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Chinas Revision - Focus Beijing.

23.04.2009

Keine Revolution

Mit über 1,3 Mrd. Bewohnern ist China Bevölkerungsweltmeister, bald Exportweltmeister und vielleicht auch einmal Fußballweltmeister. Aber werden sie in Zukunft auch die Kunstwelt beherrschen?, fragt sich OLAF SELG.

 

Der schier unerschöpfliche Pool an potenziellen Künstlern wird in Zukunft immer mehr von sich Reden machen – trotz oder gerade wegen der autoritären politischen Verhältnisse, in denen eine heterogene Bevölkerung zu einem großen Teil in Armut lebt.

 

Der vorliegende Bildband vermittelt allerdings nicht den Eindruck, dass sich die 15 präsentierten Künstler – und keine Künstlerin! – durch einen besonders kritischen Umgang mit den Verhältnissen, in denen sie teilweise leben, auseinandersetzen. Vielmehr wird eine starke Orientierung an westlichen Ideen und Verkaufsmaßstäben, am westlichen Kunstmarkt deutlich. Damit lösen sich die Künstler einerseits sowohl vom lange vorgeschriebenen, nervtötenden Propagandastil als auch von einer langen Tradition, in deren Folge sie in unserem Bewusstsein oftmals im Völkerkundemuseum Abteilung Kalligraphie abgestellt werden. Andererseits droht ihre Kunst unspezifisch und beliebig zu werden. Mit anderen Worten: Insbesondere wenn die eigenen Wurzeln erkennbar bleiben, bietet die chinesische Kunst eine Bereicherung.

 

Neo-Traditionalismus

Dass dies funktionieren kann, zeigen etwa die Arbeiten von Ji Dachun oder Xu Bing. Die Öffnung zum Westen ist also eine Chance, die jedoch künstlerische Risiken birgt, wie Xu Bing beschreibt: „Die größeren Möglichkeiten sind grundsätzlich gut für chinesische Künstler. Sie haben derzeit relativ schnell Erfolg. Von vielen Künstlern wird allerdings erwartet, dass sie noch mehr und höhere Qualität in der Kunst erreichen, aber sie sind vom Ruhm und vom Geld gefangen.“


Die knapp 70 Abbildungen können erwartungsgemäß leider nur einen äußerst bruchstückhaften Eindruck vom Neo-Traditionalismus in der aktuellen Chinesischen Kunst vermitteln. Aber „China's Revision“ kann mehr als nur oberflächlich Interesse wecken, vor allem weil der Band einige Interviews enthält, die Herausgeberin Beate Reifenscheid mit einigen chinesischen Künstlern geführt hat.


Die O-Töne von Fang Lijun (geb. 1963), Liu Xiaodong (geb. 1963), Xia Xiaowan (geb. 1959), Xu Bing (geb. 1955) und Yang Qi (geb. 1952) bieten Einblicke in verschiedene Lebenswelten und ihre Suche nach der eigenen Identität in der Auseinandersetzung insbesondere mit westlichen Vorbildern.

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