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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 23. Juli 2017 | 18:48

     

    inside//outside - Innenraum und Ausblick

    12.02.2009


    Raumkunst

    Reale Räume, fast immer menschenleer. Sie schaffen Freiräume für Imagination, reizen zur Spekulation, scheinen auf die Abrissbirne oder auf ein weiteres Crime-Scene-Investigation-Team zu warten. Von Olaf Selg

     

    Der Band „inside//outside – Innenraum und Ausblick in der zeitgenössischen deutschen Fotografie“ wirkt im besten Sinne wie ein Essay. Der Themenkomplex „Raum und Sehen“ wird in Texten und Fotografien umkreist, vieles angedeutet, spielerisch verknüpft, keine Zwangsläufigkeit festgeschrieben. Den Lesern und Betrachtern werden Denkräume bzw. „Imaginationsräume“ (Franck Hofmann) eröffnet. Einziges Manko des Bandes: Größere Abbildungen, die sich über mehr als eine Seite erstrecken, verlieren durch den Knick in der Buchmitte an Wirkung.

    Nicht unwichtig zu wissen ist, was Simone Förster in ihrem kompakt einleitenden Aufsatz („inside//outside – Innenraum und Ausblick in der zeitgenössischen deutschen Fotografie“) erläutert: Der Ausstellungstitel leitet sich „aus einem Begriff der musikalischen Improvisationstechnik im Jazz ab, ... bei der sich der Solist für eine bestimmte Zeit gänzlich von den harmonischen Vorgaben, der Tonalität des Motivs oder des Themas und der zugrunde liegenden Akkordfolge ... entfernt und es entstehen ... freie, akkordfremde, abstrakt wirkende Klangbilder“. Dies führt allerdings beim Jazz nicht dazu, sich in einer völlig schrägen Tonfolge zu verlieren, wie man vermuten könnte, sondern konsequent immer wieder zurück zum Thema – wie auch in diesem Fall in der Fotokunst. Förster zeigt geschickt auf nur wenigen Seiten verbindende Linien auf und verknüpft die Bilder mit möglichen Intentionen der Fotografen, ohne dabei unnötig festzuschreiben.

    Das Verschwinden des Außen

    Franck Hofmann behandelt in seinem Text „Ein Fenster in der Welt. Reflexionen über den Zusammenhang von Innenraum und Ausblick“ die Rolle des Betrachters und das Verhältnis von Innen- und Außenraum an seiner ureigensten Schnittstelle, dem Fenster. Das Fenster ist sowohl verbindendes Element von innen und außen in der Realität als auch Motiv in der Kunst (also nicht nur in der Fotografie). Die Feststellung, „die Arbeiten der Ausstellung bezeugen ein Verschwinden des Außen, auf das ein Blick zu richten wäre“, ist dabei sehr allgemein gefasst und vielleicht nur auf eine (vorübergehende) Interieurverliebtheit der ausgewählten Fotografien oder Fotografen zurückzuführen, obwohl nur sechs von 16 Künstlern - namentlich Günther Förg, Sabine Hornig, Thomas Florschuetz, Andreas Gursky, Edgar Lissel und Heidi Specker - versuchen, das Spektrum von „inside//outside“ breiter anzuspielen. Sie zeigen Verknüpfungen von innen und außen (z.B. Thomas Florschütz’ Aufnahmen heraus aus der Abrissruine des Palasts der Republik in Berlin, 2006) oder „die Überlagerung von außen und innen als transparente Schichtung“ (Förster), wie Sabine Hornig in ihren Bildern.

    Auf vielen Fotos sind also Innenräume zu sehen, mal kunstvoll gestaltete (z.B. Candida Höfer: Theatro Municipal Rio de Janeiro II, 2005), mal künstlich nur für eine Nacht und für die Fotografie umgebaute Räume (Florian Slotawa und seine Umbauten in Hotelzimmern von 1998 und 1999), mal leergeräumte (z.B. Laurenz Berges im Berliner Umland, 1994) oder schon immer leerstehende Räume als Folge des Baubooms (z.B. Hans-Christian Schinks Büroleerstand, 1998).
    Gemeinsam aber ist allen Bildern, egal ob auf ihnen ein Innen- oder Außenraum oder eine komplexere thematische Verknüpfung zu sehen ist, dass sie Fragen nach dem Grund für den jeweiligen Raumzustand und nach seiner möglichen räumlichen Einbindung in die reale Umgebung aufwerfen, also Neugierde auf die Geschichte hinter dem Foto wecken.

    Olaf Selg












    Abb.: Florian Slotawa: Pension Josefine, München, Zimmer 18, Nacht zum 5. Juli 1999

    Walter Smerling, Simone Förster (Hg.): inside//outside – Innenraum und Ausblick in der zeitgenössischen deutschen Fotografie. Texte von Simone Förster, Franck Hofmann. Wienand Verlag 2008. 112 Seiten mit 56 farbigen und 16 s/w Abb. 29,80 ¤, ISBN 978-3-87909-970-2



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