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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 24. August 2017 | 03:14

    San Francesco in Assisi

    30.06.2011

    Ein Fest für die Augen

    MATHIAS LISTL bespricht staunend einen Bildband der Extraklasse über ein unvergleichliches Bauwerk.

     

    Man stelle sich vor, die katholische Kirche würde sich zur Kür eines ‚Next Vatican Top Saint‘ entschließen, oder es gäbe eines der unsäglichen Rankings im Stile von „Unsere besten ...“ auch für Heilige - Franz von Assisi wäre für einen Platz auf dem Siegertreppchen sicherlich das, was man unter Buchmachern gemeinhin als sichere Bank bezeichnet. Auch wenn uns das überlieferte Bild des Mannes aus reichem Hause unerbittlich den Spiegel vorhält und mit dem Verzicht auf alles Weltliche sowie der Liebe für den Nächsten und die Umwelt den Finger genau auf die größten Problembereiche unserer Zeit legt - das Image des ewig jungen Rebellen für die gerechte Sache und des friedlich vorgehenden Kämpfers gegen übermächtige Institutionen schiebt so manch Unbequemes seiner Botschaft beiseite.

     

    Oberkirche, 
Blick von Westen Oberkirche,
    Blick von Westen

    Ein Heiliger der Superlative

    Die von Franziskus ausgehende Faszination ist - trotz der gerade heute enormen Aktualität seines vorbildhaften Lebens - bekanntlich nicht nur ein Phänomen unserer Tage. Schon kurz nach seinem Ableben sprengte die um ihn kreisende Verehrung alles bis dato Bekannte: Er ist es, der mit kaum zwei Jahren zwischen Tod und Heiligsprechung den inoffiziellen Rekord in der Kategorie des ‚santo subito’ innehaben dürfte. Er ist es, dessen Grab in Assisi sofort zu einem der größten Pilgerziele der Christenheit wurde. Und er ist es auch, zu dessen Ehre man daranging, über diese Grabstelle mit der Kirche San Francesco eines der prächtigsten Gotteshäuser der Welt zu errichten, in dessen malerischer Ausgestaltung der Heilige immer wieder zu einem zweiten Christus erhoben wird.

     

    Sog. ,maestro di San Francesco', 
Die Vogelpredigt, um 1260, 
Unterkirche, Langhaus, 
Nordwand, Detail Sog. ,maestro di San Francesco',
    Die Vogelpredigt, um 1260,
    Unterkirche, Langhaus,
    Nordwand, Detail

    San Francesco in Assisi - die harten Fakten

    Die harten Fakten zu diesem in eine Unter- und eine Oberkirche unterteilten Bau sind dabei schnell zusammengefasst: 1228 - und damit nur zwei Jahre nach dem Tod des Franziskus - nimmt Papst Gregor IX. persönlich die Grundsteinlegung vor. Wiederum kaum zwei Jahre später folgt die Überführung der Gebeine des Heiligen in die nahezu fertige Unterkirche. Die Ende des 13. Jahrhunderts nachträglich angefügten Seiten- und Chorkapellen sowie ein Querhaus werden das Bild dieses vor allem den Pilgermassen dienenden Baus allerdings noch einmal stark verändern. Die hauptsächlich als Versammlungsort des Franziskanerordens gedachte Oberkirche wird dagegen erst 1240 in Angriff genommen und 1253 geweiht. Sorgen im unteren Bau die an der lombardischen Romanik orientierten, tief heruntergezogenen Rippengewölbe für einen eher düsteren und gedrückten Raumeindruck, empfängt sein oberes Pendant den Besucher auf ganz andere Weise. Hier schufen vermutlich von jenseits der Alpen herbeigerufene Handwerker eine Architektur mit wesentlich grazileren Proportionen und ungleich größerer Lichtfülle. 

     

    Oberkirche, Detailansicht Oberkirche, Detailansicht

    Cimabue, Simone Martini, Giotto - ein dichtgedrängtes Nebeneinander der Besten ihrer Zeit

    Was die Gesamtkirche zu einem Juwel ohne Gleichen macht, ist aber nicht dieser für Italien äußerst seltene gotische Bau nordischer Prägung an sich. Vielmehr ist es die um 1260 beginnende, bis etwa 1320 dauernde malerische Ausgestaltung beider Gotteshäuser, die San Francesco auch zu einem der Pilgerziele für Kunstbegeisterte schlechthin macht. Wie an keinem anderen Ort ist es hier möglich, die Frühphase des malerischen Aufbruchs in Richtung Renaissance anhand einer Fülle von Fresken verschiedenster, fast ausschließlich hochkarätigster Künstler nachzuvollziehen. Dicht aufeinander folgen Werke der allergrößten Namen ihrer Zeit, gesellen sich Arbeiten der Florentiner Cimabue und Giotto zu Malereien der Sienesen Pietro Lorenzetti und Simone Martini.

     

    Schon der Anfang dieser Freskierung von Unter- und Oberkirche ist spektakulär. Mag der dem unbekannten Maler verliehene Name auch nicht den Klang manch eines der nach ihm tätigen Künstler haben, die Arbeiten dieses ‚maestro di San Francesco’ („Meister des hl. Franziskus“) wiesen aber vielen Nachfolgern den Weg. Nicht zuletzt war es Giotto, der für seinen ungleich bekannteren Franziskuszyklus in der Oberkirche Anleihen an dessen Urmodell der Lebensdarstellung des Heiligen in der Unterkirche nahm. Die heute leider durch den Einbau seitlicher Kapellen nur mehr zu geringen Teilen erhaltenen Malereien auf beiden Seiten des Langhauses zeigen nicht nur einzelne Begebenheiten wie die Vogelpredigt des Heiligen in ganz ähnlicher Weise wie ein halbes Jahrhundert später Giotto. Auch die Gegenüberstellung von Szenen aus dem Leben des Franziskus mit Szenen aus dem Leben Jesu nahm der „Franziskusmeister“ dem berühmten Florentiner schon vorweg.

     

    Basteln am rechten Bild des Heiligen

    Recht viel mehr als diese und andere allgemein bekannte Fakten über die Grabeskirche des hl. Franziskus darf sich der Leser des unlängst im Hirmer-Verlag erschienenen Bandes „Die Kirche San Francesco in Assisi“ nicht erwarten. Präzise, aber nur auf das Notwendigste beschränkt, fließen in kurzen Texten die Informationen zur Baugeschichte und künstlerischen Ausgestaltung des Gotteshauses sowie zur Vita des Heiligen. Nur der als Einleitung dienende Artikel von Chiara Frugoni wagt sich auch an Interpretationen. In knapper, aber gekonnter Weise zeigt sie, welche äußeren Faktoren den in San Francesco zu bewundernden Darstellungen des hl. Franz vorausgingen und bestimmend für die Gestaltung beziehungsweise Weglassung bestimmter Szenen seiner Vita sein sollten. Das Resultat dieses Bastelns am für den Orden genehmen Bild des Heiligen lässt sich überall in San Francesco bestaunen: Es ist das der christusgleiche Franz, dessen Leben in strenger Armut und Abgeschiedenheit zwar zu bewundern war, als praktikables Vorbild den städtisch gewordenen Franziskanern aber nicht länger dienen konnte. 

     

    Giotto und Werkstatt, 
Die Befreiung der Stadt Arezzo 
von den Dämonen, 
um 1296-1300, 
Oberkirche Giotto und Werkstatt,
    Die Befreiung der Stadt Arezzo
    von den Dämonen,
    um 1296-1300,
    Oberkirche

    Eine Dokumentation der ganzen Pracht San Francescos

    Während man sich zur Klärung von kunsthistorischen Detailfragen also besser an anderer Stelle bedient, ist das Ziel des von Gianfranco Malafarina herausgegeben Bandes ein ganz anderes. Auf über 300 Seiten versucht er, dem Leser, besser dem Beschauer, die ganze Pracht von San Francesco vor Augen zu führen. Alle von Künstlerhand geschaffenen Bestandteile der Kirche, nicht nur die Fresken, präsentierten sich dabei in einer Unzahl von qualitativ hochwertigsten Farbaufnahmen - angefangen von den filigranen Bildhauerarbeiten am Außenbau, über das mit Intarsien geschmückte Chorgestühl bis hin zu den prächtigen Glasfenstern der Oberkirche. Dass der Großteil der Abbildungen dem Freskenschmuck gewidmet ist, versteht sich dabei von selbst. In zahllosen Total- und Detailaufnahmen, die oftmals noch vor dem zerstörerischen Erdbeben von 1997 entstanden, werden nahezu alle in der Kirche vorzufindenden Malereien dokumentiert. Um dem wiedergegebenen Original möglichst genau zu entsprechen, kommt auf 60 Seiten sogar ein spezielles Papier zum Einsatz. Auf dessen aufgerauter Oberfläche gelingt die Wiedergabe einzelner architektonischer, figürlicher oder ornamentaler Details besonders gut. Und so wirken die von einem Gefährten des Franziskus aus Arezzo vertriebenen Dämonen fast so, als würde man sie im Original vor sich haben.

     

    Um es in einem Satz zusammenzufassen: Es ist nicht zu hochgegriffen, „Die Kirche San Francesco in Assisi“ als einen Bildband der Extraklasse für einen Bau der Superlative zu bezeichnen. Zu einem vergleichsweise günstigen Preis zieht dieser Prachtband alle gestalterischen und drucktechnischen Register. Das Fehlen von Grundrissdarstellungen und Übersichtsplänen mit dem genauen Standort der einzelnen Kunstwerke, die die Orientierung sicherlich erleichtern würden, kann man bei diesem Fest für die Augen leicht verschmerzen.  

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