabus“ eingeführt habe. Nicht nur in den Medien werde nach bestimmten Regeln zensiert, von denen die erste laute: „Es ist verboten, Putin zu kritisieren.“ Werden diese Vorgaben nicht respektiert, drohen Sanktionen: „Ein Verstoß gegen Putins ‚Zensurpentagramm’ kann im heutigen Rußland einen Verlust der Arbeit, der Firma, des Aufenthaltsrechtes oder des Lebens nach sich ziehen.“
    Die Mutanten des Kreml ist ein hoch aktuelles und zugleich mutiges Buch von bestürzender Deutlichkeit. Tregubova kann glänzend schreiben – ein Lob, das zweifellos auch den Übersetzerinnen Olga Radetzkaja und Franziska Zwerg gebührt. Allerdings mag den Leserinnen und Lesern, die immer wieder direkt angesprochen werden, trotz oder gerade wegen der lockeren Schreibe mitunter das Lachen im Halse stecken bleiben.

    Die 1973 geborene Journalistin beschließt ihr Buch mit einem Appell an die europäische Politik. Sie ist „überzeugt davon, daß im 21. Jahrhundert gerade wir Frauen es sein werden, die die Welt auf ihre zarten Schultern nehmen, die sie besser machen, sie verändern müssen. Denn von dem Alptraum, den die ‚starken’ Männer in der Welt angerichtet haben, wollen dieselben Männer inzwischen offenbar selbst nichts mehr hören – zumal in dem Buch einer ‚schwachen’ Frau.“

    Frank Thomas Grub


    Elena Tregubova: Die Mutanten des Kreml. Mein Leben in Putins Reich. Aus dem Russischen von Olga Radetzkaja und Franziska Zwerg. Tropen Verlag 2006. 379 Seiten. 19,80 Euro.

    TITEL ist umgezogen!

    Liebe Leserinnen, liebe Leser!


    Das neue TITEL kulturmagazin ist ...

    Wer will fleißige Handwerker sehn

    Der Künstler und ehemalige Hartz IV-Empfänger Van Bo Le-Mentzel hat zusammen mit seiner Crowd ein DIY-Forum geschaffen und mittels Schwarmfinanzierung auch gleich ein Buch drucken lassen. ...

    Petraeus und sein Stab

    Die menschliche Existenz ist voll von Paradoxa. Krieg etwa gehört zu den schlimmsten Dingen, die Menschen einander antun können; die Ausführenden des Kriegs allerdings, das ...

    Vom großen Lama aus der Regent`s Park Road

    Tristram Hunt widmet dem Schatten von Karl Marx, der selbst ernannten »zweiten Violine« des Marxismus, dem Industriellenerben Friedrich Engels eine ...

    Seitenhiebe

    Auf ihrem nächtlichen Heimweg werden Anne und René Winkler (Natascha Paulick, Stefan Kurt) von drei jungen Männern attackiert und brutal zusammengeschlagen. Die Polizisten Phillip ...

    Zwischen Karikatur und Avantgarde

    Lyonel Feininger ist eine Ikone der Klassischen Avantgarde. Er hat einen festen Platz im Lieblingsmaler-Pantheon. Doch auch solch ein Weltrangmeister ist nicht vom Himmel gefallen. Die Ausstellung ...

    Die Geschichte geht weiter

    Wieder ein Weltbestseller – Carlos Ruiz Zafóns Roman Der Gefangene des Himmels. Von PETER MOHR

    Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

    Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

    ... bis sie dann gestorben sind.

    Wenn Comics sich klassischen Märchenmotiven widmen, dann tun sie das meist in Form einer eher überzogenen Parodie. Selbst wenn sich dahinter so viel Sophistication verbirgt wie hinter ...

    NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter