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    TITEL kulturmagazin
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    Franz Kotteder: Die Billig-Lüge

    27.10.2005


    Die Billigheimer

    Franz Kotteder zeigt, wie die weltweit operierenden Discounter agieren, die mit ihrer Billigstrategie die Ausbeutung von Mensch, Tier und Umwelt befördert.

     

    Wir können es seit vielen Jahren beobachten: Eröffnet ein neues Aldi oder Plus, schließen früher oder später die kleinen Lebensmittelläden in der Gegend. Das gleiche passiert im Unterhaltungs- und Elektronikbereich: Macht ein neuer Media- oder Saturnmarkt auf, kann man sicher sein, dass die kleine Konkurrenz nicht mehr lange existiert. Als Konsument, erst recht als Schnäppchenjäger, mag man sich da auf den ersten Blick sogar freuen: Sind doch die Produkte der großen Discounter oft viel billiger als im kleinen Laden um die Ecke, was ja auch ihren Erfolg begründet hat. Profitieren wir also von den Billigheimern? Ist Geiz wirklich so geil, wie uns die Werbung verspricht?

    Franz Kotteder, Redakteur der Süddeutschen Zeitung und Autor zahlreicher politischer Sachbücher, hat über die Billigheimer gut recherchiert und zeigt auf, wer die Zeche wirklich zahlt, wenn wir vermeintlich ein Schnäppchen machen: Das sind, um es knapp zu formulieren, die Ressourcen, worunter man durchaus auch den arbeitenden Menschen hinzurechnen muss, da er als nichts anderes behandelt wird: Von unwürdigen Arbeitsbedingungen, Lohndumping, besonders in Lohnniedrigländern, bis hin zu Kinderarbeit und sogar Sklaverei reicht dabei die Palette der Folgen des geilen Geizes. Und so geht das mit den Tieren und mit der Umwelt hübsch weiter. Die meisten Konsumenten machen sich hingegen keine Gedanken, was sie mit ihren Kaufentscheidungen unterstützen und billigen, doch Kotteder stellt hier alles plastisch vor Augen. Credo: Umsonst gibt es nichts, auch wenn es manchmal so scheint. Und: Die gigantische Ausbeutungsmaschinerie muss Stück für Stück enttarnt werden.

    Interessant wäre natürlich zu wissen, was man gegen die globale Ausbeutung tun kann. Hier hält sich Kotteder unnötig zurück, denn es käme ja gerade darauf an, etwas zu ändern. Natürlich ist das schwer, denn im globalen Wettbewerb herrscht Kapitalismus pur, fehlt doch beispielsweise der soziale Ausgleich fast völlig. Aber Kotteder hat natürlich recht, wenn er auf den Konsumenten abhebt, der sich bewusst machen sollte, was er mit seinen Schnäppchenpreisen tatsächlich unterstützt und billigt. Wer Kotteders Buch gelesen hat, weiß um die Machenschaften der Discounter und deren Folgen für Mensch, Tier und Umwelt. Kotteder hinterlässt einen wohlinformierten Leser, der später nicht sagen kann, er habe von nichts gewusst. Dies Buch befreit zwar nicht von dem generellen Pessimismus, Entscheidendes ändern zu können, bietet aber für jeden veranwortungsbewussten Konsumenten eine Vielzahl von Informationen, gut aufbereitet und lesenswert.

    Frank Kaufmann


    Franz Kotteder: Die Billig-Lüge
    Die Tricks und Machenschaften der Discounter
    Droemer. München 2005, 270 S.,
    ISBN: 3-426-27371-3

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