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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 18. August 2017 | 18:11

     

    Klaus Brinkbäumer: Traum vom Leben

    04.10.2006

    This house is not for sale

    “Wir haben ein Leben, ein kurzes und irgendwann muß man entscheiden, ob man was riskiert.”Eine Reise der andern Art, die zugleich als schillernd, beschämend, erbärmlich und funkelnd beschrieben wird, hat Klaus Brinkbäumer mit dem Ghanaer John Ampan unternommen.

     

    Zusammen machen sie sich noch einmal auf den Weg, den der Afrikaner vor 15 Jahren auf sich nahm, um nach Europa zu gelangen. Der Bericht dieser Reise durch sieben afrikanische Staaten folgt damit der Route zahlreicher afrikanischen Migranten auf ihrer entbehrungsreichen Odyssee.

    In John Ampan werden erneut die widersprüchlichen Gefühle wach, die ihn dazutrieben, seine Heimat, seine Familie zu verlassen und sich auf eine abenteuerliche und gefährliche Fahrt zu begeben. Er hat viel riskiert, um es bis nach Spanien zu schaffen und dort unter minimalsten Bedingungen zu überleben. Was neben dem kulturellen Schock bleibt, sind die Erwartungen der Daheimgebliebenen, der Verlust von Bindungen und das Bewußtsein nirgends zuhause zu sein.

    Der Spiegel-Reporter begegnet den vielen mutigen Menschen wie z.B. Auguste Na Na mit Würde. Der Kameruner hatte es als blinder Passagier schon bis in die USA geschafft, um dann abgeschoben zu werden und bei seinem dritten Versuch in einem Niemandsort am Rande der Sahara zu stranden. Träume, die unter unsagbaren Lebensbedingungen und einer medialen Vorspiegelung von einer besseren Welt zustande kamen, zerbrechen hier. Für die meisten Afrikaner, die sich auf die Suche nach einem lebenswerterem Leben machen, wird der hoffnungsvolle, riskante und meist teure Aufbruch zu einem Fluch. Selbst wenn sie das vermeintliche El Dorado erreichen, entfaltet es für sie nicht den Schutzschirm aus Sicherheit und Wohlstand, den sie erhofften. Eine abschreckende Wirkung hat das nicht. Denn Gründe für die Massenflucht gibt es viele, bspw. die berüchtigten acht K’s: Kriege, Krisen, Korruption, Kriminalität, Konflikte, Krankheiten, Kapitalflucht und Katastrophen. Auch wenn man die Folgen der Kolonisation mit dieser Aufzählung ausspart, sind die Auswirkungen der übrigen K-Faktoren massiv genug, sich fort zu wünschen.
    Die Geschichte der Migration ist eine Geschichte der ewigen Suche, nach Frieden, Heimat, besseren Lebensbedingungen. Eine Geschichte des Verlustes und der Hoffnung. Antriebskraft der Menschheit und eine Herausforderung für die Sesshaften, die nicht nur aus humanitären Gründen, sondern aus eigenem Interesse für eine Balance sorgen müssen. Damit Afrika nicht, wie es der Schweizer Soziologe Jean Ziegler zusammenfaßt, zu einem “Floß in der Nacht” wird. Zum Kontinent, “der langsam hinter dem Horizont unserer Wahrnehmung verschwindet”.

    This house is not for sale, schreiben Familien in Benin City an ihre Unterkünfte, wenn sie nicht wollen, daß Schlepper ihnen ihre Töchter für eine Zukunft als Prostituierte abkaufen. Aber auch die europäischen Staaten machen ihr Haus dicht. Ein Traum vom Leben, vom Überleben ist nur noch wenigen gegönnt. Klaus Brinkbäumer hat ein wichtiges Buch geschrieben, das dem von den Nachrichten abstrahierten Elend der Bootsflüchtlinge eine konkrete Lebenslinie stellvertretend für viele entgegensetzt. Emotional und eindringlich appelliert es nicht ans Mitgefühl, sondern setzt, ohne sich an einfachen Lösungen zu versuchen, auf die Verantwortlichkeit der Europäer.

    Maggie Thieme


    Klaus Brinkbäumer: Traum vom Leben. Eine afrikanische Odyssee, 
    S. Fischer 2006,
    286 Seiten, 
    18,90 EUR
    ISBN- 10: 3-10-005103-3

    TITEL ist umgezogen!

    Liebe Leserinnen, liebe Leser!


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