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    TITEL kulturmagazin
    Mittwoch, 24. Mai 2017 | 15:38

    Liebermanns Gegner. Die Neue Secession in Berlin und der Expressionismus

    23.06.2011

    Die Neue Secession in neuem Licht

    Die Stiftung Brandenburger Tor präsentiert im Max-Liebermann-Haus in Berlin eine Schau zu der Neuen Secession. Der zugehörige Katalog erschließt eine interessante Facette der deutschen Kunstlandschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts. VON NICO KIRCHBERGER

     

    An Max Liebermann kommt man derzeit nicht vorbei. Als Wegbereiter der Moderne ist er, samt einer Rekonstruktion des Gartens seiner Villa in Berlin/Wannsee, in der Bundeskunsthalle in Bonn zu sehen (bis 11. September). Vor Ort in der Wannseer Villa zeigt man bis 15. August Max Liebermann am Meer. Zudem kann man den Künstlerfürsten im Umfeld seiner Zeitgenossen im Schlösschen im Hofgarten in Wertheim (bis 1. November) kennenlernen. Abgerundet wird das Ganze durch eine Ausstellung im Max-Liebermann-Haus in Berlin unter dem Titel: Liebermanns Gegner. Die Neue Secession in Berlin und der Expressionismus (2. April -3. Juli).

    Trotz einiger Exponate steht Liebermann hier jedoch nicht im Fokus. Die Neue Secession wurde gerade aus Protest gegen ihn, den 1. Vorsitzenden der Berliner Secession, gegründet. Das konservative Kunstverständnis und die Ausstellungspraxis der Berliner Secession werden allgemein als ausschlaggebende für die Entstehung der Neuen Secession angeführt. Entscheidend war letztlich die Zurückweisung auffallend vieler junger Künstler bei der Frühjahrsausstellung 1910.

    Die Neue Secession in neuem Licht

    Die Stiftung Brandenburger Tor präsentiert im Max-Liebermann-Haus in Berlin eine Schau zu der Neuen Secession. Der zugehörige Katalog erschließt eine interessante Facette der deutschen Kunstlandschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts. VON NICO KIRCHBERGER

     

    An Max Liebermann kommt man derzeit nicht vorbei. Als „Wegbereiter der Moderne“ ist er, samt einer Rekonstruktion des Gartens seiner Villa in Berlin/Wannsee, in der Bundeskunsthalle in Bonn zu sehen (bis 11. September). Vor Ort in der Wannseer Villa zeigt man bis 15. August „Max Liebermann am Meer“. Zudem kann man den Künstlerfürsten im Umfeld seiner Zeitgenossen im Schlösschen im Hofgarten in Wertheim (bis 1. November) kennen lernen. Abgerundet wird das Ganze durch eine Ausstellung im Max-Liebermann-Haus in Berlin unter dem Titel: „Liebermanns Gegner. Die Neue Secession in Berlin und der Expressionismus“ (2. April -3. Juli).

    Trotz einiger Exponate steht Liebermann hier jedoch nicht im Fokus. Die Neue Secession wurde gerade aus Protest gegen ihn, den 1. Vorsitzenden der Berliner Secession, gegründet. Das konservative Kunstverständnis und die Ausstellungspraxis der Berliner Secession werden allgemein als ausschlaggebende für die Entstehung der Neuen Secession angeführt. Entscheidend war letztlich die Zurückweisung auffallend vieler junger Künstler bei der Frühjahrsausstellung 1910.

     

    Arthur Segal, Azaleentopf, 1910,  Öl auf Pappe,  Privatsammlung Arthur Segal,
    Azaleentopf, 1910,
    Öl auf Pappe,
    Privatsammlung

    Chronologie einer Künstlervereinigung

    Anke Daemgen, die Kuratorin der Ausstellung, stellt nochmals deutlich heraus, dass nicht Max Pechstein allein die treibende Kraft bei der Gründung der Neuen Secession darstellte, sondern vor allem die Initiative des Worpsweder Malers Georg Tappert zu würdigen ist. Äußerst anschaulich und fundiert schildert sie die Geschichte der Künstlervereinigung. Von den Entstehungsabläufen, über deren Organisation, Entwicklung bis hin zur Aufnahme in der zeitgenössischen Kunstkritik führt sie die Bedeutung der Neuen Secession deutlich vor Augen.

    Daemgens Betrachtungen bleiben dabei nicht an der Künstlervereinigung hängen, sondern geben darüber hinaus Einblick in das Galeriewesen und die Kunstpolitik im Berlin zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In ihrem 70 Seiten umfassenden Katalogbeitrag legt sie dar, dass die Neue Secession vielmehr als Konkurrent denn als Gegenbewegung zur Berliner Secession zu verstehen war. Allein der Titel einer „Secession“ ist eigentlich nicht zutreffend, da viele Künstler der Neuen Secession gar keine Mitglieder in der Berliner Secession waren und sich de facto also nicht von ihr „abspalteten“. Im Grunde unterschied man sich auch nicht wesentlich von dem alten Konkurrenten. Im Gegenteil übernahm man sogar viele Praktiken und gab ihnen oft nur andere Bezeichnungen. So ist beispielsweise nie die Rede von einer Jury für die Ausstellungen. Man sprach stattdessen von einem „Arbeitsausschuß“.

     

    Georg Tappert,  Plakat zur Verlängerung  der 1. Ausstellung der  Neuen Secession, 1910 Georg Tappert,
    Plakat zur Verlängerung
    der 1. Ausstellung der
    Neuen Secession, 1910

    Brutstätte des Expressionismus

    Die Kunstgeschichte sieht die große Bedeutung der Neuen Secession in deren Beitrag zur Etablierung des Expressionismus in Deutschland. Tatsächlich hatten sich hier die fortschrittlichsten Kreise junger Kunst versammelt. Neben dem bereits genannten Pechstein präsentierten sich Emil Nolde und die gesamte Künstlergruppe „Brücke“ mit ihren weiteren prominenten Mitgliedern Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel. Die „Brücke“ nahm eine besondere Stellung innerhalb der Neuen Secession ein. Man stellte als Kollektiv geschlossen in einem Raum aus und wurde als die Radikalsten in der I. Ausstellung der Neuen Secession erkannt. Während der IV. Ausstellung, die nach Daemgen den Höhe- und gleichzeitig auch Wendepunkt markierte, kam es zum Bruch mit der „Brücke“. Ausschlaggebend waren die Vorstandswahlen 1911, bei denen Max Pechstein – obwohl Gründungspräsident – nicht mehr in den Vorstand berufen wurde. In der Konsequenz traten Pechstein und in der Folge fast alle Brücke-Mitglieder aus der Secession aus.

     

    In der Neuen Secession stellten auch Künstler von außerhalb Berlins, wie Wassily Kandinsky und Franz Marc aus München oder Bohumil Kubišta aus Prag aus. Auch darf man die Künstlervereinigung nicht nur auf den Expressionismus beschränken. Die schwer kategorisierbare Kunst eines Moriz Melzer oder Arthur Segal setzte hier gleichermaßen ihre Ausrufezeichen.

    Die Neue Secession organisierte zwar bis zum Beginn des 1. Weltkrieges Ausstellungen, welche jedoch allesamt nicht mehr an die Erfolge der ersten vier anknüpfen konnten. Stillschweigend löste sie sich auf.

     

    Die Auswahl der Exponate versucht mit etlichen Werken, die damals auf den Ausstellungen der Neuen Secession gezeigt wurden, ein vitales Bild der Künstlervereinigung entstehen zu lassen. Dazu findet sich als Zugabe im Anhang des Katalogs eine Liste einzelner Künstler mit ihrer Teilnahme an der jeweiligen Secessionsausstellung.

    Ein weiterer Katalogbeitrag von Uta Kuhl vom Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum Schloß Gottorf, der zweiten Station der Ausstellung (17. Juli - 23. Oktober), befasst sich mit der Vorliebe expressionistischer Künstler, die einfache ländliche Natur als Rückzugs- und Inspirationsort aufzusuchen und schildert desweiteren die Kontroverse zwischen Emil Nolde und Max Liebermann.

    Der Katalog ist als gleichsam informative wie kurzweilige Wissensvermittlung zur Neuen Secession und der Berliner Kunstlandschaft um 1900 sehr empfehlenswert.

     

    Arthur Segal,
Azaleentopf, 1910, 
Öl auf Pappe, 
Privatsammlung Arthur Segal,
    Azaleentopf, 1910,
    Öl auf Pappe,
    Privatsammlung

    Chronologie einer Künstlervereinigung

    Anke Daemgen, die Kuratorin der Ausstellung, stellt nochmals deutlich heraus, dass nicht Max Pechstein allein die treibende Kraft bei der Gründung der Neuen Secession darstellte, sondern vor allem die Initiative des Worpsweder Malers Georg Tappert zu würdigen ist. Äußerst anschaulich und fundiert schildert sie die Geschichte der Künstlervereinigung. Von den Entstehungsabläufen, über deren Organisation, Entwicklung bis hin zur Aufnahme in der zeitgenössischen Kunstkritik führt sie die Bedeutung der Neuen Secession deutlich vor Augen.

