• losttorrent
  • richtorrent
  • pushtorrent
  • Titel-Magazin
    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 22. Juni 2017 | 18:28

     

    Martin Arnold: Abenteuer Fußball

    19.01.2006

    Athletik, Freundschaft und die Schönheit des Spiels

    Ein hinreißender Fußballweltspiegel über all das, was wir an diesem Sport so lieben und bei Profis zuweilen vermissen – Spielfreude, Hingabe, Teamgeist, Kultur in unprätentiösen Texten mit tollen Bildern.

     

    Es kommt wohl nicht von ungefähr, daß Jürgen Klinsmann, Bundestrainer und Gründer der Stiftung Jugendfußball, das Vorwort zu den von Martin Arnold herausgegebenen Reportagen einer Bolzplatzweltreise geschrieben hat; wobei die Tatsache, daß 1 Euro des Kaufpreises dem Projekt „streetfootballworld“ zukommen, nicht der Hauptgrund sein wird.

    Die 19 Reportagen über den Amateur- und Hobbyfußball zwischen Bolivien und der Ukraine schildern just das, was wir am Fußball lieben, was ihn groß gemacht – und was, so zumindest mancher Kommentator, ihm heute in Deutschland zuweilen abgeht: Fußball ist ein athletischer Sport, aber man muß kein professioneller Apoll sein, um ihn mit Freude zu spielen – das können auch die Frauen in Bolivien, die zwischen Haushalt und Ernte schnell mal ein Spiel auf dem Acker einschieben und dabei eine Lektion in Kampfgeist und Nehmerqualitäten erteilen.
    Fußball ist ein technisch sehr anspruchsvolles Spiel; diese Techniken zu erlernen, erfordert sehr viel Hingabe und Disziplin, wie bei den Mädchen am Elite-College der USA, aber entscheidend dafür, diese Tugenden aufbringen zu können, ist die Leidenschaft für den Sport – wie z.B. bei den buddhistischen Mönchen in Kathmandu, denen vom Abt das Fußballspielen untersagt wird, die aber jede seltene freie Minute nutzen, um irgendeinen Platz zu finden, auf dem das Spiel irgendwie möglich ist. Kein mühevoll gepflegter und sorgsam umhegter Spielrasen, ein harter, abgespielter, löchriger Rasen-Sand-Platz – ein Bolzplatz eben.

    Fußball ist ein Wettbewerbsspiel. Mannschaften treten gegeneinander an, um zu gewinnen und der einzelne Spieler möchte zeigen, was er kann, aber entscheidend ist, daß man gemeinsam spielt – in der Mannschaft und mit dem Gegner. Besonders deutlich wird das am Beispiel der israelischen Kibbuz-Mannschaft aus Barkai. Mit finanzieller Unterstützung von Makkabi Tel Aviv spielen hier 160 jugendliche arabischer und jüdischer Herkunft unter fachlicher Anleitung Fußball. Der Verein gibt das Geld, wie die Eltern, die es sich leisten können, damit hier angehende Profis entstehen. Die Fußballschule findet statt damit jüdische und arabische Kinder gemeinsam aufwachsen, gemeinsam spielen und gemeinsam an sich arbeiten. Am Rand der wochenendlichen Spiele lernen sich auch die Eltern besser kennen. Letztlich wird die gemeinsame Bildung der Kinder, über den Fußball hinaus, beabsichtigt, so daß sich eine Jugend bildet, die über konfessionelle und kulturelle Unterschiede hinweg, ein jüdisch-arabisches, eben israelisches Volk ist. Die von Klinsmann im Vorwort beschworene Integrationskraft des Fußballs, die auch der anstehenden WM die kosmopolitischen Weihen verleihen soll, wird hier, auf einem Bolzplatz in Nordisrael, Wirklichkeit.

