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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 23. April 2017 | 07:35

     

    Iranian Photography Now

    12.03.2009


    Paragliding im Iran

    Dieses Buch ist ein Glücksgriff. Denn noch immer ist der Iran zumindest für große Teile der westlichen Welt eine terra incognita.
    Von Matthias Struch

     

    Die Vorstellungen und Bilder speisen sich aus Tiraden des Präsidenten, Geschichten der Comicautorin Satrapi und der Tragik um Soraya. Dann gibt es noch den Schah und seine Prügelperser 1967 in Berlin, Ayatollah Chomeni bei seiner Ankunft 1979 im Iran, dem Jahr der islamischen Revolution und die Filme von Abbas Kiarostami und der Familie Makkmalbaf.

    Das bei Hatje Cantz erschienene Fotobuch „Iranian Photography Now“ tut sein Bestes, diese Vorstellungen zu erweitern, was ihm in bemerkenswerter Weise gelingt. Der Blick auf das Land kann nach der Lektüre weitaus differenzierter sein als zuvor. Eine beeindruckende Leistung für ein Buch, vor allem aber ein Beleg für die Qualität der Bilder, des Blicks ihrer Autoren.

    Poesie und Reportage

    Was zunächst auffällt an diesem ersten Überblick zur zeitgenössischen Fotografie im Iran ist die Vielfalt – an Themen, an Sujets, an Bildsprachen. Alltag, Freizeit, Familiengeschichte, Landesgeschichte, Unterdrückung, Gewalt, Sexualität, Identität, die Frau in der Gesellschaft, der Mann in der Gesellschaft, mithin die Gesellschaft. Inszenierungen künstlerischer und konzeptueller Fotografie stehen neben sozialdokumentarischen Alltagsbeobachtungen, politische Statements neben Naturbildern, Poesie neben Reportage, vieles in hoher Qualität. Es sind gute Bilder, die wir sehen, beeindruckend und aufrüttelnd, mitunter anrührend und traurig, oft sehr genau, manchmal ironisch und provokant, manchmal verspielt. Man trifft auf manche Klischees, die jedoch durch angemessene Verortung zu authentischen Bildern werden.

    Unter den 36 Fotografinnen und Fotografen des gefüllten Kompendiums finden sich bekannte Namen wie Abbas, Reza Aramesh, Shirin Neshat oder Abbas Kiarostami, aber auch unbekanntere wie Seifollah Samadian, Newsha Tavakolian oder Mehdi Vosoughnia. Nicht alle von ihnen leben im Iran. Und sie äußern sich selbst: Den Bildstrecken der einzelnen Fotografen sind oft erhellende, mitunter poetische Statements vorangestellt und manche Bekenntnisse. Warum schwarz-weiß? Warum Badehäuser? Wie bin ich geworden, wie ich bin, und warum?

    In einem Eingangsessay begründet Herausgeberin und Kunsthistorikern Rose Issa ihre Auswahl, gibt Anregungen zu Lesarten und beschreibt die Tradition des fotografischen Mediums im Iran, die schon Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Etablierung der Porträtfotografie beginnt, bis in die Jetztzeit.

    Sammelbände haben nicht selten das gleiche Problem wie Gruppenausstellungen: Man erfährt zumeist nicht wirklich etwas über den einzelnen Künstler, und über die Gesamtheit schon gar nichts. Hier nun ist beides gelungen, scheinen Heterogenität und Zusammenstellung ein Glück.

    Matthias Struch







    Abb.: Parastou Forouhar: Aus der Serie „The Swanrider”, 2004

    Rose Issa (Hg.): Iranian Photography Now. Texte von Martin Barnes, Homi Bhabha, Rose Issa. Engl. Hatje Cantz 2008. 236 S. mit 189 Abb., davon 149 farbig. 39,80 ¤. ISBN 978-3-7757-2257-5

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