    Daemgens Betrachtungen bleiben dabei nicht an der Künstlervereinigung hängen, sondern geben darüber hinaus Einblick in das Galeriewesen und die Kunstpolitik im Berlin zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In ihrem 70 Seiten umfassenden Katalogbeitrag legt sie dar, dass die Neue Secession vielmehr als Konkurrent denn als Gegenbewegung zur Berliner Secession zu verstehen war. Allein der Titel einer »Secession« ist eigentlich nicht zutreffend, da viele Künstler der Neuen Secession gar keine Mitglieder in der Berliner Secession waren und sich de facto also nicht von ihr »abspalteten«. Im Grunde unterschied man sich auch nicht wesentlich von dem alten Konkurrenten. Im Gegenteil übernahm man sogar viele Praktiken und gab ihnen oft nur andere Bezeichnungen. So ist beispielsweise nie die Rede von einer Jury für die Ausstellungen. Man sprach stattdessen von einem »Arbeitsausschuss«.

     

    Georg Tappert, 
Plakat zur Verlängerung 
der 1. Ausstellung der 
Neuen Secession, 1910 Georg Tappert,
    Plakat zur Verlängerung
    der 1. Ausstellung der
    Neuen Secession, 1910

    Brutstätte des Expressionismus

    Die Kunstgeschichte sieht die große Bedeutung der Neuen Secession in deren Beitrag zur Etablierung des Expressionismus in Deutschland. Tatsächlich hatten sich hier die fortschrittlichsten Kreise junger Kunst versammelt. Neben dem bereits genannten Pechstein präsentierten sich Emil Nolde und die gesamte Künstlergruppe Brücke mit ihren weiteren prominenten Mitgliedern Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel. Die Brücke nahm eine besondere Stellung innerhalb der Neuen Secession ein. Man stellte als Kollektiv geschlossen in einem Raum aus und wurde als die Radikalsten in der I. Ausstellung der Neuen Secession erkannt. Während der IV. Ausstellung, die nach Daemgen den Höhe- und gleichzeitig auch Wendepunkt markierte, kam es zum Bruch mit der Brücke. Ausschlaggebend waren die Vorstandswahlen 1911, bei denen Max Pechstein – obwohl Gründungspräsident – nicht mehr in den Vorstand berufen wurde. In der Konsequenz traten Pechstein und in der Folge fast alle Brücke-Mitglieder aus der Secession aus.

     

    In der Neuen Secession stellten auch Künstler von außerhalb Berlins, wie Wassily Kandinsky und Franz Marc aus München oder Bohumil Kubišta aus Prag aus. Auch darf man die Künstlervereinigung nicht nur auf den Expressionismus beschränken. Die schwer kategorisierbare Kunst eines Moriz Melzer oder Arthur Segal setzte hier gleichermaßen ihre Ausrufezeichen.

    Die Neue Secession organisierte zwar bis zum Beginn des 1. Weltkrieges Ausstellungen, welche jedoch allesamt nicht mehr an die Erfolge der ersten vier anknüpfen konnten. Stillschweigend löste sie sich auf.

     

    Die Auswahl der Exponate versucht mit etlichen Werken, die damals auf den Ausstellungen der Neuen Secession gezeigt wurden, ein vitales Bild der Künstlervereinigung entstehen zu lassen. Dazu findet sich als Zugabe im Anhang des Katalogs eine Liste einzelner Künstler mit ihrer Teilnahme an der jeweiligen Secessionsausstellung.

    Ein weiterer Katalogbeitrag von Uta Kuhl vom Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum Schloß Gottorf, der zweiten Station der Ausstellung (17. Juli - 23. Oktober), befasst sich mit der Vorliebe expressionistischer Künstler, die einfache ländliche Natur als Rückzugs- und Inspirationsort aufzusuchen und schildert des weiteren die Kontroverse zwischen Emil Nolde und Max Liebermann.

    Der Katalog ist als gleichsam informative wie kurzweilige Wissensvermittlung zur Neuen Secession und der Berliner Kunstlandschaft um 1900 sehr empfehlenswert.

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