    Fußball ist ein Sport, der seinen Helden ungeahnte Möglichkeiten, soziale Karrieren und Ruhm bietet. Dafür geben schon kleine Jungs, etwa in den Fußballschulen an der Copacabana oder in Kamerun, ihr Bestes. Auf dem Weg dahin, bleiben aber die meisten auf der Strecke – das ist, wie Samuel Eto’o in einem Interview sagt, „das Gesetz des Fußballs“ – oder des Lebens.
    Was bleibt den Verlierern?

    Alle Fußballschulen bieten neben dem Kicken eine umfassende Ausbildung, die Kadyi Sport Academie in Kamerun etwa ein Abitur, der weniger professionelle Club Defensores del Chaco, nördlich von Buenos Aires, ein umfassendes soziales Netz. Das gemeinschaftsstiftende Moment überhaupt ist allen gemeinsam und der Ausweis der sozialen Funktion des Fußballs ist in den Reportagen dominant.

    Erreicht wird das aber über die Freude an der zweckfreien Beschäftigung des Spielens, des Zusammenspielens von Menschen und ihren Kräften, das schon deshalb schön ist. Fußball, so sagt dieses Buch, ist ein im vollsten Sinne schönes Spiel, voller ästhetischer und Sittlicher Kraft, Leidenschaft und Liebe. Nicht zuletzt die Fotos gespannter und doch gelöster Athleten vermitteln diesen Eindruck der besonderen Lässigkeit, die seit der Renaissance ein Synonym für Eleganz ist. Diese Reise durch die Bolzplätze diese Welt ist eine kosmopolitische Hommage an den Fußball jenseits seines Marktwertes und gehört in die Bibliothek eines jeden, der diesen Sport wirklich liebt.

    Björn Vedder


    Martin Arnold, Hg., Abenteuer Fußball. Auf den Bolzplätzen dieser Welt.
    Mit einem Vorwort von Jürgen Klinsmann,
    Verlag die Werkstatt 2005,
    ISBN: 3-89533-495-2, 19,80 Euro.

    TITEL ist umgezogen!

    Liebe Leserinnen, liebe Leser!


    Das neue TITEL kulturmagazin ist ...

    Wer will fleißige Handwerker sehn

    Der Künstler und ehemalige Hartz IV-Empfänger Van Bo Le-Mentzel hat zusammen mit seiner Crowd ein DIY-Forum geschaffen und mittels Schwarmfinanzierung auch gleich ein Buch drucken lassen. ...

    Petraeus und sein Stab

    Die menschliche Existenz ist voll von Paradoxa. Krieg etwa gehört zu den schlimmsten Dingen, die Menschen einander antun können; die Ausführenden des Kriegs allerdings, das ...

    Vom großen Lama aus der Regent`s Park Road

    Tristram Hunt widmet dem Schatten von Karl Marx, der selbst ernannten »zweiten Violine« des Marxismus, dem Industriellenerben Friedrich Engels eine ...

    Seitenhiebe

    Auf ihrem nächtlichen Heimweg werden Anne und René Winkler (Natascha Paulick, Stefan Kurt) von drei jungen Männern attackiert und brutal zusammengeschlagen. Die Polizisten Phillip ...

    Zwischen Karikatur und Avantgarde

    Lyonel Feininger ist eine Ikone der Klassischen Avantgarde. Er hat einen festen Platz im Lieblingsmaler-Pantheon. Doch auch solch ein Weltrangmeister ist nicht vom Himmel gefallen. Die Ausstellung ...

    Die Geschichte geht weiter

    Wieder ein Weltbestseller – Carlos Ruiz Zafóns Roman Der Gefangene des Himmels. Von PETER MOHR

    Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

    Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

    ... bis sie dann gestorben sind.

    Wenn Comics sich klassischen Märchenmotiven widmen, dann tun sie das meist in Form einer eher überzogenen Parodie. Selbst wenn sich dahinter so viel Sophistication verbirgt wie hinter ...

    NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter