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    TITEL kulturmagazin
    Mittwoch, 23. August 2017 | 00:38

    Roma quanta fuit ...

    28.04.2011

    Mit beherztem Einsatz für die Kunst

    Die monumentale, fast neunhundertseitige Festschrift für den Regensburger Kunsthistoriker Hans-Christoph Dittscheid hat SEBASTIAN KARNATZ staunend und mit Gewinn gelesen.

     

    Eine der eigentümlichsten und zugleich wunderbarsten Gattungen der zeitgenössischen Wissenschaftsprosa ist ohne Zweifel die Festschrift. Sie ist zumeist ein freundschaftliches Denkmal für verdiente Lehrer, Förderer oder Kollegen; eigentümlich, weil eine derartige Schrift unterschiedlichste Disziplinen mit verschiedensten Aufsätzen versammelt; wunderbar aber, weil die Festschrift in durchaus lockerer Form einen Einblick in das geistige Innenleben der deutschen Universitäten gewährt.

     

    Das Los der meisten Festschriften ist ein eher tragisches. Sie werden vielleicht von begeisterten Schülern gekauft, von Freunden und Kollegen – für die große Masse an Lesern bleiben sie jedoch im nicht nur metaphorischen Dunkel spezialisierter Forschungsbibliotheken. Es bleibt zu hoffen, dass Roma quanta fuit, die Festschrift für den Regensburger Kunsthistoriker Hans-Christoph Dittscheid, dieses Schicksal nicht teilen muss.

     

    Aus der schieren Masse an Festschriften ragt sie schon alleine durch ihr physisches und geistiges Gewicht heraus. Der Band versammelt weit über 30 Beiträge gegliedert in sieben verschiedene Kategorien, die von der Antike über die jüdische Kultur bis hin zur Architektur der Postmoderne reichen – das alles macht zusammen stolze 846 Seiten, die vor klugen kultur- und kunstgeschichtlichen Betrachtungen nur so überborden.

     

    Ein inspirierter Lehrer

    Diese Vielschichtigkeit dürfte ganz im Sinne des Jubilars sein, der in seiner Vita neben architekturhistorischen Schriften von der Antike bis zur Moderne mit den Feldern jüdische Kultur, Architekturtheorie und vielem mehr ein ähnlich mannigfaltiges Feld abdeckt wie seine Festschrift zum 60. Geburtstag. Weit über seine wissenschaftliche Tätigkeit hinaus geht auch Dittscheids beherzter Einsatz für Denkmalpflege und den Schutz vergessener aber nichtsdestoweniger bewahrens- und schützenswerter Kulturgüter; nicht nur in seiner nächsten Region – der chronisch unterschätzten Oberpfalz –, sondern auch in ganz Deutschland. Sein jüngster Einsatz für Luthers Taufkirche in Eisleben zeugt von diesem aufrichtigen Engagement.

     

    Nicht zuletzt aber ist Prof. Dr. Hans-Christoph Dittscheid ein inspirierender und inspirierter Lehrer, der den Funken der Liebe zur Kunst schon an mehrere Generationen von Studenten weitergegeben hat. Mit Verve – und ab und an auch durchaus aufbrausender Begeisterung – hat sich Dittscheid an der Universität Regensburg eingebracht. Davon durfte sich, wie aufmerksame Leser wohl schon längst vermuten, auch der Verfasser dieser Zeilen überzeugen.

     

    Der Jubilar im (fairen?)
Zweikampf mit dem
TITEL- Autor Nico 
Kirchberger. Der Jubilar im (fairen?)
    Zweikampf mit dem
    TITEL- Autor Nico
    Kirchberger.

    Ipsa ruina docet

    So gerät diese Festschrift mit dem schönen Titel Roma quanta fuit – zu ergänzen wäre ipsa ruina docet: Wie groß Rom war, lehren selbst seine Ruinen – tatsächlich zu einem Kompendium der (hier vorwiegend traditionsbewussten) kunst- und kulturhistorischen Forschung. Wie groß die Aufgabe ist, das uns anvertraute Kulturgut zu bewahren und beschreibend einzuordnen, vermag dieser opulente und tatsächlich sehr lesenswerte Band zu lehren.

     

    Die intellektuelle Reise führt uns vom auch in diesem Band durchaus kontrovers diskutierten Thema des alttestamentarischen Bilderverbots (Regina Radlbeck-Ossmann und Hans Schwarz) über Jochen Zinks umfang- und detailreiche Beschreibung der Benediktinerabteikirche von Saint-Gilles bis hin zu Mathias Listls furioser Analyse der postmodernen Architektur anhand der Allegorie der Ruine, die Walter Benjamin nicht ohne Grund zu einem Signum der Unsicherheit in Zeiten des drohenden Ich-Verfalls erklärt hatte.

     

    Auf dem Weg findet man allerhand Bereicherndes wie die stets profunden Ausführungen des Mediävisten Albert Dietl zu Namensinszenierungen in mittelalterlichen Künstlerinschriften, Nico Kirchbergers Analysen des eucharistischen Subtextes in barocken Früchtestillleben und nicht zuletzt Wolfgang Schöllers höchst amüsante Darstellung des Sammlers und Mäzenaten Adolf Friedrich von Schack.

     

    Ein neunhundertseitiges Mammutunternehmen

    Es darf also gehofft werden, dass dieser Band gerade nicht einzig und allein in den Regalen der Forschungsbibliotheken verschwindet, sondern dass ihm viele interessierte Leser vergönnt sind. Dies würde dem fast neunhundertseitigen Mammutunternehmen der Herausgeber (Albert Dietl, Stefan Paulus, Gerald Dobler, Hans Schüller) ebenso gebühren, wie dem Befeierten selbst, der sich in der abschließenden graphischen Arbeit Birgit Eiglspergers so zeigt, wie man es von ihm kennt – als begeisterter Lehrer und Kunstliebhaber.

     

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