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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 25. April 2017 | 14:22

    Sebastian Hein/Ladislav Zajac (Hrsg.): Oil on canvas

    24.02.2011

    Die Eroberung der Off-Räume

    Eine Gruppe von Absolventen der Nürnberger Akademie der Bildenden Künste hat sich zusammengeschlossen, um unter dem Stichwort „Kunst(selbst)-Management“ eigene Werke auszustellen; federführend waren dabei die beiden Absolventen Sebastian Hein und Ladislav Zajac. Im Anschluss an das Projekt „oil on canvas“ wurde nun der gleichnamige Ausstellungskatalog präsentiert. Von STEPHANIE RAPPL

     

    Als junger, aufstrebender Künstler hat man’s nicht leicht in Nürnberg. Eine zentral organisierte Absolventenausstellung der Akademie der Bildenden Künste gibt es nicht, Galerien und Kuratoren, die sich gegenüber noch unbekannten Namen aufgeschlossen zeigen, sind vergleichsweise spärlich gesät. Es bleiben im Großen und Ganzen zwei Alternativen: Die Flucht ergreifen und nach Berlin ziehen – oder selbst aktiv werden. Für die zweite Möglichkeit haben sich Sebastian Hein und Ladislav Zajac entschieden und für die Ausstellung „oil on canvas“ im November 2010 zusammen mit 22 Künstlerkollegen einen Off-Raum aktiviert, genauer gesagt das ehemalige AEG-Gelände in Nürnberg, dessen Halle 15 mit einer Fläche von 3.500 qm den Beteiligten reichlich Platz bietet – neben bereits abgeschlossenen Werken wurde deshalb auch eine Reihe von Installationen eigens für diesen Zweck geschaffen.

     

    Sebastian Hein, ,,M.U.T.E", 2009 Sebastian Hein, ,,M.U.T.E", 2009

    ,,oil on canvas": Von der Formel zum Programm

    Das Konzept, das die unterschiedlichen Beiträge vereint – Ausstellung und Katalog umfassen neben Skulpturen und Installationen auch Arbeiten in den Medien Film, Zeichnung und Fotografie – ist die Auseinandersetzung mit dem Raum. Unter dem Stichwort „neues Raumdenken“ bewegen sie sich sämtlich an der Grenze zum Skulpturellen; in seinen einleitenden Bemerkungen zur Ausstellung bringt der Kunstkritiker Thomas Wagner den Gedanken hinter den Werken auf den Punkt: „Der Möglichkeiten sind viele, nach einer außerästhetischen Realität zu greifen, um der Neutralisierung der Abstände und der Kompression des Raumes entgegenzuwirken.“

     

     

    Bewusst irritierend ist der Titel der Ausstellung gewählt: Die feststehende Formel „oil on canvas“ erwartet ein Kunstbetrachter in der Regel auf einem kleinen, weißen Schildchen unter einem Bild bzw. als Kommentar zu einem Werk, sicher aber nicht als Titel einer Ausstellung. Durch die Kontextverschiebung von der formelhaften Formulierung zum Programm, so Peter Wendl im Vorwort des Katalogs, soll die Reaktion der Künstler auf diese Ansage sichtbar gemacht werden: Der Gedanke führt weg von den eigentlichen Medien der Kunst, Öl und Leinwand, hin zu deren räumlichem Bezug zueinander – und dieser Bezug bildet den inhaltlichen Kern der Arbeiten, die sich über sämtliche Mediengrenzen hinweg mit dem Thema „Erzählen von Raum“ auseinandersetzen.

     

    Orschler/Zajac, ,,Everything is in its right place 2", 2009 Orschler/Zajac, ,,Everything is in its right place 2", 2009

    ,,Raum" als Leitmotiv

    Auf diese Weise werden zum Teil sehr unterschiedliche Arbeitsweisen und Interessen der teilnehmenden Künstler vorgestellt. Sebastian Heins Skulptur „M.U.T.E“ etwa spielt mit dem Volumen und gibt die Solidität des Körpers auf zugunsten der wechselseitigen Durchdringung von Objekt und umgebenden Raum, in die auch der Sockel als fester Bestandteil der Skulptur mit einbezogen wird. Auch in der Installation „Everything is in its right place 2“ von Philipp Orschler und Ladislav Zajac spielt der Sockel eine „tragende“ Rolle: auf spiegelnden Oberflächen wird die Wahrnehmung des Raums facettiert, wobei auch der Standpunkt des Betrachters oberhalb der ebenerdigen Installation in den Effekt der Installation bewusst mit einkalkuliert wurde.

    Mit dem reizvollen Gegensatz von per se körperlosem Medium der Computergrafik und fiktivem Raum setzt sich die „Phoenix“-Reihe von Klaus Schiffermüller auseinander: Durch artifizielle Oberflächenbehandlung lässt der Künstler vor dem Auge des Betrachters Raum entstehen, wo eigentlich keiner ist. Ganz auf den narrativen Effekt wiederum setzen Matthias Böhler und Christian Orendt in ihrer dreizehnteiligen Installation „Transcending Excellence is our Heritage“, die einen schonungslosen Kommentar zur Eroberung des Raums durch Zivilisation und Fortschritt abgibt.

     

    Klaus Schiffermüller, ,,Phoenix 2", 2009 Klaus Schiffermüller, ,,Phoenix 2", 2009

    Katalog mit Hybridcharakter

    Viel Spannendes und Ungesehenes gibt es zu entdecken in diesem kleinen, aber feinen „Do it yourself“-Katalog, der sich auch in seiner Aufmachung bewusst spartanisch und somit als erfrischender Kontrapunkt zu den Hochglanzproduktionen des Kunstliteraturbetriebs gibt. Zwar hätte man sich mehr Erläuterndes zu den einzelnen Werken und ihren bislang noch unbekannten Schöpfern gewünscht, jedoch versteht sich der Band selbst als Dokumentation des Projektes, das die Absolventen der Nürnberger Akademie in Eigenregie geplant und durchgeführt haben. Als Hybrid zwischen klassischem Ausstellungskatalog und Künstlerbuch – auch „zwischen Low- und High Culture“, wie es das Presseprogramm auf der Homepage ankündigt –  ist der Katalog jedenfalls mehr als sehenswert. Näher dran an der Produktion zeitgenössischer Kunst kann eine Publikation schlichtweg nicht sein!

     

     

     

     

    Künstlerliste: Elisa Baumgartner | Biederpunk | Daniel Bischoff | Frank Brümmel |Sebastian Hein | Martin Hotter | Tatsushi Kawanabe | Sebastian Kuhn | Jörg Obergfell |Christian Orendt | Philipp Orschler | Eva Raschpichler | Patrick Ruckdeschel | Klaus Schiffermüller | Michl Schmidt| Andrea Spreafico | Andrea Sohler | Thomas Straub | Sebastian Stumpf | Johan Sturcz | Florian Tuercke | Jens Velling-Schürman | Erika Wakayama | Peter Wendl | Ladislav Zajac

     

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