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Rinke / Schwägerl: 11 drohende Kriege

06.07.2012

Künftige Konflikte

Die zwei erfahrenen Journalisten Andreas Rinke und Christian Schwägerl spielen in elf spannenden Szenarien mögliche Konflikte der kommenden Jahrzehnte durch. In 11 drohende Kriege – künftige Konflikte um Technologien, Rohstoffe, Territorien und Nahrung verdeutlichen sie den politischen und gesellschaftlichen Handlungsbedarf. Von TOM ASAM

 

Die Triebkräfte Demographie, Ökologie und Technologie zu kanalisieren und unter Kontrolle zu halten wird in Zeiten, die zusätzlich das Problem steigender Konfliktbereitschaft innehaben, eine gewaltige Herausforderung für Regierungen. Zudem sind globale Herausforderungen kaum durch Entscheidungen, die dem Rhythmus von Legislaturperioden und dem Rahmen nationaler Interessen unterliegen, zu bewältigen.

 

Nach dem Geschehen des 11. September 2001 lud die CIA Science-Fiction-Autoren ein, um an Prognosen für künftige Entwicklungen mit zu wirken. Andreas Rinke und Christian Schwägerl orientieren sich an diesem Mittelweg zwischen klassischer wissenschaftlicher Expertise und purer Fiktion. In elf Szenarien schildern sie so plastisch wir plausibel, wie sich der zuspitzende globalen Wettstreit um Technologien, Rohstoffe und Nahrung auswirken könnte. Ihr Ausblick in eine Zukunft, die bereits begonnen hat, führt den Leser in die Claims des digitalen Zeitalters, in die Fischgründen des Nordatlantik, an den gegen Migrantenströme errichteten, europäischen »Neu-Wall« oder in den Weltraum.

 

Christian Schwägerl und Andreas Rinke
Foto: Maurice Weiss / Ostkreuz Christian Schwägerl und Andreas Rinke
Foto: Maurice Weiss / Ostkreuz

Von Hard Power zu Smart Power

Die dargestellten Szenarien sind realistisch ausgearbeitet und basieren auf einer Fülle von Daten und Fakten, die verdeutlich, dass diese drohenden Kriege alles andere als pure Science-Fiction sind. Die gut 400 Seiten sind spannend wie ein guter Thriller, ohne jemals das Gefühl aufkommen zu lassen, die Autoren würden hier auflagensteigernde Lust am Untergang nähren. Im Gegenteil: der promovierte Historiker Rinke (unter anderem politischer Chefkorrespondent der Nachrichtenagentur Reuters) und der Biologe Schwägerl (unter anderem tätig für Geo, FAZ, Spiegel) geben sich alles andere als fatalistisch.

 

Der Schilderung der elf Szenarien, die sich mit gewichtigen Stressfaktoren des 21. Jahrhunderts beschäftigen, folgt das Kapitel Eine robustere Zivilisation, das sich mit möglichen Kriegen entgegenwirkenden Entspannungsfaktoren beschäftigt. Hier wird die Kraft der Kooperation, der Erneuerung und der Langfristigkeit beschworen. Inwiefern ein intelligenter Wettkampf der führenden Mächte, ein Wandel von Hard Power zu Smart Power, positive Auswirkungen globaler Verflechtungen, Schwarmintelligenz der NGOs und die ausreichende Würdigung globaler Allgemeingüter das Schlimmste verhindern können, wird sich zeigen. Vermutlich werden manchem Leser die aufgezeigten Lösungsansätze deutlich unwahrscheinlicher erscheinen, als die vorangegangenen kriegerischen Szenarien.

 

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