• losttorrent
  • richtorrent
  • pushtorrent
  • Titel-Magazin
    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 23. Juni 2017 | 22:48

     

    René Schweizer: Ein Schweizerbuch

    22.07.2004

     
    Wenn der Großvater im Grab friert

    Das vorliegende Buch gibt eine Auswahl der Nonsense-Korrespondenzen, die René Schweizer von 1977-1993 mit nationalen und internationalen Behörden führte.

     

    Honore de Balzac fand drastische Worte: „Bürokratie: Ein gigantischer Mechanismus, der von Zwergen bedient wird.“ Und Anton Tschechow setzte noch eins drauf: „Wem das Leben fremd ist, wer dazu unfähig ist, dem bleibt nichts anderes, als Beamter zu werden“.

    Immer wieder einmal testen Zeitgenossen die Spiel-, Band- und Toleranzbreite öffentlicher Einrichtungen, Behörden und Organisationen. Manche reagieren auf geballten Nonsens so, wie es erwartet wird: bürokratisch eben. Andere finden äußerst humoristische Antworten und Tipps, die sogar den Urheber manchmal in den Schatten der Zweitrangigkeit stellen.

    Von diesen Merkwürdigkeiten bleibt auch die kleine Schweiz nicht verschont: weder von testenden Zeitgenossen noch von so oder so reagierenden Behörden.
    Deren Testung hat sich René Schweizer verschrieben, der seit dreißig Jahren einen Briefwechsel des „taktischen Wahnsinns“ mit in- und ausländischen Institutionen aller Art führt und 1971 die „Organisation zur Verblüffung des Erdballs“ gegründet hat.

    Von Strafanstalten und Friedhofsverwaltungen

    Viele Einfälle beweisen Schweizers Gespür für skurrile Anfragen und Ideen, andere dagegen wirken arg hineingezwungen in eine ernsthafte Lustigkeit oder in lustige, auf seriös getrimmte Anträge, Wünsche oder Beschwerden.
    Der Strafanstalt Basel schreibt Schweizer, der von April 1969 bis September 1969 als Nr. 114 in der Zelle Nr. 8 einsaß: „Mittlerweile sind sieben Jahre vergangen, und ich habe wieder Lust auf eine kleine Abwechslung. Es würde mich freuen, wenn Sie mir mitteilen wollten, ob die obigen Nummern noch frei sind und ob ich eventuell für ein paar Monate wieder darüber verfügen dürfte.“ Auf diese Anfrage reagiert der Briefempfänger in entlarvender Weise steif, bürokratisch und humorlos. Andere blicken da besser durch, auf wen sie eventuell hineinfallen könnten. Schweizers Anfrage beim Erotikversandhaus Lesmosa, „ob man bei Ihnen auch bumsen [kann], und wenn ja, was kostet es?“ beantwortet eine Carmen in fast kabarettreifer Art.

    Hochrangige Politiker, Psychologen, Friedhofsverwaltungen, Unternehmer, Behörden, Justizminister, Kirchenräte: alle kamen in den Genuss der Schweizerbriefe, aus denen jetzt eine Auswahl aus dreißig Jahren vorliegt. Oft bleibt es beim Frage- und Antwortbrief, manche schriftliche Begegnung wird länger, wie das Beispiel einer Grabheizung für den verstorbenen Großvater zeigt.

    Die vier Bände der von 1977 bis 1993 herausgegebenen Schweizerbücher sind lange vergriffen. Mit dem nun erschienenen Band gibt René Schweizer rückschauend ein dickes Paket zur Auswahl zum Blättern, Lesen, Schmunzeln.

    Klaus Hübner


    René Schweizer: Ein Schweizerbuch.
    Verlag Der gesunde Menschenversand 2004.
    Kartoniert. 176 Seiten. 17,50 Euro.
    ISBN 3-9521517-7-7.


    TITEL ist umgezogen!

    Liebe Leserinnen, liebe Leser!


    Das neue TITEL kulturmagazin ist ...

    Wer will fleißige Handwerker sehn

    Der Künstler und ehemalige Hartz IV-Empfänger Van Bo Le-Mentzel hat zusammen mit seiner Crowd ein DIY-Forum geschaffen und mittels Schwarmfinanzierung auch gleich ein Buch drucken lassen. ...

    Petraeus und sein Stab

    Die menschliche Existenz ist voll von Paradoxa. Krieg etwa gehört zu den schlimmsten Dingen, die Menschen einander antun können; die Ausführenden des Kriegs allerdings, das ...

    Vom großen Lama aus der Regent`s Park Road

    Tristram Hunt widmet dem Schatten von Karl Marx, der selbst ernannten »zweiten Violine« des Marxismus, dem Industriellenerben Friedrich Engels eine ...

    Seitenhiebe

    Auf ihrem nächtlichen Heimweg werden Anne und René Winkler (Natascha Paulick, Stefan Kurt) von drei jungen Männern attackiert und brutal zusammengeschlagen. Die Polizisten Phillip ...

    Zwischen Karikatur und Avantgarde

    Lyonel Feininger ist eine Ikone der Klassischen Avantgarde. Er hat einen festen Platz im Lieblingsmaler-Pantheon. Doch auch solch ein Weltrangmeister ist nicht vom Himmel gefallen. Die Ausstellung ...

    Die Geschichte geht weiter

    Wieder ein Weltbestseller – Carlos Ruiz Zafóns Roman Der Gefangene des Himmels. Von PETER MOHR

    Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

    Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

    ... bis sie dann gestorben sind.

    Wenn Comics sich klassischen Märchenmotiven widmen, dann tun sie das meist in Form einer eher überzogenen Parodie. Selbst wenn sich dahinter so viel Sophistication verbirgt wie hinter ...

    NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter